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«Sind die Zürcher Velowege gut?» «Welche Velowege?»

Flickwerk Veloweg
01. Februar 2015
 

Velofahren in Zürich macht keine Freude. Velokuriere, Politiker, Verbände - eigentlich alle, die sich hin und wieder auf den Drahtesel wagen, sind von den hiesigen Velowegen enttäuscht. Das gleiche Bild zeigt auch eine Studie: Unter den Schweizer Städten schneidet die Velostadt Zürich am schlechtesten ab. Wir haben mit Veloenthusiasten und den Verantwortlichen gesprochen.

Die Rangliste spricht Bände: Zürich, die Stadt, welche bei Ranglisten zur Lebensqualität sogar international ganz vorne mit dabei ist, sürmelt abgeschlagen auf dem letzten Rang umher. Es handelt sich um eine Umfrage von Pro Velo Schweiz.

[caption id="attachment_902" align="alignnone" width="595"]Zürich für einmal auf dem hintersten Rang. Zürich für einmal auf dem hintersten Rang.[/caption]

Die Unzufriedenheit mit der Situation zeigt sich auch bei einer Recherche über Facebook. Hier sind spannende Antworten zum Veloweg zusammen gekommen:

[caption id="attachment_903" align="alignnone" width="561"]Facebook-Unterhaltung über die Zürcher Velowege Facebook-Unterhaltung über die Zürcher Velowege[/caption]

Die Stimmung ist deutlich: viele sind unzufrieden. Es werden jedoch auch einige positive Punkte erwähnt: Die Flicks (Polizisten) seien tolerant. Dies war aber auch schon anders: In einer links regierten Stadt wie Zürich stellt sich die Frage, warum die Veloinfrastruktur so unterentwickelt ist. Wir haben beim Grünen Nationalrat und Velofreund Bastien Girod nachgefragt: portrait2

Tsüri: Finden Sie Zürich eine angenehme Stadt, um  Velo zu fahren? Bastien Girod: Es gibt kleine gute Strecken. Um mit dem Fahrrad längere Strecken zurückzulegen, ist Zürich eine Katastrophe. Es gibt kein Weg, der von A bis Z angenehm zu fahren ist.

Wo besteht denn Ihrer Meinung nach der grösste Handlungsbedarf? An Kreuzungen. Eigentlich überall, wo es einen Kampf um Fläche gibt, stehen die Velos in Zürich immer hinten an. Dem liegt ein veraltetes Mischverkehr-Konzept zugrunde, von dem man zu lange nicht los gekommen ist.

Und jetzt ist es zu spät? Das ist eine Willensfrage. Holland war bereits verbaut als man begann Fahrradwege zu erstellen. Jetzt ist Amsterdam die Vorzeigestadt des Veloverkehrs.

Woher kommt der Widerstand in einer links-dominierten Stadt wie Zürich? Auch in velofreundlichen Kreisen war man zeitweise gegen Velowege, weil man die Strasse nicht den Autos überlassen wollte. Da müssen wir auch selbstkritisch sein.

Es gibt einen Masterplan 2025 für den Veloverkehr in der Stadt Zürich. Soll es 10 Jahre dauern um die Stadt velofreundlich zu machen? Genau, das dauert zu lange. Darum haben die Jungen Grünen für eine Veloinitiative gesammelt, die bald vor das Zürcher Stimmvolk kommt. Auch mit den E-Bikes ist zum Beispiel der Milchbuck nicht mehr so weit weg. Die Stadt ist also flacher geworden. Die Steigungen sollten jetzt auch kein Hindernis mehr sein.

