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Papikolumne: Saufen und Schaukeln – Mit Bier auf dem Spielplatz

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. In diesem Beitrag geht es um unter anderem um die Frage, ob es ok ist auf Spielplätzen zu trinken.
01. Dezember 2019
Papi-Kolumnist

Vor kurzem war ich mit ein paar Freunden und unseren Jungs auf dem Spielplatz beim GZ Wipkingen (ja, wir haben alle Söhne, ziemlich krass irgendwie). Während unsere Jungs mit ihren Laufrädern ihre «tour du GZ» veranstalteten und um den maillot jaune kämpften, sassen wir gemütlich daneben auf einer Parkbank und gönnten uns ein Bierchen. Es war ein sonniger Herbstnachmittag, wir waren bestimmt vier Stunden dort. Ab und an kamen die Kinder vorbei um sich einen Apfelschnitz oder ein Schluck aus der Wasserflasche zu holen, nur um dann wieder auf das Rad zu springen. Aus dem einen Bier wurden ein paar. Unsere Jungs waren irgendwann völlig erschöpft aber glücklich. Wir auch, hatten wir doch schon lange nicht mehr so viel miteinander gequatscht und gemütlich dem day-drinking gefrönt. Ein perfekter Sonntagnachmittag.

Als mich am nächsten Morgen meine Bürokollegin fragte, was ich am Weekend so getan hätte, berichtete ich ihr von unserem Apéro auf dem Spielplatz. Sie schaute mich etwas irritiert an. Wir waren dann in einem Gespräch vertieft, ob es ok sei, auf Spielplätzen Alkohol zu konsumieren. Man habe ja eine grundsätzliche Vorbildfunktion, auch gegenüber anderen Kindern. Und wenn ich an das Bild denke, das meine Freunde und ich vermittelten, bin ich mir nicht sicher, ob wir unsere Vorbildfunktion wirklich wahrgenommen haben: Drei schlechtrasierte Männer in Sneakers, Hoodies und Sonnenbrillen mit Bierdose in der Hand und Zigi im Mundwinkel. Irgendwie sahen wir eher aus wie verkaterte Spätpubertierende nach einem Besuch der Südkurve.

Man muss sich ja auch nicht komplett wegballern, das kann man am Tsüri-Fäscht machen.

Die Frage, ob man auf Spielplätzen Alkohol trinken, rauchen oder sogar Drogen konsumieren soll oder darf, hat also durchaus seine Berechtigung. Manche Städte in der Schweiz haben zum Beispiel Verbote ausgesprochen. Dies allerdings nicht unbedingt wegen Bier trinkender Väter, sondern eher wegen Teenagers die keinen anderen öffentlichen Raum zur Verfügung gestellt kriegen und deshalb auf Spielplätzen ausweichen müssen. Während ich selber kein Problem damit habe vor L. ein Bier zu trinken, so ist es mir äusserst unangenehm, wenn er mich mit einer Zigi sieht (weshalb ich eigentlich kaum noch rauche. Eigentlich nur, wenn er schon im Bett ist). Das ist eigentlich etwas heuchlerisch. Die ganze Frage wird eigentlich dadurch erschwert, dass im Kafi Tintenfisch vom GZ Wipkingen z.B. Bier verkauft wird.

Man muss sich ja auch nicht komplett wegballern, das kann man am Tsüri-Fäscht machen. Aber ein etwas unverkrampfter Umgang mit Suchtmitteln würde uns allen guttun, auch auf Spielplätzen. Natürlich finde ich es Scheisse, wenn Alkis auf dem Spielplatz rumlungern und überall Zigistummel rumliegen. Aber das sind Probleme, die man doch in Eigenverantwortung in den Griff kriegen kann. Es ist nicht etwa so, dass meine Freunde und ich uns auf dem Spielplatz betrunken haben, wir haben unseren Bierkonsum durchaus im Griff. Und es ist auch nicht so, dass ich auf Spielplätzen immer zu Suchtmitteln greifen muss. Obwohl, manchmal sieht man dort dermassen gestresste Eltern, denen täte mal ein Joint sicher gut.

Ich habe keine Lust mich vor L. komplett zu verstellen. Wenn er mich ein Bier trinken sieht, dann ist das halt etwas, was Papa (und auch Mama) ab und an macht. Diesen unverkrampften Umgang auf Spielplätzen konnte ich übrigens in Portugal beobachten. Dort gibt es den Parks immer eine kleine Buvette neben den Spielplätzen, wo sich Eltern ein Gläschen Douro gönnen. Fand ich grossartig.

Ich bin überzeugt, Kinder nehmen keinen Schaden, wenn sie ihre Eltern sehen, wie sie sich ein Glas gönnen. Alkoholismus in der Erziehung und Passivrauch sind schlimm und natürlich Phänomene, die ich L. nicht aussetzen möchte. Ich denke aber, dass wir unser Verhalten nicht vor unseren Kindern verheimlichen, sondern vielmehr einen vernünftigen Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln vorleben sollten. Im Gespräch mit meiner Bürokollegin kamen wir zum Schluss, dass das portugiesische Modell auch bei uns ganz gut funktionieren könnte und Eltern wahrscheinlich viel lieber auf Spielplätze gehen würden, wenn es dort Prosecco und Bier gäbe und für die Kleinen etwas zu essen.

Ich bin überzeugt, Kinder nehmen keinen Schaden, wenn sie ihre Eltern sehen, wie sie sich ein Glas gönnen.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leser*innen frohe Feiertage. Sauft nicht zu viel. Und falls ihr noch was gutes Tun wollt, unterstützt doch das Projekt Mambrella. Hebammen sind in meinen Augen Heldinnen. Ich empfinde tiefe Ehrfurcht vor jeder Person, die diesen Beruf ausübt. Eli und Laura fahren mit ihrem Bus zu Frauen, die sich auf der Flucht befinden (oft in Flüchtlingslagern) und bieten ihre Unterstützung für Schwangere und Mütter an, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Sie machen grossartige Arbeit und freuen sich über jede Spende.

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.
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