Pizza-Review No. 1 – Azzurro in Altstetten

Das Azzurro belegte im «Grande Pizza-Voting» den dritten Platz und ist wohl die einzige Zürcher Pizzeria mit Aussicht auf Palmen. Wir nahmen aber nicht deshalb den Weg nach Altstetten auf uns, sondern wegen der Pizza – und die hat es in sich!
25. Mai 2018

Ihr habt abgestimmt: In diesen fünf Restaurants gibt es die besten Pizza der Stadt. Die Tsüri.ch-Redaktion hat sich auf die Vespa geschwungen und in diesen Pizzerias das italienische Nationalgericht getestet. Im ersten Review besucht Seraina Manser das drittplatzierte Azzurro in Altstetten.


Die Kommentare auf Tripadvisor schüren Vorfreude: «Die Pizzeria besuchen wir seit mehreren Jahren, es gibt in der Schweiz keine bessere Pizza» oder «Beste Pizza in der Stadt ... Noch nie so eine luftige und knackige Pizza gegessen!» Ob die Fans übertreiben, wollen wir an diesem Pfingstmontagabend zu sechst herausfinden.

Das Azzurro liegt nicht an einer Flaniermeile; spontan kommt hier keine*r vorbei. Es befindet sich an der Hohlstrasse 451, einen guten Kilometer vom Hardplatz stadtauswärts und schräg gegenüber der Stützliwösch. An der Hauswand zeigt eine grosse Leuchtschrift, dass wir hier richtig sind.

Steht man erst mal vor dem Gebäude, ist der Eingang des Azzurro nicht zu verfehlen.
Wir setzen uns draussen an einen grossen Tisch. Über uns ein Feldschlösschen-Sonnenschirm und zu unseren Füssen Neonröhren in verschiedenen Farben, die bei mir sofort Rimini-Italodisco-Stimmung aufkommen lassen. Wir sind an diesem Abend fast die einzigen Gäste; die meisten stehen wohl noch im Stau am Gotthard.
Besser so, dann kommen wir schneller zu unserer Pizza. Der Kellner begrüsst uns mit einem melodiösen «Buona Sera» und streckt die Menukarte hin. Die Auswahl an Pizza ist riesig und obwohl die verschiedenen Pizzabeläge nicht auf Italienisch angeschrieben sind, müssen wir einen Begriff googlen. «Zola» – Madonna mia, was soll denn das sein? Ja, ein französischer Schriftsteller, aber wohl kein Pizzatopping! Das Internet weiss auch nicht weiter.

Der Kellner kehrt an den Tisch zurück und ich packe mein bestes Italienisch aus – auch um die Italianità des Kellners zu testen: «Scusi, che cosa è Zola?». Er antwortet auf astreinem Italienisch, dass das eine Kurzform für GorgonZOLA sei. Aha. Diese Pizzeria bekommt deswegen in der Kategorie «Italianità» die volle Punktzahl. (Der ganze Bewertungsbogen befindet sich unten am Artikel.)

Draussen Radio-Trash, drinnen Pavarotti
Als Vorspeise bestellen wir Bruschette zum Teilen. Diese werden schnell serviert und die Kombination aus Basilikum, Pomodori und feinstem Olivenöl katapultiert uns sofort nach «Bella Italia». Mit Basilikumblättern, die in einem Topf neben unserem Tisch vor sich hin wuchern und wir unauffällig pflücken, verstärken wir den intensiven Goût gar noch mehr. Aber wir sind ja wegen der Pizza hier. Die werden nach dem Antipasto alle gleichzeitig an den Tisch gebracht: Napoli, Paparazzi, Toscana, Bianca und Modena. Auf jeder thront eine Kugel cremiger Mozzarella, der Boden ist hauchdünn und der Rand so gut wie nicht vorhanden. «Unser Teig enthält keine Hefe», erklärt uns der Kellner. Darum sei ihre Pizza besonders leicht. Obwohl die Pizza riesig ist, haben wir danach nicht das Gefühl, das wir uns überessen hätten. Mein Gegenüber bestellte die Bianca, ein Exemplar ohne Tomatensauce, aber mit Broccoli. Es ist die einzige, die etwas fad daherkommt und uns nicht ganz überzeugt. Aber mit Peperoncinisauce ist sie schnell aufgemotzt. Ansonsten setzen wir alle zu Lobeshymnen an und tauschen fröhlich Pizzastücke aus. Das einzige, was nervt, ist der Radio, der die Terrasse lautstark mit Hitparade-Songs beschallt. Drinnen schmettert Pavarotti italienische Arien, die viel besser zum Ambiente passen.

Leuchtende Palmen
Eine Frage brennt mir schon lange auf der Zunge: Beim Abräumen frage ich den Kellner, ob die Pizzeria wegen Adriano Celentanos Hit «Azzurro» heisst. Er meint ja, und auch wegen der Azzurri, der italienischen Fussballnationalmannschaft. Einen Kommentar zum Fernbleiben dieser an der WM können wir uns gerade noch verkneifen.

Dieser Hit von Adriano Celentano war unter anderem Namenspatron für die Pizzeria.
Als Dolce gäbe es Panna Cotta und Tiramisu, doch ersteres ist leider ausverkauft, weswegen wir nur einen Caffè bestellen. Beim Caffè geniessen wir die Aussicht auf die Palmen. Jawoll, durch den Hinterausgang zu den Parkplätzen erhascht man einen Blick auf die leuchtende Letzigrund-Palme. Wer will schon echte Palmen, wenn man auch leuchtende haben kann?

Die Aussicht auf die Palme durch den Hintereingang.

Das Azzurro hat uns überzeugt, wir fühlen uns wie in den Vacanze an der Adria und beschliessen nach dem Bezahlen am Meeresufer entlang zu flanieren und an der Spiaggia ein Gelato zu kaufen.
Die Hohlstrasse holt uns auf den harten Boden der Realität zurück. Wir sind immer noch in Zürich, auch wenn uns das Azzurro für kurze Zeit nach «Bella Italia» entführt hat. Grazie di cuore!

Ultimatives zertifiziertes Tsüri.ch-Pizza-Rating

Alle Fotos von Seraina Manser
Grafik von Laura Kaufmann


Bisher an Pizza-Reviews erschienen sind:


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