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Stolze Openair (Foto: Stefan Tschumi)

So planen die Zürcher Openairs den Sommer

An alle Musikfreund*innen, Nachtschwärmer*innen, Bewegungsfreudige, Outdoormenschen, Gourmetbegeisterte und ganz allgemein Geniesser*innen, deren Tanzbeine bereits kribbeln: Die Openair-Saison in diesem Sommer ist noch nicht ganz abgeblasen. Zu versprechen gibt es noch nichts, einige Daten sollen aber trotzdem provisorisch im Agendabüechli reserviert werden.
12. März 2021
Praktikantin Redaktion

Wie gerne würden wir uns diesen Sommer unter freiem Himmel von der belebenden Musik mitreissen lassen und den Frust der vergangenen Monate aus dem Leib tanzen. Nun aber beginnen bereits die ersten Organisator*innen, die diesjährig geplanten Sommerfestivals abzusagen. Den Anfang macht das Greenfield Festival im Berner Oberland. Die Planungsunsicherheit sei zu gross und es benötige eine einheitliche und praxistaugliche Strategie für Festivals, sagen die Verantwortlichem gegenüber 20 Minuten. Die finanzielle Situation ist vom vergangenen Jahr bereits angespannt. Viele Organisator*innen mussten bei den Einnahmen rote Zahlen schreiben, denn die Planung der Veranstaltungen beginnt schon lange im Voraus. Der finanzielle Spielraum ist oftmals zu klein, um mehrere Ausfälle in Kauf nehmen zu können. Hinzu kommt, dass der im Nationalrat angenommene 350-Millionen-Rettungsschirm in Form einer Ausfallversicherung für abgesagte Grossanlässe nun vom Ständerat gestrichen wurde. Es brauche auch hier eine gesetzliche Grundlage für klare und nachhaltige Lösungen.

Die Branchenvertreter*innen der Festivals hoffen währenddessen auf baldige Entscheidungen. Der Bundesrat selbst hält sich aber derzeit mit grossen Lockerungsschritten noch zurück. Auch die Gesundheitsdirektion des Kanton Zürichs wollte sich auf unsere Anfrage nicht äussern. Man müsse die Entscheide des Bundes abwarten, es seien noch zu viele Fragen offen. Auch zu einer Impfpflicht für Veranstaltungen geben die Behörden keine Aussagen. Von Seiten der Organisator*innen der Zürcher Festivals steht eine Impfpflicht momentan aber nicht zur Debatte.

Ein unbeschwertes Festivalhopping gleicht also momentan eher einer Wunschvorstellung. Trotzdem haben wir mit einigen Veranstalter*innen der Zürcher Festivals und Openairs gesprochen. Und sie finden: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

Stolze Openair (Foto: Tim Wettstein/ Stefan Tschumi)

Stolze Openair

Jede*r der schon einmal am Stolze Openair im Kreis 6 war, kommt wohl nicht so schnell aus dem Schwärmen. Es ist nicht nur für jene, die mit dem kleinen Portemonnaie unterwegs sind, nebst freiem Eintritt und vielfältigen musikalischen Acts gibt es nämlich auch kulinarische Leckereien, ein Jass-Turnier und Stolze Tschutti-Cup für die Spielbegeisterten, eine Bastel-Ecke für die Kleinen und unglaublich gute Stimmung. Gemäss den Organisator*innen wird sich noch zeigen, ob und in welcher Form das Openair im Juni stattfinden darf. Benji vom OK meint: «Die Stimmung im Team ist verständlicherweise eher verhalten-optimistisch, wenn es konkret ums Jahr 2021 geht. Denn die Enttäuschung über die letztjährige Absage steckt uns allen noch tief in den Knochen. Doch grundsätzlich ist das OK voll motiviert und sprüht vor lauter Ideen.» Wir bleiben gespannt und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen!

