Achtung Datenkrake! oBike sammelt Nutzerdaten und verkauft diese

Mietvelos sind kein gutes Geschäft. Allerdings lassen sich damit viele Daten sammeln und weiterverkaufen.
09. August 2017

Das Stadtbild von Zürich hat sich verändert: Seit Juni stehen überall die orangen Mietvelos von oBike rum. Erst waren es 350, inzwischen hat die Firma aus Singapur das Angebot ausgeweitet und bietet 900 Velos zur Miete an.

Doch der asiatischen Firma geht es dabei nicht um einen Velo-Boom in der Stadt Zürich, Geld verdienen sie mit der Vermietung kaum. Die amerikanische Transportbehörde Nacto hat gerechnet und kommt zum Schluss, dass sich ein solches Zweirad erst dann finanziell lohnt, wenn es täglich viermal gebucht würde. Bei den 900 oBikes in Zürich wären das 3600 Fahrten pro Tag, was heute bei weitem noch nicht erreicht wird. Das Unternehmen teilt mit, dass die App in Zürich bereits über 10’000 mal heruntergeladen wurde, über die Anzahl der Fahrten schweigen die Sprecher*innen.

Womit also verdient die Firma ihr Geld? Insider und Journalist*innen der deutschen Zeit schätzen, dass die oBike Asia Pte Ltd das grosse Geschäft im Handel mit den Nutzerdaten wittern. Bei jeder Buchung registriert die App mindestens den Abfahrts- und Zielort. So wissen die Velo-Vermieter*innen von jeder einzelnen nutzenden Person die genauen Bewegungen. Je höher die Anzahl Fahrten in einer Stadt, desto genauer können die Bewegungsströme ausgewertet werden.

Tatsächlich steht in den Datenschutzrichtlinien auf o.bike/ch, dass die «personenbezogenen Daten» zwecks «Statistikanalyse» Dritten zur Verfügung gestellt werden können. Mit dem Download der App stimmen die Nutzer*innen dieser Weitergabe ihrer persönlichen Daten zu.

Solche persönliche Daten dürften insbesondere für Werbung und Marketing interessant sein, schätzt Nat Bächtold, Sprecher des städtischen Präsidialdepartements. Aus stadtplanerischer Sicht seien raumbezogene Daten viel interessanter, weshalb die Stadt als Käuferin derzeit ausgeschlossen werden kann. Wenn hingegen eine Mehrheit der Zürcher*innen mit einem oBike durch die Stadt radeln würde, könnten die Daten für die Stadt Zürich relevant sein.

Für die Werbebranche sind die Nutzerdaten auf zwei Arten wertvoll, wie Jan Paulich, Projektleiter im Onlinemarketing der Agentur Feinheit erklärt: «Wenn Werbekunden wissen, welche Altersgruppen oder Geschlechter sich an einem bestimmten Standort aufhalten, können sie genau dort ihre Plakate aufhängen – extrem zielgruppenspezifisch.»

Die zweite Art, wie die Daten zu Werbezwecken genutzt werden können ist digital: Via App oder SMS werden standortbasierte Angebote direkt auf das Handy der Velofahrer*innen geschickt, so Werbefachmann Paulich. Dies sei besonders für Restaurants oder Ladenlokale attraktiv.

oBike startete nicht nur in Zürich eine Invasion. Viele weitere (europäische) Städte wurden ebenfalls quasi über Nacht mit den orangen Velos zugespamt: Amsterdam hat die Gefährte verboten, die Stadt London spricht von der «gelben Plage» und in der chinesischen Metropole Shenzhen stapeln sich tausende der Velos auf einem riesigen Haufen.

Mit dem Tiefbauamt der Stadt Zürich konnte sich oBike inzwischen auf eine Praxis einigen, wie der Tagi schreibt: Sie dürfen höchstens zehn Prozent des Platzes von Veloparkieranlagen belegen, den Verkehr nicht behindern und sie müssen in gutem Zustand sein.

oBike war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

--> Auch interessant: Warum die «Velostadt Zürich» trotz 2250 neuer Stadt-Velos Utopie bleibt

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