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Bruno Koller verliert sein Gedächtnis an die Demenz. Nicht aber seine Selbstbestimmung. (Bild: Film «Tiger und Büffel» / © Biasio Produktion)

Prime Time: Ungewöhnlicher Kämpfer

Der Film «Tiger und Büffel» erzählt die Geschichte der Karate-Koryphäe Bruno Koller. Er gründete in Luzern ein Dojo, verfolgte seinen Kampfsport fanatisch und erkrankte an Demenz. Dank handwerklichem Minimalismus und schnörkelloser Montage gelingt ein vorzügliches Porträt.
27. September 2021

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Text: Heinrich Weingartner

Die Tiefe einer Persönlichkeit misst sich meistens an ihren Gegensätzen. Und die sind bei Bruno Koller zuhauf gegeben: Er entstammt einer bodenständischen Appenzeller Familie, lernte Sanitär, beschäftigte sich aber ein Leben lang mit asiatischer Kampfkultur.

Und dies international erfolgreich. Er ist korpulent, seinen schlanken Sportgegnern aber überlegen. Er vernachlässigt seine Familie, bindet sie aber alle in sein Sensei-Leben ein. Er vergisst keine Karate-Figur, vergisst aber kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag das Leben selber: Bruno erkrankt an Demenz.

Die Machart von «Tiger und Büffel» spiegelt diese Gegensätze: Die Montage springt von der Gegenwart, in der Bruno Koller bereits tot ist, zurück an die Anfänge im Dojo an der Bruchstrasse. Von den letzten Lebensjahren von Bruno zurück zum zweijährigen Aufenthalt in Japan.

Vom Besuch einer Karate-Veranstaltung in Taiwan zurück zu Kämpfen mit dem eigenen Sohn. Und vom Probebesuch im Pflegeheim Steinhof herüber zu seiner Familie, die berät, wie man dem Vater und Ehemann, der schon an fortgeschrittener Demenz leidet, die neue Lebenssituation im Heim beibringt.

Auf dialektische Art und Weise gelingt es dem Film so, ehrlich zu bleiben, ohne Bruno würdelos darzustellen. Jeder Meister hat einen blinden Fleck. Brunos blinder Fleck wächst und wächst, bis nur noch der Fleck bleibt. Aber in den Erinnerungen der Nachwelt behält er seine Würde. Dies fängt «Tiger und Büffel» ausgezeichnet ein. Die achtjährige (!) Produktion merkt man dem Film an und sie hat sich gelohnt.

Der Regisseur Fabian Biasio hält die Machart von ‹Tiger und Büffel› schlicht und stellt sich und seinen Film nicht in den Vordergrund.
Heinrich Weingartner, Kultz

Der Luzerner Fabian Biasio ist ein mediales Multitalent: Er lernte am MAZ Fotografie und schafft seither Bilder auf vielen Kanälen – literarisch, fotografisch und eben auch filmisch. Biasio hält die Machart von «Tiger und Büffel» schlicht und stellt sich und seinen Film nicht in den Vordergrund. Trotzdem gelingen dank feinen Überlagerungen in der Montage (Schnitt: Stephan Heiniger) epische Momente: Wenn die ländlerisch angehauchte Musik von Zehnder & Töne erklingt und Bruno in einem Bus in Taiwan sitzt, vermischen sich Kulturen und der Film erhält etwas Urversöhnliches.

Nicht nur Brunos Karate entzückt, er sagt auch gescheite Dinge: «Mein Karate ist genau gleich gut, auch mit Demenz. Das Problem ist höchstens, dass es schwieriger geworden ist. Aber man sucht ja die schwierigen Sachen, nicht die einfachen.» Ossu, Bruno Sensei.

«Tiger und Büffel», ab jetzt im Kino Riffraff

Regie: Fabian Biasio

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