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Urban Sand und Felix Swiatek vom Verein Openki. Foto: Lara Blatter

Selbstorganisiertes Lernen: «Die intrinsische Motivation soll im Vordergrund stehen»

Das Openki Workshop-Festival findet vom 5. – 8. März in Zürich statt. Das Programm wird von allen mitgestaltet und genauso funktioniert der Verein Openki auch ausserhalb des Festivals. Das Lernen findet selbstorganisiert statt und ist partizipativ.
13. Februar 2020
Praktikantin Redaktion

Im zweiten Stock des Gebäudes am Sihlquai, wo auch der Impact Hub unterkommt, befindet sich das Büro des Vereins Openki. Klingelt man bei ihnen, so surrt es nicht an der Tür: Der Schlüssel zum Gebäude ist an einem kleinen, rosa Fallschirm festgemacht und fliegt einem entgegen. Der Verein bestehe nun schon seit gut 10 Jahren, erzählt Gründer Urban Sand. Die Idee entstand in der Autonomen Schule Zürich; damals kam die Frage auf, welche Kurse man anbieten wollte. Um das Ganze nicht mühsam an Sitzungen besprechen zu müssen, wurde kurzerhand ein Tool entwickelt. Das Tool Openki.

Momentan sind Urban Sand und Felix Swiatek mit der Planung des Openki Workshop-Festivals beschäftigt. Um die Community weiter auszubauen und an neue Interessierte zu gelangen, organisieren sie bereits zum zweiten Mal das Festival. Das Motto ist «Each one, teach one». Das Programm wird von allen mitgestaltet: Alle, die möchten, können einen neuen Kurs vorschlagen, einen leiten oder auch einfach nur teilnehmen.

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Openki der Verein

Openki hat sich zum Ziel gesetzt Menschen zu vernetzen, indem es ihre Fähigkeiten und Wünsche zusammenbringt und das alles auf einer Onlineplattform. Auf dieser Plattform können Kurse organisiert werden.

Das Erklärvideo beschreibt das Prinzip wie folgt: Julia will lernen zu schweissen, über Openki sucht sie jemanden, der*die ihr das beibringen kann. Für einen Schweisskurs braucht es noch Räumlichkeiten, die sogenannten Hosts können sich melden und ihr Raum zur Verfügung stellen. Hat der Kurs genügend Teilnehmer*innen, so findet er statt – die Gruppe verlässt die digitale Openkiwelt und lernt analog das Handwerk des Schweissens.

Openki Night 2018 - Workshop «Speeddating - Was will ich lernen? Was kann ich beibringen?» Bild: Openki

Openki der Pilz - Botanischer Exkurs

«Openki ist ukrainisch für den Hallimasch Pilz», sagt Sand. Das, was wir an der Erdoberfläche von ihm sehen, sei nur die Frucht, aber was ihn ausmache, sei das Myzel; das unterirdische Wurzelsystem des Pilzes. Viele Pflanzen brauchen dieses Myzel, damit sie überhaupt spriessen und neue Erkenntnisse gehen davon aus, dass Pflanzen durch gewisse Botenstoffe des Myzels untereinander in einem kommunikativen Austausch stehen. So sieht sich auch der Verein Openki, als unterirdisches Netzwerk. Sand hat noch viele weiter passende Analogien zum Openki, zum Beispiel tritt der Pilz oft in kleinen Gruppen an der Erdoberfläche auf, aber das unterirdische Wurzelsystem sei riesig. Überhaupt sei der Pilz riesig, man nennt ihn auch das grösste Lebewesen der Erde.

Wie der Pilz will der Verein die Netzwerkfunktion für die Allgemeinheit zugänglich machen. «Unsere Vorstellung ist, dass wir im Hintergrund funktionieren», so Sand. Openki soll einfach ein Tool sein, welches die Leute nutzen und sie dabei unterstützt kollaborative Strukturen aufzustellen.

Bitte mehr Vertrauen!

Openki setzt auf selbstorganisiertes Lernen. Zentral sei die Selbstermächtigung in der Gesellschaft und nicht die Zertifikate, die man erlangt. «Es geht darum, dass man etwas können möchte oder werden will. Die intrinsische Motivation soll im Vordergrund stehen», sagt Sand und kritisiert die Schweizer Bildungslandschaft. So wie sie heute gestaltet sei, sei sie sehr fest auf Diplome und Abschlüsse ausgerichtet.

Der Hauptgrund, weshalb es überhaupt Zertifikate gebe, ist für Sand das Vertrauen. Man will vertrauen, dass ein Mensch etwas kann. «Ich glaube in Zukunft, gerade mit neuen Technologien, wird viel mehr möglich sein, über Vertrauensnetzwerke rauszufinden, wem man trauen kann bzw. wer sich auf einem bestimmten Gebiet als fähig erweist», fügt Sand an. Natürlich hätten gewisse Diplome ihre Berechtigung, aber dennoch glaubt Sand fest daran, dass sie in Zukunft weniger Bedeutung haben werden.

Was ich lernen will? Das ist doch die Frage, nach dem wer will ich sein oder wer will ich werden.
Felix Swiatek

Partizipatives und selbstbestimmtes Lernen

Dem Team hinter Openki ist es wichtig, dass sich die Leute wieder mehr Gedanken darüber machen, was sie wirklich lernen wollen. «Das ist doch die Frage, nach dem wer will ich sein oder wer will ich werden?», sagt Felix Swiatek Projektleiter des Openki Workshop-Festivals. Um die Zürcher*innen wieder vermehrt mit dieser Frage zu konfrontieren, schwirrt momentan auch die Wunschfee durch Zürich und macht auf diese vermeintlich einfache Frage aufmerksam.

«Was willst du lernen?» Die Wunschfee. Auch an einigen unserer Tsüri-Events zum Fokusmonat Bildung ist sie anzutreffen. Foto: Elio Donauer

Openki fördert nicht nur selbstorganisiertes Lernen, sie sind auch selber selbstorganisiert. Ihr Vorbild ist jenes der Soziokratie, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Nicht ganz klar seien manchmal die Verantwortlichkeiten, denn man wolle ja vieles gemeinsam tragen. «Das Arbeiten ist sehr agil, man lernt viel, während man arbeitet; zum Beispiel habe ich gelernt, wie man programmiert, mit Social Media umgeht oder eine Buchhaltung führt», erzählt Sand. In keinem dieser Bereiche hat Urban Sand ein Zertifikat, aber dennoch hat er sich diese Kompetenzen angeeignet und das durch gemeinsames und selbstorganisiertes Lernen.


Mit dem Openki Workshop-Festival schliessen auch wir im März unseren Fokusmonat Bildung ab. Sei dabei, teil dein Wissen und wünsch dir was!

Openki Workshopfestival: Each one, teach one
vom 5. bis 8 März 2020 in der Photobastei, der Autonome Schule Zürich und im Maxim Theater

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