[caption id="attachment_905" align="alignnone" width="640"]IMAG04811 Pfeile ins Nichts. Die meisten Velorouten in Zürich sind nicht durchgehend. Hier am Bahnhofquai.[/caption]

Was hat es also mit dem Masterplan Velo 2025 auf sich? Warum dauert es bis 2025, um Zürich mit sinnvollen Velowegen auszurüsten? Dazu hat sich Tsüri mit Urs Walter, dem Velobeauftragten der Stadt Zürich unterhalten:

Tsüri: Sie sind der Velobeauftragte der Stadt Zürich. Finden Sie Velofahren angenehm in Zürich? Urs Walter: Ich bin in Zürich gerne mit dem Velo unterwegs. Der Verkehr ist zwar dichter als in anderen Schweizer Städten, und die Infrastruktur kann sich nicht mit derjenigen der grossen Velostädte messen. Aber immerhin ist  rund ein Drittel der Stadtbevölkerung regelmässig mit dem Velo unterwegs.

In welchem Bereich sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf? Das Routennetz weist nach wie vor Lücken auf, und die Infrastruktur ist eher auf geübte Fahrerinnen und Fahrer ausgelegt. Deshalb stehen in den nächsten Jahren Ausbau und Verbesserung der Infrastruktur im Vordergrund, wie es der Masterplan Velo vorsieht.

Ein automatisches Veloverleih-System mit 50 Stationen sollte bis 2014 eröffnet werden. Momentan liegt der Start bei Juli 2016. Was war der Grund für die Verzögerung? Veloverleih-Systeme sind komplexe und teure Projekte. In einem solchen Prozess kann es zu Verzögerungen kommen. Zum Beispiel musste das Projekt mit der vor zwei Jahren eingereichten Volksinitiative für durchgehende Velorouten koordiniert werden.

Zürich hinkt mit dem automatischen Veloverleih-System im Vergleich mit europäischen Städten weit hinterher. Auch in der Welschschweiz sind solche Systeme schon Jahre in Betrieb. Hat Zürich da einen Trend verschlafen? Die Ausschreibung steht kurz vor dem Abschluss. Zürich wäre die erste grosse Stadt der Schweiz, die ein solches System flächig einführt. Ausserdem profitieren wir von der grossen technischen Entwicklung, die diese Branche erlebt hat.





Der Masterplan Velo ist auf das Jahr 2025 ausgelegt. Ist das nicht etwas langfristig geplant? Zehn Jahre für den Bau von zusätzlichen Fahrradstreifen? Und das Ziel, den Veloverkehr zu fördern ist ja nichts Neues, sondern schon lange ein Ziel der Stadtregierung. Warum dauert das so lange, bis Zürich velofreundlich wird? Wo eine einfache Markierung von Radstreifen möglich ist, sind diese vorhanden. Die noch vorhandenen Lücken im Veloroutennetz bedingen aufwändigere Bauprojekte.

Damit in Zürich an 40 Stellen rote Radstreifen entstehen können, war ein Vorstoss im Nationalrat nötig. Müsste Zürich proaktiver agieren? Zwar sieht man rote Radstreifen in vielen Städten schon seit Jahren - auch in Zürich. Aber erst seit Anfang 2014 gibt es in der Schweiz für die rote Einfärbung eine rechtliche Grundlage. Die Stadt Zürich hat mit ihren Pilotversuchen massgeblich dazu beigetragen, dass diese Grundlage geschaffen wurde.

 

Für die Velo-Lobby Pro Velo Zürich gibt es momentan  zu viele schmerzhafte Lücken im Velorouten-Netz. Der Masterplan Velo sei zwar ein sehr guter Ansatz, nur wird er, gerade wenn es um Infrastruktur geht, viel zu wenig beherzigt. Schliesslich sei der Zürcher Regierung dann doch alles andere wichtiger: Parkplätze, ÖV, Kapazität MIV, Bäume und so weiter. 

Tsüri will wissen, was du zu unseren Velowegen denkst. Hast du Bilder, Geschichten oder kennst du eine besonders gefährliche Stelle auf den Zürcher Strassen? Wir freuen uns über deinen Input hier bei den Kommentaren oder an zh@dieperspektive.ch.



Titelbild: Youtube

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