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Landenbergfest

Du würdest gerne mal im Kreis 10 die Nacht durchtanzen? Dann halte deine Daumen gedrückt für das Landenbergfest Mitte Juni, das am gleichen Wochende wie das Openair Wollishofen stattfindet. Wie bei den anderen Festivals steht auch hier noch alles offen, meint Noel vom OK. Das offene Areal erschwere die Kontrolle der Besucher*innenanzahl. Der Vorteil des Landenbergfests sei aber, dass sie das Fest etwas redimensionieren und relativ kurzfristig planen können. Aus diesem Grund erwägen die Organisator*innen ein Alternativdatum, das voraussichtlich auf Mitte September geplant wird.

Werdinsel Openair

Nach der Enttäuschung vom vergangenen Jahr gibt es auch für das diesjährige Werdinsel Openair im August leider kein grünes Licht. Die momentane Situation erlaube es dem Team nicht, an ein definitives Festival zu denken. Für seine «Insulaner*innen», wie das Openair seine Besucher*innen liebevoll nennt, wird aber bereits nach alternativen Lösungen gesucht, um ein Stück des Festivals auf der Zürcher Hausinsel am Leben zu erhalten. News dazu werden auf der Homepage oder auf Facebook gepostet. «Nun heisst es flexibel bleiben. Die Hoffnung stirbt schliesslich zuletzt», schreiben die Veranstalter*innen.

Äms Fäscht

Geplant ist das Äms Fäscht auf der Bäckeranlage. Das interkulturelle Fest als Alternative zum 1. August setzt jährlich ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Abschottung und gehört zu Zürich wie der Prosecco zu einer guten Party. Darum soll es, wenn möglich, auch diesen Sommer stattfinden. So wie bisher, ohne Exklusion oder Diskriminierung und für eine Welt ohne Grenzen. Die Aufnahme von Personendaten oder die Pflicht von Tracking-Apps auf den Handys lehnen die Veranstalter*innen ab. Dies, da das Äms Fäscht ein Fest für alle sei und Tracking-Apps Menschen im Asylverfahren oder Sans Papiers indirekt ausgrenze. Hoffnung besteht aber nach wie vor, denn bis zum ersten August kann sich die Lage noch verändern. Am besten dem Äms Fäscht direkt auf Instagram oder Facebook folgen, um über die neuesten Entscheidungen informiert zu bleiben.

Äms Fäscht (Foto: Urs Meier)

Röntgeplatzfest

Passend zum Spätsommer legt jeweils das Röntgenplatzfest noch einmal richtig nach und sorgt seit über 30 Jahren für gute Musik mit namhaften Künstler*innen. Auch hier wird kein einziger Stutz als Eintritt verlangt, was das Fest im Kreis 5 zu einem viel besuchten Grossanlass macht. Nebst grossem Musikprogramm schaffen die Organisator*innen auch Platz für politische Reden und Podiumsdiskussionen. Luisa vom OK bestätigt die Planung des Röntgenplatzfests vom 27. bis 28. August: «Wir planen das Fest wie vergangenes Jahr sprich wir gleisen alles auf, stellen ein Gesuch um eine Bewilligung und versuchen, die kostenpflichtigen Schritte spätmöglichst zu machen.» Das Line-Up stehe bereits, sei aber noch streng geheim. Die Stimmung im Team sei nach wie vor gut, wenn auch alle das Zoom-Bier nur zu gerne gegen ein Live-Bier tauschen würden.

Zürich Openair

Wer es etwas grösser mag, ist beim Zürich Openair, das diesen Sommer vom 25. bis 28. August geplant ist, richtig. Eine angepasste Version gibt es laut Michael Fasler, Leiter der Finanzen, nur zu einem gewissen Teil. «Wir machen ein richtiges Openair. Wir haben Top-Acts aus der ersten Liga.» Einschränkungen in der Personenanzahl seien darum eher gering. Ansonsten seien sie offen für Anpassungen und werden verschiedene Versionen testen. Passend zum Zehnjährigen werde das ganze Gelände überarbeitet und ein neues Design entwickelt. Es gebe also genug zu tun, wenn auch mit einer reduzierten Anzahl Mitarbeiter*innen.

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