«Weiss nicht, wie es weitergehen soll»

Die Coronakrise trifft Sans-Papiers besonders hart: Viele verlieren ihren Job und können deshalb nicht mehr alleine für ihren Grundbedarf aufkommen. Dank der Nothilfe-Kampagne der Züri City Card kannst du die Betroffenen nun unterstützen.
20. März 2020
Redaktorin

Der Kanton Zürich zählt aktuell rund 19’000 Sans-Papiers. Sie leben und arbeiten hier, aber haben (fast) keine Rechte und keine Stimme. Für sie ist die Coronakrise existenzbedrohend, weil viele von ihnen nun ihre Jobs verlieren, kaum Erspartes auf der Seite und deshalb nicht mal mehr Geld für Essen haben – in einer Zeit, in der die Essensausgaben geschlossen worden sind. Hinzu kommt, dass die wenigsten über eine Versicherung bei einer Krankenkasse verfügen, ohne die sie sich jedoch medizinisch nicht behandeln lassen können.

Eine, die von der Krise direkt betroffen ist, ist Marisa*. Die 50-Jährige lebt seit zehn Jahren in Zürich, arbeitet als Putzkraft in privaten Haushalten und hat innerhalb weniger Wochen von all ihren Arbeitgebern die Kündigung erhalten: «Ich weiss nicht, wie es weiter gehen soll», so die Ecuadorianerin.

«Ich bin mit der Lage total überfordert»
Sans-Papier Naomi*

Ähnlich geht es Naomi*. Auch sie hat vier von fünf Jobs als Putzkraft verloren. Die 39-Jährige, die ursprünglich aus Paraguay stammt, sorgt sich. Über ihre Tochter, die zu Hause in ihrer Wohnung nahe der Hardbrücke auf sie wartet. Darüber, was passiert, sollten sie oder ihre Kleine krank werden, wie sie die Miete und Krankenkassengebühren bezahlen soll – und was die Ausgangssperre und die damit verbundenen Kontrollen für sie bedeuten. «Ich bin mit der Lage total überfordert», erzählt Naomi.

Mehr als 20'000 Franken gesammelt

«Sans-Papiers haben weder die Möglichkeit, staatliche Hilfe zu beanspruchen noch können sie aufgrund der Grenzschliessungen in ihr Herkunftsland zurückkehren», so Caspar Zollikofer vom Verein Züri City Card, der eine Kampagne gestartet hat, um Sans-Papiers in dieser Notlage zu unterstützen.

Seit Donnerstag wurden so bereits 20'246 Franken (Stand 20.3./11.30 Uhr) gesammelt, um die Menschen, oftmals ganze Familien, die teils in Kellergeschossen auf engstem Raum zusammenleben, mittels Essensgutscheinen, Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung aber auch einfach nur Sozialem Kontakt in der Quarantäne wie etwa dem Schreiben eines netten Briefs zu unterstützen. Zollikofer: «Die Hilfe ist deshalb so wichtig, weil wir wissen, dass bereits viele Personen ihre Arbeit verloren haben. Und es werden wahrscheinlich immer mehr.»

*Namen von Redaktion geändert

Analyse über die Situation der Sans-Papiers im Kanton Zürich
Im Auftrag des Migrationsamts und des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich haben Ecoplan und KEK Beratung die Zahl und die Situation der im Kanton Zürich lebenden Sans-Papiers untersucht. Gestern wurde der Bericht dazu veröffentlicht. Die Analyse verschafft erstmals einen Überblick über Anzahl, Herkunft, Alter, Familien- und Arbeitssituation sowie Zugang zur medizinischen Grundversorgung dieser Bevölkerungsgruppe. So stammen die meisten Sans-Papiers im Kanton aus Lateinamerika und sind zwischen 26 und 35 Jahre alt. Die grosse Mehrheit ist alleinstehend und erwerbstätig.

Privathaushalte sind ihre häufigsten Arbeitgeber: Gut ein Drittel dürfte in diesem Bereich beschäftigt sein. Eine weitere Branche mit vielen beschäftigten Sans-Papiers dürfte das Kleingewerbe mit Coiffeur-, Beauty-, Reinigungs- oder Umzugsbetrieben sein.

In einer Medienmitteilung zu der Analyse hat der Regierungsrat hat seine Bereitschaft durchblicken lassen, die geschätzten 2000 bis 3700 Sans-Papiers, welche die zeitlichen Voraussetzungen für eine Härtefallregelung erfüllen, einer Überprüfung zuzuführen. Dies sofern die übrigen gesetzlichen Kriterien – Offenlegung der Identität und gute Integration in der Schweiz – ebenfalls gegeben sind. (Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG sieht die Möglichkeit vor, von den ordentlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung abzuweichen, um schwerwiegenden persönlichen Härtefällen Rechnung zu tragen.) 

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