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Bild: Laura Kaufmann

Papikolumne: It’s okay to be gay

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. Am 9. Februar stimmen die Stimmberechtigten in der Schweiz über die Ausweitung der sog. Antirassismusstrafnorm ab, welche auch Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unter Strafe stellen soll. Was das mit dem Vatersein zu tun hat, könnt ihr hier nachlesen.
11. Januar 2020
Papi-Kolumnist

Ehrlich gesagt, meine Meinung zu Abstimmungsvorlage vom 9. Februar ist längst gemacht. Dass es nicht OK ist, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren, ist für mich ein No-Brainer. Und dass die Ausweitung der Strafnormen auf diesen Tatbestand in der Schweiz leider nötig ist, hat die Medienberichterstattung in letzter Zeit gezeigt. Ein Fall hat mich besonders berührt und auch zum Nachdenken gebracht: Der Vater von Seran wollte diesen erstechen und umbringen, weil Seran homosexuell ist.

Es ist noch kein rechtskräftiges Urteil gegen den Vater ergangen, weshalb für diesen nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt. Nichtsdestotrotz rührt mich der Gedanke daran, dass ein Vater seinen Sohn umbringen möchte, fast zu Tränen. Wie kann man so viel Hass auf Homosexuelle haben, dass man bereit ist, seinen eigenen Sohn zu töten? Wenn ich an diesen Fall denke, versuche ich mich in die Situation von Serans Vater zu versetzen. Ich scheitere jedoch daran und bin fassungslos ob einer solchen Tat.

Was wenn L. schwul wäre?

Mein Sohn L. ist noch lange nicht in dem Alter, in welchem er sich für seine sexuelle Identität interessiert. Ihn interessieren momentan vor allem sein Laufrad, seine neue Spielzeuggarage und Spielplatzbesuche. Eines Tages wird es sich (vielleicht) mit seiner sexuellen Orientierung auseinandersetzen und möglicherweise feststellen, dass er homosexuell (oder anderssexuell) ist. Auch wenn ich mich heute noch nicht wirklich damit auseinandergesetzt habe, wünsche ich mir, dass L. und ich in Zukunft ein Verhältnis haben, in welchem wir über alles sprechen können. Ich möchte für jedes Anliegen von L. ein offenes Ohr haben und ihn in Zukunft, falls er das auch will, unterstützen. Und falls L. herausfinden würde, dass er homosexuell ist, dann würde ich mich darüber freuen.

Hass hat keinen Platz in unserer Gesellschaft!

Wie mir homosexuelle Freund*innen in Gesprächen schon mitgeteilt haben, ist allein dieses Selbstbewusstsein nicht selbstverständlich. Am meisten würde ich mich freuen, wenn dies in Zukunft so selbstverständlich ist, wie ich mit meiner ersten richtigen Freundin händchenhaltend durch die Strasse ging. Das heisst für mich aber auch, dass Homosexuelle in Zukunft heiraten oder Kinder adoptieren dürfen. Hiervon sind wir noch weit entfernt. Deshalb braucht es eben eine Anpassung der Gesetze, die Menschen vor stumpfen Hass schützen.

2016 lebte ich an der US-Ostküste in einer sehr liberalen Gegend. LGBTIQ+ müssen dort keine Angst vor Hass haben, auch nicht, wenn sie als offen homosexuelle Politiker*in an der Pride Wahlkampf betreiben (Bild: Autor)

Aber die Meinungsfreiheit!

Wenn man sich auf der Website des Referendumskomitee herumtreibt (tut es nicht, ausser ihr wollt euch den Start ins 2020 wirklich versauen), wird einem richtig schlecht. Das Hauptargument der Gegner*innen, wonach die Norm die Meinungsfreiheit beschnitten würde, ist eigentlich das gleiche Argument, welches die gleichen Personen gegen die Antirassismusstrafnorm grundsätzlich ins Feld führen: Wer sich in Zukunft kritisch über eine bestimmte Personengruppe äussert, muss in Zukunft mit Sanktionen rechnen.

Die Gegner*innen der Gesetzesänderung sehen sich in ihrer Meinungsfreiheit potentiell eingeschränkt. Im Komitee sitzt übrigens auch «Hirnlappen-Bortoluzzi» (alt SVP-Nationalrat), das sagt eigentlich schon alles über diese Personen aus. Meinungsfreiheit hört eben dort auf, wo die Würde von Menschen geritzt wird. Und Hass ist keine Meinung. Das ist eigentlich relativ simpel. Aber wenn diese Personen unter Meinungsfreiheit verstehen, Homosexuelle zu verunglimpfen, müssen wir uns nicht wundern, wenn Gewalt gegen LGBTIQ+ in der Schweiz zunimmt.

Ja am 9. Februar!

Wie gesagt, es handelt sich hierbei eigentlich um einen No-Brainer. Hass hat keinen Platz in unserer Gesellschaft! Deshalb unbedingt abstimmen gehen. Zu Homophobie gibt es ein wunderschönes Fake-Zitat, dass Morgan Freeman nie gesagt hat: «I hate the word homophobia. It's not a phobia. You are not scared. You are an asshole.» Wie recht Fake-Freeman doch hat!

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.

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