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Nummer 18: Die Papikolumne wird ein Jahr alt

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. Diese 18. Ausgabe der Papikolumne erscheint zu ihrem ersten Geburtstag.
08. August 2019

Als Simon Jacoby mich vor etwas mehr als einem Jahr fragte, ob ich für Tsüri.ch eine Papi-Kolumne machen wolle, war ich anfangs etwas skeptisch. Ich fragte mich, ob Tsüri-Leser*innen das überhaupt interessiert. Wenn man sich die Statistiken anschaut, stellt man jedoch fest, dass sich das Durchschnittsalter irgendwo um die 30 einpendelt. Also durchaus das Alter in dem Zürcher*innen Kinder kriegen. Es kam also, dass mich Simon überzeugte und ich mich daran machte, in die Tasten zu hauen.

Das Echo, welches diese Kolumne ausgelöst hat, habe ich nicht erwartet. Sowohl Anfragen für Interviews als auch für Buchrezensionen flatterten rein. Es gab auch sehr lustige Reaktionen: Als ich ECOPOP als Ökofaschisten bezeichnete, kam prompt eine E-mail vom Verein ECOPOP, welcher das anders als ich sieht. Letzte Woche war ich beim Bierhändler meine Wahl, der mein gelbes Bullitt sofort erkannte und mir dann ein Bier schenkte, weil er diese Kolumne gelesen hatte. Andere Reaktionen haben mich sehr berührt. So traf ich an einer legendären Geburtstagsparty im Damm eine entfernte Bekannte, die mir gestand, dass sie Tränen in den Augen hatte, als sie meinen Geburtsbericht las.

In der Papikolumne geht es nicht um Papis

Nun habe ich schon fast 20 solche Kolumnen zu den verschiedensten Themen geschrieben, welche mich im letzten Jahr im Alltag mit L. bewegt haben. Dies reichte von unterhaltsamen Beiträgen über unseren Familienurlaub und Liebe zu dritt bis zu politischen Themen wie den Vaterschaftsurlaub (der anders heissen sollte) oder den Frauenstreik (der auch anders heissen sollte).

Mit dieser Kolumne zeige ich meine ganz persönliche Art mit Themen wie Vaterschaft, Feminismus Konsum umzugehen. Der Umstand, dass ich über diese Themen schreibe, zwingt mich auch dazu, meine eigenen Positionen zu überdenken und mit meinem Umfeld zu besprechen. Somit müsste ich Simon ein Kränzchen winden: Tsüri.ch macht mich und mein Umfeld zu bessere Menschen.

Der Tsüri-Papi

Ich sehe mich nicht als Prototypen eines idealen Vaters in Zürich. Aber ich sehe mich als Repräsentant einer Generation von Vätern, die ihre Vaterrolle und die damit zusammenhängende Arbeit mit Freude angehen. Wir sind eine Generation von Vätern, die sich als Bestandteil einer modernen Gesellschaft sehen, in welcher Männer und Frauen sowie Väter und Mütter gleichberechtigt sind. Wir wollen nicht mehr Wochenendväter sein, sondern uns dafür engagieren, dass wir ein gleichwertiges Verhältnis zu unserem Nachwuchs haben, wie die Frauen an unseren Seiten. In meinem Umfeld sehen das Väter auch so und ich bin überzeugt, dass zumindest in urbanen Zentren wie Zürich dies auch mehrheitlich so gelebt wird.

Unter meinen Freunden sind im letzten Jahr ca. 10 Kinder auf die Welt gekommen und gleich viele Freundinnen sind meines Wissens schwanger. Ehrlich gesagt, finde ich, dass ist ziemlich viel. Junge Zürcher*innen wollen immer noch Kinder kriegen, auch im Zeitalter von ungebundener Liebe und FOMO. Also hat diese Kolumne immer noch eine Daseinsberechtigung.

Ich möchte mich bei all meinen Leser*innen herzlich bedanken! Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sich tatsächlich Leute für meinen Alltag und meine Alltagsgedanken interessieren. Auch das Feedback, das ich bekam, hilft mir bestimmt weiter, diesen Kolumnenplatz im grossartigsten Stadtmagazin von Zürich zu bespielen. Doch nun müssen wir erstmal feiern gehen. Das trifft sich gut, ist doch L. die nächsten Tage bei seinen Grosseltern und ich vermutlich hier und hier. Ich würde mich freuen, mit euch anzustossen.

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.
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