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So will die SRG in 10 Jahren das Internet und die Jungen erobern

#Oeffentlichkeit40
13. April 2016
Chefredaktor


Das Schweizer Radio und Fernsehen hat ein grosses Problem: Das Publikum wird immer älter und ist in den nächsten Jahren vom Aussterben bedroht, während die Jungen ihre Sendungen lieber zeitversetzt,im Internet und unterwegs schauen. Die SRG muss dringend ihre Strategie anpassen, will sie nicht noch mehr zum Altersheim verkommen und ihren demokratischen Auftrag weiter erfüllen können.

Öffentlichkeit 4.0 – unter diesem Titel präsentierte die SRG darum den Plan, wie sie den Zuschauerschwund in den nächsten zehn Jahren stoppen und mit den digitalen Neuheiten wie dem Internet umgehen möchte. Wirklich innovativ sind die Erkenntnisse und Strategien nicht. Grosse Herausforderungen in Gesellschaft, Politik und Medien werden beschworen, die mit neuen Technologien gelöst werden können. Vieles davon wird bereits seit Jahren diskutiert, vieles wurde schon von jüngeren Medien in die Realität umgesetzt. In der Studie, welche die SRG in Auftrag gegeben hat, geht es hauptsächlich um das Internet: Heutzutage sind die Menschen online und können mit dem Smartphone, wann immer sie wollen, aus einem weltweiten Angebot das für sie persönlich Passende auswählen. Dies bedeutet:

--> Das klassische lineare Fernsehen zuhause auf dem Sofa wird früher oder später tot sein. --> Alle Medien, egal ob TV, Radio oder Zeitung, müssen sich als Inhaltsproduzenten und -Lieferanten verstehen und das Internet wird alle diese bisherigen Kanäle verändern oder verdrängen. --> Und das wiederum bedeutet auch, dass die Inhalte zielgruppenspezifisch aufbereitet werden müssen und zeitversetzt konsumiert werden können.

Das sind grosse Herausforderungen und gleichzeitig grosse Möglichkeiten. Denn die Zielgruppen sind fragmentiert: Die einen wollen eine Geschichte lesen, andere wollen sie als Video und die die dritten wollen sie beim Sport als Podcast hören. Gerade das bewegte Bild wird als die Form der nahen Zukunft gehyped: Facebook pusht die Videos bis zum Gehtnichtmehr, Snapchat drängt in den Markt und Medien wie Buzzfeed machen vor, wie mit diesen Plattformen zusammengespannt werden kann. Mit ihrer Erfahrung und der Infrastruktur hat die SRG eine sehr gute Ausgangslage, diese Herausforderungen zu meistern. 2016-04-12 17.50.21 Natürlich geht dies nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Ein derart grosser Dampfer wie die SRG kann wegen den bestehenden Strukturen und den heutigen Angestellten nur langsam auf Kurs gebracht werden. David Bosshart, der Chef des GDI, welches die Studie für die SRG durchgeführt hat, bemerkte richtigerweise, dass grosse Konzerne nicht in der Lage sind, Neuerungen durchzuführen. Im Fazit des Papiers steht: «So dynamisch und interaktiv, wie sich der Markt der audiovisuellen Medien national und international darstellt, eröffnen sich der SRG neue Segmente und Perspektiven, wenn sie sich den Wettbewerbsvorteil junger Anbieter von neuen Medien zunutze macht: Sie können schnell und günstig experimentieren.» Dafür sei es wichtig, dass hierarchische Strukturen abgebaut und in den «Experimentalmodus» umgeschaltet wird. Dafür brauche das Medienhaus der Zukunft eine Fehlerkultur, kleine Projektgruppen und – ganz wichtig – eine klare Haltung, Authentizität und das Vertrauen der User. Das ist, und dies wissen moderne Medien, die Basis für eine gute Zusammenarbeit mit den Usern.





Eigentlich ist es die gleiche Leier, die wir vor ein paar Jahren von den Zeitungsverlagen hörten. Das Internet klaut Leser und Zuschauer und jetzt müssen die Verlage und TV-Stationen ihren Zielgruppen nachrennen. Wie oben erwähnt, geht es dabei einerseits um das Loslassen vom reinen Kanaldenken und andererseits auch um Anpassungen in den Arbeitsprozessen. Denn wie bei den Zeitungen liegen auch beim Fernsehen die Herausforderungen nicht primär bei den Inhalten an sich. Gerade bei der SRG haben diese meist eine sehr hohe Qualität. Das Problem: Die Mediennutzung verändert sich stetig.

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Alles Gesagte und Geschriebene klingt toll und es bleibt zu hoffen, dass die SRG die Ergebnisse der Studie rasch umsetzen kann. Denn die Schweiz braucht einen modernen Service Public, der in unserer halbdirekten Demokratie die Rolle der vierten Gewalt einnehmen kann. Eigentlich müsste die SRG heute schon soweit sein, nicht erst in zehn Jahren.




Titelbild: GDI

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