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Räuchersuppe mit Tomaten vom neuen Abendmarkt

Cathrin Michael liebt es, mit einem Glas Wein und einem Teller Pasta auf das Leben anzustossen. Für Tsüri.ch tüftelt die Texterin jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus. Im Juli kocht sie eine Suppe aus Tomaten, die sie über dem Feuer gart.
25. Juli 2020
Food-Kolumnistin

Was mir gefällt, an meinem Dasein als Journalistin, Foodbloggerin und Texterin? Dass ich ständig Neues lernen kann und dies erst noch zu Berufszwecken. So kommt es zum Beispiel, dass ich auf Tsüri.ch einen Artikel lese wie über die «rampe21» und nach wenigen E-Mails später Dominik, den Gründer von grassrooted treffe, der mir noch vor der Eröffnung sein neuestes Projekt zeigt. Danke herzlich, Dominik für deine Zeit!

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Die «rampe21» ist ein Lebensmittelladen und eine Food Cooperative, die heute Samstag, 25. Juli eröffnet. Du findest sie an der Ausstellungsstrasse 21 in Zürich, direkt zwischen Hauptbahnhof und Sihl. Die Holzkuben auf Rollen mit den Weinkisten waren bei meinem Besuch vor einer Woche noch leer. Beim Eingang stehen in den Gestellen bereits Säcke mit Hülsenfrüchten, 5-kg-Pasta-Packungen und Olivenölkanister. Die Idee dahinter: Hier findet man ein sinnvolles Grundsortiment an Lebensmitteln, alle in Bio- oder Demeterqualität, in Grosspackungen oder im Offenverkauf für den täglichen Gebrauch. Hinter dem Projekt steckt der Verein grassrooted, der sich seit Jahren gegen Food-Waste einsetzt. Das Coole sind auch die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 16 bis 20 Uhr und samstags 9 bis 15 Uhr.

«Alle, die sagen, sie hätten wegen ihrem Job keine Zeit am Wochenmarkt einzukaufen, haben nun definitiv keine Ausrede mehr.»
Cathrin Michael

Die «rampe21» soll auch ein Ort für den Austausch werden mit Workshops, Events und Begegnungen. «Wir wollen die Menschen, die einkaufen, mit den Menschen, die produzieren, zusammenbringen», sagt Dominik Waser. Wer hier sein Essen einkauft, kann Mitglied werden und bezahlt so eine tiefere Marge auf die Lebensmittel. «So werden diejenigen, die hier ihre Lebensmittel beziehen zum Teil der ganzen Food-Kette.» Sprich, wer die Bauern und Bäuerinnen kennt, welche die Karotten aus der Erde ziehen und ihnen vielleicht sogar mal auf dem Hof hilft, will sie auch eher unterstützen mit seinem monatlichen Mitgliederbeitrag. Vielleicht auch, wenn die Ernte einmal vom Hagel zerstört wird. Sowieso gibts in der Rampe nur, was gerade Saison hat. «Bioläden sind meistens einfach eine Kopie der grossen Lebensmittelläden nach schlechtem System», sagt Dominik. «Es stehen 2000 Produkte in den Läden. Das wird bei uns anders.» In den Holzgestellen soll liegen, was derzeit Saison hat und die Höfe anbauen. Ergänzend kann man Produkte gezielt vorbestellen und sie abholen, wenn sie reif geerntet werden.

Die «rampe21».

Ich finde, wir sollten ganz dringend wegkommen von der Gewohnheit, immer alles haben zu wollen (Eigeninitiative) und zu können (Verantwortung der Wirtschaft). Rucola schätze ich viel mehr, wenn ich bis im Spätfrühling darauf warte, Brombeeren verfeinern meine Pavlova im Juli und vollreife Tomaten machen im Sommer einfach viel mehr Spass. Darum finde ich die «rampe21» eine wunderbare Idee und kann es kaum erwarten, unsere WG-Vorräte ab jetzt hier zu decken.

