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So geht es den Zürcher Kinos im Corona-Sommer

Filmstopps, Hygienemassnahmen und Optimismus: Seit drei Monaten sind die Kinos wieder offen. Wie ist die Lage in Zürich? Tsüri.ch hat bei den Kinos nachgefragt.
15. August 2020
Praktikantin Redaktion

«Ich bin wohl im falschen Film». Das dachte sich während der Corona-Krise vermutlich jede*r und schon war er da, der Griff zur Fernbedienung. Egal ob Action, Thriller oder Liebeskomödie, alles war besser als die Pandemie. Der Realität kann man immer noch entfliehen, nun aber in Gesellschaft anderer.

Ein Kinobesuch zu Coronazeiten

Es ist dunkel und kühl. Spannung liegt in der Luft, genauso wie der Geruch von Popcorn. Unzählige Augenpaare blicken zur Leinwand...und Action! So ähnlich liefen Kinobesuche in der Vergangenheit ab. Mittlerweile ist es Sommer, es ist heiss und da ist ja noch ein Virus - nicht gerade die besten Voraussetzungen, die Kinobank zu drücken.

KITAG setzt auf Fussball und Blockbuster

Die Schweizer Kinobetreiberin KITAG berichtet Tsüri.ch von fehlenden Filmproduktionen und auch die behördlichen Einschränkungen stellen eine Herausforderung dar. Aufgrund der Besuchszahlen lohnt sich kein Dauerbetrieb; die KITAG-Kinos sind momentan nur von Freitag bis Sonntag geöffnet. Die UEFA Champions League-Spiele werden unter der Woche gemäss Spielplan live im Kino gezeigt. Am Mittwoch, 26. August startet die KITAG den Blockbuster «TENET», für welchen die Öffnungszeiten entsprechend angepasst werden, wie es auf Anfrage von der Pressestelle heisst. Wird er das Licht am Ende des dunklen Filmtunnels und lockt die Besucher*innen wieder ins Kino?

Riffraff & Co. hoffen auf die Zukunft

Auch die Neugass Kino AG, zu der das Riffraff, das Houdini und das Luzerner Bourbaki gehören, berichtet von einer herausfordernden Zeit: Der Kontakt zu den Behörden war eng, wie auch zu den eigenen Mitarbeitenden in Kurzarbeit, um während dem Lockdown den Teamgeist zu wahren. Die internationalen Produktionen lassen auch hier auf sich warten. Geschäftsführer Res Kessler glaubt jedoch nach wie vor an die Zukunft der Kinos: «Das Erlebnis, einen Film mit anderen Menschen in einem dunklen Raum auf einer grossen Leinwand zu geniessen, wird sich nicht verändern.»

Das Erlebnis, einen Film mit anderen Menschen in einem dunklen Raum auf einer grossen Leinwand zu geniessen, wird sich nicht verändern.
Res Kessler

Tiefe Besuchszahlen im Kosmos

Sarah Bleuler vom Kosmos erzählt, dass die Auslastung des Kosmos-Kinos im Vergleich zum letzten Juni und Juli zurzeit bei etwas mehr als der Hälfte der Vorjahreszahlen liegt. Die sommerlichen Temperaturen und die Verschiebung vieler Starts grösserer Filmproduktionen sorgen auch hier für tiefe Besuchszahlen. Weitere Herausforderungen sind unter anderem die Umsetzung des Schutzkonzeptes; so bedeutet zum Beispiel die Erfassung der Personalien des Publikums zusätzlichen Personalaufwand. Ausserdem muss mehr Zeit für Reinigung und Desinfektion eingeplant werden, was zur Folge hat, dass sich weniger Filmslots besetzen lassen. Aufgrund der geringen Nachfrage sei dies momentan zwar kein Problem, könnte jedoch zu einer Herausforderung werden, wenn es die Menschen bei kühlen Herbsttemperaturen wieder vor die Leinwand zieht. Nebst dem Schutz der Zuschauer*innen gilt es auch, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden sicherzustellen, wodurch sich die Mitarbeitenden-Planung komplexer gestaltet, wie Sarah Bleuler ausführt.

Xenix geht nach draussen

Bei den heissen Sommertemperaturen bevorzugen die Zuschauer*innen die Freiluft-Variante des Xenix-Kinos. Die Nachfrage ist dieses Jahr hoch. Die BAG-Massnahmen, wie Mindestabstand oder Desinfektionsspender, lassen sich outdoor einfacher umsetzen, aus diesem Grund gibt es dieses Jahr auch keine Indoor-Variante, sollte die Freiluft-Vorstellung ausgebucht sein. Von den Einnahmen an der Bar hängt dieses Jahr viel ab, zumal die Werbeeinnahmen zurzeit geringer ausfallen. «Wir wollen eine kleine Sommeroase mit Abendunterhaltung sein», so Kommunikationsverantwortlicher Noah Bohnert.

Freiluftkino auf vier Rädern

An warmen Sommerabenden gibt es das Filmerlebnis nicht nur beim Xenix im Freien. Dieses Jahr hat das Allianz Cinema am See auf Drive-in umgestellt; die Zuschauer*innen trennt vom Sternenhimmel nun ein Autodach. Das Feedback der Besucher*innen sei durchwegs positiv gewesen, so Daniel Frischknecht Knörr von Allianz Cinema. Das Konzept liesse sich so auch in coronafreien Zeiten umsetzen. Während die einen Autokino-Premiere feierten, gab es auch die eingefleischten Drive-in-Fans, welche sich extra für den Besuch ein altes Cabrio gemietet haben.

Nach dieser herausfordernden Zeit freuen sich die Kinos, ihre Zuschauer*innen wieder begrüssen zu dürfen. Spätestens wenn im Herbst die Temperaturen fallen, dürfte das die Menschen wieder in die Kinosäle locken. Virus hin oder her.

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