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Polizei-Einsatz beim Radio LoRa: War es «Racial Profiling»?

Am Dienstag ist es bei den Redaktionsräumlichkeiten des Radio LoRa zu einem groben Polizeieinsatz gekommen. Die Radiomacher*innen vermuten Racial Profiling. Was ist passiert?
28. Juni 2019
Chefredaktor

Dienstagabend, 18 Uhr, Militärstrasse: Eine lateinamerikanische Sendungsmacherin des Radio LoRa sei für ihre Sendung spät dran gewesen und darum aus dem Bus 32 ins Radio-Studio gerannt. «Ihre Herkunft und der Umstand, dass sie auf der Strasse rannte, waren offenbar Grund genug für die Stadtpolizei, die Frau als verdächtig einzustufen», schreibt LoRa in einer Medienmitteilung.

Eine Patroullie der Stadtpolizei habe die Sendungsmacherin kontrollieren wollen und ihr darum den Zugang zum Haus verwehrt. In der Mitteilung heisst es: «Als ein festangestellter Mitarbeiter von Radio LoRa die Polizist*innen am Hauseingang fragte, warum sie ins Haus wollten, nach einer Legitimation fragte und sie aufzuklären versuchte, dass es sich um Redaktionsräume handelt, wurde er verhaftet.» Obwohl er keinen Widerstand geleistet habe, sei er bei der Verhaftung am Arm verletzt und bis am späten Abend auf der Urania-Hauptwache festgehalten worden.

Darauf angesprochen heisst es von Stapo-Sprecher Cortesi, der Einsatz sei «korrekt und verhältnismässig» abgelaufen. Die Frau sei geflohen, als sie das Polizeiauto gesehen habe. «Dies ist verdächtig, also ist es richtig, dass sie kontrolliert wurde», sagt Cortesi gegenüber Tsüri.ch. Die zweite Person, der Verhaftete, habe entgegen der Darstellung des Radio LoRa sehr wohl Widerstand geleistet und die Personenkontrolle zu verhindern versucht. «Er wollte sich nicht ausweisen und wurde darum für weitere Abklärungen auf die Wache mitgenommen und kurze Zeit später wieder freigelassen», erklärt der Stapo-Sprecher.

Das Radio LoRa zeigt sich schockiert über den Vorfall und ist überzeugt, dass die Sendungsmacherin aufgrund ihrer Hautfarbe verfolgt und kontrolliert worden ist: «Noch einmal zur Erinnerung: Anlass für diesen Einsatz war, dass eine lateinamerikanische Frau, eine woman of color im öffentlichen Raum rannte. Dass es bei der Zürcher Polizei ein Problem mit racial profiling gibt, ist nicht neu und doch ist dieser Fall symptomatisch für die massive Einschränkung (der Bewegungsfreiheit) von Migrant*innen und people of color im öffentlichen Raum durch die Polizei», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Stadtpolizei widerspricht dem Vorwurf des Racial Profiling.

Der verhaftete Mitarbeiter des Radios hat für den Samstag, 6. Juli morgens um 8 Uhr eine Vorladung der Polizei erhalten. Mittels Anwalt versucht er den Termin nun auf einen Wochentag zu verschieben. Den Vorfall hat er unterdessen bei der Ombudsstelle gemeldet.

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