Plattentaufe von None Of Them – und der Letten vibrierte

23. Juni 2016
Eigentlich schreibe ich keine Musikkritiken; Wenn man aber von Chefredakteur Simon Jabocy zum Kaffee eingeladen wird (bezahlt hat er allerdings nicht), kann es gut sein, dass man einen freien Abend mit Arbeit in Verbindung bringen muss. So landete ich bei der Plattentaufe von None Of Them. Zum Glück.

None Of Them, das sind Zainab Lascandri und Michal Holy. Und « ii » ist ihr neustes Werk (wird so ausgesprochen, wie geschrieben). Einige kennen sie wahrscheinlich seit ihrem Auftritt auf dem Dach der ehemaligen Perla-Mode – mit ihrem ersten Album One Of Them – oder von der Binz-Party oder von der Bad Bonn Kilbi oder weiss der Kuckuck woher. Jedenfalls war es an der Zeit, dass nach der Vorabsingle Junkytown (von der nur eine Pressung existiert, die erst in zehn Jahren verkauft werden wird) ihre frischeste Niederkunft präsentiert wurde.



Dafür wählten sie einen lauen Freitag Abend, der ausnahmsweise nicht von Regen begleitet wurde. Dementsprechend heiter war das kleine Volk, welches sich um den Bahnwagen am Letten tummelte. Und während die Räder der Skateboards ein Donnern auf der Half-Pipe gestalteten, formierten sich Zainab – gewohnt mit Maskerade und Kostüm – und Michal auf der vollgesprayten Funbox unter der Kornhausbrücke.

Ohne grosse, einführende Worte begannen die harten Bässe zu wummern. Das Publikum kam mit den Tönen. Anfangs eine Handvoll Schaulustiger, bald eine grössere Traube tanzender Menschen – wer zu so energievoller Musik sich nicht bewegt, versteht noch weniger von Musik als ich.

https://youtu.be/yhpoUGQ4uWA

Die spartanisch eingerichtete Bühne – aber mit Haze, der in der Abendsonne herzlich wenig hergab – wurde von Zainabs Präsenz mehr als nur belebt. Michal, der Ruhepol, konzentriert hinter seinem Octatrack. Beide im Element. Beide Abgestimmt. Beide in der Spontanität des Moments.

https://twitter.com/Synthtopia/status/743637967537766401

Behauen sind ihre Klänge durch die effektbeladene Stimme Zainabs über dem elektronischen Sound. Die kurzen Tracks mit ihrem urbanen, technoiden, bouncigen Charme wiederspiegeln ihr Gesamtkonzept. Zainabs und Michals gemeinsam erarbeiteten Improvisationen (Zainabs Freestyle Rap, Michals Bass Musik) wurde direkt aufgenommen; mehrere Loops bilden die Komposition. Die erste Idee wird genommen – keep it simple als Arbeitsmodell. So wie es fällt, liegt es.




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Selbst am Merch Stand, der die punkigen Fan-Shirts, Masken und natürlich Platten verkaufte (zudem Facepainting, besonders beliebt bei den kleinen Fans) drang der do it yourself Geist durch. Alles wurde eigenhändig kreiert.

Wer anstelle eines digitalen Albums eine limitierte, analoge LP (jede ein Unikat!) will, muss wohl ans nächste Konzert gehen. Auch ohne Plattenkaufzwang empfehlenswert.
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