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Papikolumne: Scheiss auf Kampfjets, wir wollen «Urlaub»!

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. Und nach einer längeren Sommerpause meldet er sich mit einem Beitrag im Hinblick auf die Monsterabstimmung vom 27. September zurück.
29. August 2020
Papi-Kolumnist

Ich sass mit L. auf einer Parkbank, als zwei FA-18 Kampfjets der Schweizer Luftwaffe über unsere Köpfe donnerten. Wir sahen beide den beeindruckenden Flugzeugen hinterher. Man muss sagen, dass wir wohl beide ein bisschen Top-Gun-Gene in uns haben. Laute Maschinen finden wir eigentlich ziemlich cool. Und genau das Wort cool benutzte L. in diesem Moment. Da wurde mir klar, dass wir über diese coolen aber teuren Kisten demnächst abstimmen. Und über noch weitere – wichtigere – Dinge.

Ich bin überzeugt, dass der Vaterschaftsurlaub kommt

Am 27. September stimmen diejenigen unter uns, die dürfen, über die Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs ab. Hierbei geht es um einen Gegenvorschlag zur Initiative über einen Vaterschafsurlaub, welche einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub vorsah. Diese wurde in der Folge zurückgezogen. Bis auf ein paar Hinterwäldler aus SVP- und FDP-Kreisen sind alle dafür. Sowohl Bundesrat als auch Parlament empfehlen hier ein fettes JA. Im Juni ergab eine Umfrage, dass 71% der Schweizer Bevölkerung die Vorlage annehmen werden.

Das alles stimmt mich reichlich zuversichtlich, dass der Vaterschaftsurlaub in der Schweiz bald Realität wird. Solltest du dir aus mir unerklärlichen Gründen unschlüssig sein, was du hier abstimmen sollst, helfe ich dir natürlich gerne. Möglicherweise schlägst du dich mit folgenden Fragen um:

Ich habe und will gar keine Kinder! Die stinken! Warum soll ich für eine Vorlage stimmen, die mich am Schluss nur etwas kostet?

Das stimmt. Kinder stinken. Was auch stinkt, ist deine asoziale Haltung! Schliesslich leben wir in einer im Ansatz solidarischen Gesellschaft, wo wir Lohnabzüge für Arbeitslose, Invalide, Mütter und Alte in Kauf nehmen. Als junger gutverdienender Mann könnten mir die ja alle egal sein. Aber die Vorstellung einer solchen egoistischen Gesellschaft macht mir etwas Angst. Übrigens: Bei einem Medianlohn von CHF 6'500.- kostet dich der Vaterschaftsurlaub ca. CHF 19.50 im Jahr. Bei einem Lohn von CHF 4'500 etwa CHF 13.50. Das ist ein Drink. Im Jahr.

Ok, ok, aber sollten wir in Zeiten von Corona nicht sparen?

Corona hat mir vor allem gezeigt, wie wichtig funktionierende Familienstrukturen sind. Hätten meine Partnerin und ich uns nicht gegenseitig unterstützt und wären wir nicht für einander da gewesen, wären wir während dem Lockdown ziemlich schnell aufeinander los. Gerade für frischgebackene Eltern ermöglicht ein Vaterschaftsurlaub, dass beide Zeit haben, sich zu organisieren und sich als Familie zu finden. Ich habe es in dieser Kolumne schon mehrmals erwähnt: Familien sind die Kernstrukturen der Gesellschaft. Funktionieren familiäre Strukturen nicht mehr, geht unsere Gesellschaft kaputt. Sparen können wir anderswo (siehe eingangs das coole laute Beispiel).

Aber Mütter können doch das mit den Babies eh viel besser! Warum braucht es mich da?

Kurze Antwort: Nein. Ich wiederhole mich: Väter sind nicht die schlechteren Mütter und können den ganzen Babykram genauso gut wie Mütter. Meine Partnerin und ich haben das nach der Geburt von L. beide zum ersten Mal gemacht. Wenn wir unsere Partnerinnen in der Anfangszeit unterstützen, dann ist das nicht nur für unser Verhältnis zu den Kindern besser (und übrigens persönlich sehr bereichernd), sondern ist auch ein ganz kleiner Schritt in Richtung Gleichstellung. Frauen finden so eher wieder in die Arbeit zurück, sofern sie dies wollen. Oder wir Männer widmen uns mehr der Familien- und Hausarbeit.

Es gibt keine Argumente gegen den Vaterschaftsurlaub. Deshalb ein überzeugte JA am 27. September an der Urne.

Es ist erst der Anfang!

Wer denkt, dass ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub das Ende der Fahnenstange ist, täuscht sich. Sobald dieser No-Brainer angenommen wurde, geht es darum den Weg für eine vernünftige Elternzeit zu ebnen. Ich bin überzeugt, dass nur eine gleichberechtigte Elternzeit, in der sich Männer und Frauen gleichermassen der Aufzucht der kleinen Stinker widmen, zumindest in diesem Bereich wahre Gleichberechtigung bringen kann.

Ich rechne nicht damit, dass ich noch davon profitieren werde. Aber ich würde mich freuen, wenn L. mal Vater werden möchte, dass er als solcher von Gesellschaft und Politik ernst genommen würde. Wir werden diese Schlacht gewinnen, es ist aber erst der Anfang des Kampfes. Drum: JA am 27. September zum zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub!

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