💌 1159 Member 💌

Die drei Klimaaktivist*innen Mattia, Janina und Dominik möchten mit ihrem Laden das System ändern. Bild: zVg

«rampe 21» – Das Gegenmodell zum Supermarkt

An der Ausstellungstrasse 21, direkt hinter dem Carparkplatz, feiert bald ein neuer Laden seine Eröffnung. Optisch ähnelt dieser einem herkömmlichen Bioladen. Aber der Bioladen sei nur das Pendant zum Supermarkt – einfach in Bio, finden die Macher*innen. Sie wollen es anders machen.
15. Juli 2020
Praktikantin Redaktion

Die grossen Flügeltüren der «rampe21» sind mit Gemüseillustrationen zugeklebt. Im Eingangsbereich stapeln sich Paletten voll mit Passata und Pasta.

Wir treffen Dominik Waser vor der Rampe. Er ist der Kopf der Organisation «grassrooted», die seit zwei Jahren krummes und von der Norm abweichendes Gemüse rettet und verkauft. Dies tut die Organisation allen voran, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch für dieses Gemüse eine Nachfrage besteht. Die Rettungsaktionen haben in den Medien viel Echo erzeugt. Die Aktionen seien laut Waser jedoch nicht nachhaltig und zementierten schlussendlich nur das alte System, da das gerettete Gemüse von den Grosshändler*innen eingekauft wird und dann trotzdem nicht im Supermarkt landet.

«Anti-Supermarket», «Reclaim our food» und «rethink system» sind die Leitsätze der Cooperative. Bild: Annika Müller

Das System an den Wurzeln verändern

Jetzt wagt die Organisation einen nächsten Schritt: Mit der Eröffnung der «rampe21» wollen die drei Klimaaktivist*innen und grassrooted-Mitarbeiter*innen Mattia de Lucia, Janina Finger und Dominik Waser neue Strukturen schaffen und das System von Grund auf verändern. Das derzeitige Ernährungssystem mache keinen Sinn, sagt Waser. Es sei nicht nachhaltig und produziere viel zu viel Waste, indem zu jeder Jahreszeit alles in unerschöpfbarer Menge angeboten werde. Ausserdem müsste genau deswegen eine hohe Marge auf die Produkte geschlagen werden, da man auch für das Risiko bezahle, das beinhalte, dass die Produkte eben nicht verkauft werden könnten. Die Arbeitsbedingungen seien im Landwirtschaftssektor leider meist sehr schlecht, die Leute würden unzureichend bezahlt, damit man die Produkte günstig verkaufen könne. All diesen Dingen möchte die Gruppe mit ihrem Laden entgegenwirken.

Bei ihnen soll transparent sein, was wieviel gekostet hat und wie viel Marge draufgeschlagen wird. Es wird nur angeboten, was gerade Saison hat und dies in möglichst grossen Mengen. Und wichtig: Keine Produkte werden aufgrund von Aussehen oder Beschaffenheit verschwendet.

An der Austellungsstrasse 21, hinter dem Carparkplatz, sollen Produzent*innen und Konsument*innen näher zueinander finden. Bild: Annika Müller

Die Bauern und Bäuerinnen, mit denen sie zusammenarbeiten, führen Bio- und Demeter-Höfe und zumindest diejenigen aus der Schweiz kennt das Team persönlich. Bedingungen für die Zusammenarbeit sind faire Arbeitsbedingungen und saisonale Produktion. Die «rampe21» nimmt ihnen zuerst die Produkte ab, die die Grosshändler*innen nicht wollen, danach aber auch «normale» Produkte. «Wir werden ein kleineres Sortiment haben, kein WC Papier oder Waschmittel, sondern Grundnahrungsmittel, die man in grösseren Mengen konsumiert, zum Beispiel grössere Packungen Linsen, Mehl, Pasta oder 5 Liter Olivenöl.»

Eingekauft wird nur in grossen Mengen. Bild: Annika Müller

Produkte dieser Art werden aus Italien importiert. Es sei eine Illusion, zu denken, dass die Schweiz ohne Import auskäme, meint Waser. Die Herstellung eines Produkts wie Pasta sei sehr teuer in der Schweiz, da auch die Lebenskosten hier viel höher sind. Auch Tomaten in der Schweiz anzupflanzen, sei ökologisch nicht sinnvoll. Sie wollen in ihrem Laden aber deswegen nicht auf diese Produkte verzichten, da sie zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Trotzdem wird auch beim Importieren besonderes Augenmerk auf die Hersteller*innen gelegt: Die Pasta im Laden stammt von einem Zusammenschluss kleiner Produzent*innen in Italien, wo faire Arbeitsbedingungen herrschen.

«Es ist eine Illusion, dass die Schweiz ohne Import auskommt. Es kommt aber darauf an unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden.» Bild: Annika Müller

Saisonalität im Zentrum

Von einem herkömmlichen Bioladen unterscheide die «rampe21» vor allem das Angebot: «Der Bioladen ist oft das Pendant zu einem Coop oder Migros in Bio.» Viele Bioläden hätten das Konzept Supermarkt übernommen. Es sind immer alle Produkte verfügbar. «Auch im Bioladen gibt es Birnen aus Argentinien», sagt Waser. Dies führe dazu, dass man von der Saisonalität wegkommt.

Genau diese Saisonalität soll bei der «rampe21» im Zentrum stehen. «Wenn im Herbst Kürbissaison ist, dann gibt es eben wochenlang vor allem Kürbisse bei uns zu kaufen.» Die Leute müssten sich dann vielleicht auch mal wieder überlegen, was man alles aus so einem Kürbis machen könnte und würden so anfangen, wieder mehr selber herzustellen.

Erst retten, dann verkaufen – «grassrooted» erntete Kritik

Die WOZ hatte «grassrooted» vor einem Jahr stark kritisiert. Dass die Organisation nach den Rettungsaktionen angefangen hat, Abos mit krummem Gemüse zu verkaufen, geht einigen Kleinbauer und - bäuerinnen gegen den Strich. Die Kritik lautete, dass sie mit ihren Gemüseabos viel Geld verdienen und somit die kleinen Landwirtschaftsbetriebe vom Markt verdrängen würden.

Dominik Waser ist einer der drei Gründer*innen der Rampe 21.

Es sei klar, dass sie mit den Gemüseabos Geld einnehmen würden, sagt Dominik Waser. Sie wollten ja aufzeigen, dass auch die unperfekte Ware einen Wert habe. Das Geld würde aber nicht in die eigene Tasche sondern in Löhne, Lagerkosten und Transport fliessen. Den anderen Kritikpunkt der Bauern und Bäuerinnen versteht er aber grundsätzlich: «Der Laden ist eine Art Antwort darauf. Hier arbeiten wir mit den kleinen Bauern und Bäuerinnen zusammen, vom Produzent*in bis zum Konsument*in». Das Ziel sei, dass zwischen diesen beiden Parteien ein Vertrauen entsteht. Zu diesem Zweck können Kund*innen eine Mitgliedschaft bei der «rampe21» machen. Abhängig vom Einkommen fällt dann ein Mitgliedsbeitrag zwischen 20 und 80 Franken im Monat an. Der Vorteil ist, dass man als Mitglied eine geringere Marge auf den Produkten hat. So soll die Garantie geschaffen werden, dass der Laden existieren kann und man den Bauern und Bäuerinnen ihre Ware abnehmen kann.

Die «rampe21» befindet sich an der Ausstellungsstrasse 21, direkt neben dem Zürcher Nachtclub «Kauz» und öffnet am Samstag 25. Juli ihre Tore.

Kommentare

Nöd Jetzt!