Ob sein Konzept aufgeht? Dominik weiss es schlichtweg nicht und ist gespannt. «Wir sind in Zürich in einer wahnsinnig privilegierten Situation und können einfach mal etwas ausprobieren. Und falls es nicht aufgeht, können wir immer noch etwas anpassen.» Genau so sollte man die Dinge anpacken, finde ich und drücke die Daumen, dass es klappt.

Für dich gibts ein Rezept für eine lauwarme Sommersuppe aus reifen Tomaten, mit richtig viel Räucheraromen. Vielleicht willst du die Tomaten dafür in der «rampe21» abholen.

Ein kleiner Exkurs zum Rauchsalz: Ich liebe es. Sehr sogar. Es kommt bei mir nicht nur auf jeden Teller Pasta, ins Shakshuka, über den Salat oder auf das Erbsenhummus, sondern auch aufs Aprikosenkonfi-Brot. Mein liebstes ist von Maldon, weil die fein geräucherten Salzflocken so schön knacken im Mund. Beat Heuberger führt es. Intensiver schmeckt das Rauchsalz von Mediterre und mein liebstes Schweizer Salz stammt von Sel des Alpes, welches Patrick Marxer von «Das Pure» in Wetzikon räuchert. Kauf eines, oder gleich zwei und freue dich ob der feinen Rauchnoten in deiner Küche.

Räuchersuppe mit Tomaten

ZUTATEN

für 4 Portionen

  • 600 - 700 g Tomaten (gemischte oder rote, klein oder gross – egal, hauptsache reif)
  • 2 rote Zwiebeln
  • 3 EL Olivenöl
  • 4 Knoblauchzehen
  • 1 TL getrocknete Räucherchili (meinen Liebsten findest du bei Slow Goods)
  • 2 Zweige Rosmarin
  • 2 Zweige Thymian
  • Salz und Pfeffer

Zum Anrichten

  • 4 EL Ricotta oder Frischkäse-Alternative aus Soja
  • ein bisschen Olivenöl
  • Basilikumblättchen
  • Rauchsalz und Pfeffer
  • ein paar geröstete Brotscheiben

ZUBEREITUNG

Besorge dir eine wiederverwendbare Grillschale. Suche eine Feuerstelle und mache ein Feuer. Grilliere mit deinen Freund*innen und nutze die Resthitze für die Tomaten. Halbiere diese, sowie die Zwiebeln und Knoblauchzehen (alles ungeschält, das gibt Geschmack) und lege alles mit den Kräutern und etwas Olivenöl sowie den Gewürzen in die Grillschale. Nun garst du alles auf der Glut für ca. 30 Minuten.

Alternativ heizt du den Backofen zuhause ein und garst die Tomaten für 30 Minuten bei 200 Grad. Kann man machen, aber ganz ehrlich: Wer will in dieser Hitze schon den Ofen anstellen?

Für Schritt zwei musst du dann aber wieder in die Küche. Es sei denn du schleppst den Mixer und ein Solarladegerät nach draussen. Kann man. Sonst: Gegarten Knoblauch und Zwiebeln schälen und mit den Tomaten und den abgestreiften Kräutern in einen Standmixer geben. Oder mit dem Pürierstab zerkleinern. So lange, bist du eine sämige Suppe hast.

Nochmals abschmecken, mit Rauchsalz etwas nachwürzen. Lauwarm oder kalt in Schalen verteilen. Mit dem Ricotta oder Soja-Frischkäse garnieren, ein paar Basilikumblättli drauf, ein bisschen Olivenöl und viel getoastetes Brot dazu reichen.

Fertig ist dein leichter Sommerznacht aka Vorspeise aka Bürozmittag. A tavola, amici!

Cathrin Michael
Cathrin Michael arbeitet selbständig und schreibt am liebsten übers Essen. Ihre Rezepte hält sie auf gnüsse.ch. fest. Der Blogname ist Programm und der Weg zum Glück, findet sie. Um gemeinsam mit anderen noch mehr Food-Geschichten zu schreiben, hat sie die Agentur kollektif.ch. mitgegründet. Für Tsüri.ch tüftelt sie jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus.
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