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Grosse Geschichte, grosse Bilder – Tim Fehlbaums Inszenierung besticht visuell und inhaltlich. (© Vega Film)

Prime Time: Science-Fiction made in Switzerland

Im Endzeitthriller «Tides» des Basler Regisseurs Tim Fehlbaum will eine Astronautin den Schlüssel für den Weg zurück zur Erde finden.
06. September 2021

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Text: Sarah Stutte

Die Erde in naher Zukunft: eine globale Katastrophe hat sie nahezu unbewohnbar gemacht. Gezeiten überfluten zweimal am Tag das Land. Trotzdem konnten einige Menschen überleben und sich an die unwirtlichen Bedingungen anpassen. Die herrschende Elite flüchtete jedoch auf einen anderen Planeten namens Kepler. Zwei Generationen später gibt es aber auch dort Probleme, denn die Fortpflanzung stagniert in der trockenen und felsigen Umgebung des Exils.

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Die junge Astronautin Louise Blake – von einer charismatischen Nora Arnezeder gespielt – soll nun auf einem Erkundungsflug zur Erde herausfinden, ob es eine Chance gibt, dorthin zurückzukehren, um das Überleben der menschlichen Rasse zu sichern. Insgeheim ist sie aber auch auf einer persönlicher Mission.

Sie sucht ihren verschollenen Vater, der seinerzeit zur Besatzung des ersten Fluges zur Erde gehörte, zu der jedoch der Kontakt aus unerfindlichen Gründen abbrach. Auf dem unwirtlichen Watt, das alles ist, was von der unendlich vielfältigen und fruchtbaren Erde übrig geblieben ist, trifft Blake nach einer Bruchlandung ihrer Weltraumkapsel auf zwei rivalisierende Gemeinschaften.

Knapp zehn Jahre nach seinem stimmigen Erstlingsfilm «Hell» (2011) visualisiert der Basler Regisseur Tim Fehlbaum auch hier wieder eine temporeiche und kluge Dystopie, mit Roland Emmerich als ausführendem Produzenten an Bord. Die Geschichte schlägt dabei zahlreiche Kurven und hält die Spannung aufrecht.

Doch Fehlbaums Gespür für eindrucksvolle Inszenierungen kommt vor allem in den grossformatigen, atmosphärischen Bildern zur Geltung. Von den grauen, endlosen Wattflächen, die in Nebel gehüllt sind, über das schwimmende Fischerdorf der sogenannten Muds, bis zur monumentalen Kepler-Basis, die im Rumpf eines Schiffswracks untergebracht ist und unbeweglich den Wassermassen trotzt.

Die Unterschiedlichkeiten der zwei Lebenswelten schlagen sich jedoch nicht nur im fanstastischen Design nieder, sondern auch in der Filmmusik. Während in den Kepler-Szenen ein elektronisches Motiv dominiert, untermalen die sanfteren, organischeren Klänge das «Mud»-Universum. Die Botschaft des Films könnte inmitten der Klimadebatte aktueller nicht sein: Geben wir nicht auf unsere natürlichen Ressourcen acht, gibt es bald kein Leben mehr.


Am diesjährigen NIFFF (Neuchâtel International Fantastic Film Festival) im Juli wurde «Tides» mit zwei Preisen ausgezeichnet: dem «Imaging The Future Award» für das beste Produktionsdesign und dem Publikumspreis.

«Tides», ab jetzt im Kino Kosmos

Regie: Tim Fehlbaum, mit: Bella Bading, Cloé Heinrich

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