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Es ist zwar schwierig, auf Palmöl zu verzichten – wir zeigen, wie es trotzdem geht

25. Februar 2016




Ein neues Lebensmittelgesetz macht Schluss mit dem Versteckspiel: Der Konsument soll endlich wissen, welche pflanzlichen Öle und Fette in Lebensmitteln sind. So muss seit 2016 auch Palmöl in allen Lebensmitteln deklariert werden. Palmöl ist inzwischen in fast jedem zweiten Alltagsprodukt enthalten, schätzt der WWF. Für den Erfolg des Öls gibt es gute Gründe:
  1. Die Ölpalme ist extrem ertragreich und braucht wenig Platz.
  2. Palmöl ist bei Zimmertemperatur fest und somit praktisch für die Lebensmittelindustrie.
  3. Palmöl ist billig.
Das Öl wäre also die eierlegende Wollmilchsau, wenn da nicht ein grosses Problem bestünde: Palmöl wird hauptsächlich in Indonesien und Malaysia angebaut (etwa 80 Prozent der Weltproduktion). Besonders die Palmölproduktion aus Indonesien steht stark in der Kritik, weil riesige Regenwaldflächen der intensiven Brandrodung zum Opfer fallen. Organisationen wie Greenpeace kritisieren die Abholzung für Palmöl schon lange, unter anderem mit diesem makaberen Werbespot.

Um diese Vorwürfe zu entkräften, liegt zertifiziertes Palmöl im Trend. Das bekannteste Zertifikat RSPO, welches vom WWF initiiert wurde, ist aber umstritten. Greenpeace z. B. kritisiert, es sei zu wenig streng, zudem auf die Bedürfnisse der Industrie ausgerichtet und es fehlen «seriöse und unabhängige Kontrollmechanismen».

Deklarations-Dschungel Seit Anfang 2016 dürfen keine Produkte mehr ohne Kennzeichnung von Palmöl produziert werden. Wer meint, alle Produkte in den Supermärkten sind bereits gekennzeichnet, irrt. Bei unseren Stichproben in der Stadt Zürich haben wir viele Produkte mit der alten Kennzeichnung gefunden. Produkte, die vor 2016 produziert wurden, dürfen auch noch mit alter Kennzeichnung verkauft werden.

«Allfällige noch nicht umgestellte Verpackungen von Artikeln mit kurzer Haltbarkeitsfrist werden rascher aus dem Sortiment verschwinden als Verpackungen von langhaltbaren Produkten», sagt Ramón Gander, Mediensprecher von Coop. Bei Migros arbeitet man seit 2014 an der Umstellung der Deklarationen. Aber auch dort gibt es noch Produkte, die noch nicht richtig deklariert sind. So muss man, trotzt zweijähriger Übergangsfrist, auch heute bei manchen Produkten noch rätseln, wo Palmöl enthalten ist. Bei Kosmetik- und Hygieneprodukten fehlen solche Deklarationspflichten auch weiterhin.




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Selbstversuch: 1 Woche kein Palmöl

Wir haben den Selbstversuch gewagt und eine Woche auf Palmöl verzichtet. Wenn Palmöl wirklich in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten ist, könnte das schwierig werden. Zweck dieser Aktion war herauszufinden, wie viele Produkte das Öl enthalten und Alternativen ohne Palmöl kennen zu lernen.

Über 150 Personen haben am Selbstversuch teilgenommen. Fazit: Es geht auch ohne Palmöl, aber es ist sehr schwierig. Einige Produkte wie zum Beispiel Margarine sind kaum palmölfrei zu finden. Und auf vieles muss man verzichten: Erdnüsse, Nutella, viele Kekse und so weiter. Ganz krass ist es aber bei Kosmetik- und Hygieneprodukten: Dort muss Palmöl nicht namentlich angegeben werden, und das Öl befindet sich in etlichen Zusatzstoffen. Als Informationshilfe kann man da die App von Codecheck benutzen. Aber der Krux daran ist, es gibt fast keine Shampoos und Seifen ohne Palmöl.

Der Selbstversuch zeigt: Es ist verdammt schwierig, palmölfrei einzukaufen. Es macht auch wenig Sinn, Palmöl durch andere Öle zu ersetzen, da diese im Verhältnis noch grössere Anbaufläche brauchen. Es macht aber Sinn, zertifiziertes Palmöl zu kaufen, oder möglichst wenig verarbeitete Produkte mit pflanzlichen Ölen zu konsumieren.

Hast du gewusst, dass diese fünf Produkte Palmöl enthalten?

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Hier sind fünf Palmölfreie Produkte

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