Uni Zürich: Schnuppersemester für Flüchtlinge in der Kritik

Seit Beginn dieses Semesters können 20 Flüchtlinge probeweise Kurse der Universität Zürich besuchen. Gemäss Uni sollen sich die Schnuppernden mit den Inhalten und Anforderungen eines Studiums in der Schweiz vertraut machen können.
14. März 2017

Alle der Teilnehmer*innen verfügen bereits über ein angefangenes oder gar abgeschlossenes Studium. Um danach regulär an der UZH studieren zu können, müssen sie die üblichen Anforderungskriterien erfüllen und eine Bewerbungsphase durchlaufen.

Das Pilotprojekt wird zusammen mit dem Studierendenverband VSUZH und Amnesty International Hochschulgruppe Zürich umgesetzt. Dabei werden die Flüchtlinge von Mentor*innen betreut.

Kritik von links
Nun ertönt Kritik am Schnuppersemester für Flüchtlinge. Und zwar aus den linken Reihen. Die Gruppe Kritische Politik an der Hochschule Zürich und ETH (KriPo) äussert sich in einem Positionspapier: Grundsätzliche begrüsse man den Effort der UZH alle Menschen einzubeziehen. Doch das Schnuppersemester grenze an Absurdität und diene alleine der Steigerung des Prestiges der UZH.

«Sogenannte «Flüchtlinge» sind Personen, welche genauso Studierende, Berufstätige, Eltern, Arbeitslose etc. sind, wie wir es sind.» Ein Schnuppersemester für Geflüchtete schaffe jedoch eine Zweiteilung in «normale» Studierende und «studierende Flüchtlinge», schreibt der Verein linker Student*innen.

Dass die UZH nun 20 Personen einen Einblick in den Unialltag gewährt und somit über das System informiert, sei nicht einmal einen Tropfen auf den heissen Stein. Zum einen sei die Anzahl der Teilnehmenden absurd klein. Zum anderen brächten die etlichen Stunden Vorlesungen den Geflüchteten ohne handfesten Leistungsnachweis nichts.

Weil die Teilnehmer*innen nicht den Studierendenstatus erhalten, können sie weder von Studentenpreisen profitieren noch Stipendien beantragen. Zudem müssen sie die Kosten für die Teilnahme am Unterricht (Bücher, Kopien, Fahrtkosten) selber tragen. So können nur jene, die es sich leisten können, am Schnuppersemester überhaupt teilnehmen.

Auch kritisieren die KriPo das Bewerbungsverfahren für Geflüchtete als untauglich. Diese müssten allerlei Diplome einreichen, welche aber oft im Krieg oder auf der Flucht verloren gingen. Die Gruppe bemängelt, dass keine zentrale Anlaufstelle existiert, die über das Bildungssystem und Eintrittsmöglichkeiten umfassend informiert.

Auf Anfrage erklärt die Universität die beschränkte Anzahl von 20 damit, dass man zuerst Erfahrungen sammeln wolle. Das Projekt sei für zwei Jahre, also vier Semester angedacht und werde falls nötig angepasst. Für die Weiterführung sei vor allem wichtig, dass genügend Mentor*innen für die Geflüchteten gefunden werden. Bis jetzt sei die Resonanz aus der Studentenschaft aber positiv und die UZH freue sich über das starke studentische Engagement. Auf die Vorwürfe der KriPo will die Medienstelle der UZH nicht eingehen.

«Da sollte es grössere Unterstützung geben»
Bei der Autonomen Schule Zürich sieht man das nicht so düster wie bei der KriPo: «Ich finde diese Öffnung der Universität eine sehr gute Idee», meint Bah, Mitglieder der Arbeitsgruppe Schulbüro der ASZ. Geflüchtete hätten oft viel Zeit und könnten so wertvolle Kontakte knüpfen. Auch Maryam, eine Freiwillige Helferin, kann sich vorstellen, dass ein solches Schnuppersemester wertvoll sein kann: «So kann jemand herausfinden, ob das eigene Deutschlevel beispielsweise schon für ein Studium genügt.» Eher problematisch findet sie den Bewerbungsprozess: «Da sollte es grössere Unterstützung geben». «Die Teilnehmer*innen des Schnuppersemesters sollten am Ende des Semesters auf jeden Fall befragt werden um das Programm weiter zu entwickeln», so der Vorschlag von Bah.

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