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Collaboration Booster: «Den Quick Fix gibt es nicht!»

Gute Zusammenarbeit, das kann doch nicht so schwer sein! Mit der richtigen Haltung und den passenden Werkzeugen stimmt das auch. Gib deiner Art, wie du gemeinsam mit anderen Grossartiges schaffst, einen Boost. Die Kolumne von Nadja Schnetzler. Heute: Den Quick Fix für gute Zusammenarbeit gibt es nicht.
25. Januar 2020
Kolumnistin / Collaboration Booster

Mit wem hast du diese Woche zusammengearbeitet? Also Dinge gemeinsam geplant, organisiert, besprochen, entwickelt oder umgesetzt? Vielleicht mit deinen Kolleg*innen im Team, deinen Freund*innen im Verein, deiner WG oder deiner Familie? Was waren die Momente, die sich super anfühlten, in denen alles reibungslos lief? Und welche Momente waren anspruchsvoll, anstrengend oder sogar frustrierend?

Die hierarchische Form des Arbeitens, bei der jemand anderen sagt, was sie zu tun haben und wie sie es tun sollen, wird immer mehr abgelöst von anderen Formen. Formen, in denen die Gruppe sich selber organisiert und steuert. Diese Formen des Zusammenarbeitens sind für die meisten von uns noch neu und ungewohnt – und fühlen sich darum oft anspruchsvoll zu Navigieren an.

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Menschen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen möchten und dabei so zusammenarbeiten möchten, dass alle zum Zug kommen und ihr Bestes beitragen können, dabei Spass haben, zusammen lernen und sich als Individuen und als Gruppe laufend weiterentwickeln: Das motiviert mich jeden Tag, aufzustehen und ist das Thema, über das ich am meisten nachdenke und mich mit anderen darüber austausche.

Mich interessiert es, wie aus Gruppen von Menschen gut zusammenwirkende Teams werden, die auch unter widrigsten Umständen immer noch gut kommunizieren können. Teams, die mit Veränderung klar kommen und auch unter Stress den Humor nicht verlieren. Teams, die Neues ausprobieren und Experimente lieben, die Rückschläge einstecken und sowohl Erfolge als auch das Scheitern zusammen feiern und daraus lernen können. Teams, die Konflikte aushalten und daran wachsen. Die keine Chefin brauchen, weil sie sich selber genau so viel Struktur wie nötig und gemeinsame Regeln geben, mit denen alle einverstanden sind und an die sich alle halten wollen.

Das sind Teams, die einen glasklaren gemeinsamen Antrieb haben, einen inneren Kompass. Teams, die etwas bewirken. Solche Teams machen das scheinbar Unmögliche möglich.

Es gibt so viele Faktoren, die diese Art von Zusammenarbeit begünstigen, und so vieles, was diese Art von Zusammenarbeit stört – im schlimmsten Fall auch zerstört. Alle Teams, egal wie versiert und eingespielt, gehen durch Höhen und Tiefen. Es gibt Momente, in denen alle die Zusammenarbeit in diesem Team als Kinderspiel erleben, und andere Momente, in denen alle denken: Mit diesen Idioten will ich keinen einzigen Tag mehr verbringen! Wo Menschen Zeit miteinander verbringen, um ernsthaft etwas zu gestalten, sind Konflikte an der Tagesordnung. Und darum ist Beziehungsarbeit eines der zentralen Fundamente guter Zusammenarbeit. Gute Konversationen führen, gemeinsam robuste Entscheidungen treffen und Probleme lösen: Das ist es, was gut eingespielte Teams die ganze Zeit tun. Sie besprechen auch nicht nur, was sie miteinander tun möchten, sondern immer wieder auch, wie sie zusammenarbeiten möchten, zum Beispiel mit welchen Methoden und mit welchen Formaten – das klassische «Meeting» ist jedenfalls längst nicht mehr die einzige Form, wie Teams sich regelmässig austauschen.

Natürlich würde ich dich und alle anderen am liebsten an eine für die ganze Tsüri.ch lesende Community ausreichende Riesen-Infusion am Helvetiaplatz hängen, die euch den Cocktail aller Werte, Erkenntnisse, Werkzeuge, Tipps und Tricks zu guter Zusammenarbeit intravenös verabreicht. Damit ihr das alle sofort könnt, und nicht länger warten müsst.

Mir selber würde ich diesen Cocktail auch gerne verabreichen, denn je mehr ich über gute Zusammenarbeit weiss, desto schwieriger finde ich sie in der Praxis. Mit jeder Aufgabe und jeder Gruppe, in der ich mitwirken darf, stellen sich neue Fragen, neue Herausforderungen und neue Hindernisse, die es gemeinsam zu überwinden gilt.

Diesen Cocktail, den «Quick Fix» für gute Zusammenarbeit, den gibt es natürlich nicht. Mit anderen Menschen gut zusammenarbeiten ist ein lebenslanges Lernfeld, eine gemeinsame Expedition, eine never-ending Story, ein Balanceakt, ein Abenteuer, eine Zumutung – oft erfreulich, ebenso oft nervenaufreibend.

Ich will dir mit dieser Kolumne einmal im Monat einen kleinen Boost geben für deine Zusammenarbeit mit anderen. Einen kleinen Denkanstoss, eine Inspiration, etwas, was du ausprobieren kannst. Dieser Anstoss kommt aus der Praxis. Aus einem Erlebnis, einem Aha-Moment, den ich oder jemand anderes hatte, aus einer gewonnenen Erkenntnis oder aus einem Fail.

Wenn du damit anfängst, die kleinen Dinge auszuprobieren, die du hier lesen wirst, dann kann es sein, dass du in ein paar Monaten anders auf das Thema Zusammenarbeit blickst und Dinge anders anders anpackt. Und das wäre ja dann fast so, als hättest du jeden Monat einen kleinen Schluck von diesem imaginären Zusammenarbeits-Cocktail getrunken. Wie bei allen anderen Themen gelingt gute Zusammenarbeit nämlich dann, wenn wir anfangen, Dinge anders zu betrachten, anders darüber zu denken und anders zu tun, jeden Tag ein wenig mehr, Schritt für Schritt.

Wenn du Lust hast, mir zu schreiben, was dich beim Zusammenarbeiten mit anderen immer wieder beschäftigt, dann kannst du das hier tun. Es hilft mir dabei, den Cocktail zum Thema über’s Jahr richtig zu mixen.

In dem Sinn: Cheers! Auf gute Zusammenarbeit!

Nadja Schnetzler
Nadja Schnetzler (47) begleitet Teams auf dem Weg zu exzellenter Zusammenarbeit. Sie befasst sich seit über 30 Jahren intensiv mit den Themen Innovation, Kollaboration und Agilität und zählt Organisationen aller Branchen zu ihren Kunden. Nadja ist Mitgründerin der Ideenfabrik BrainStore und der Republik. Ihr neustes Projekt heisst «Generation Purpose» und befasst sich mit dem innersten Antrieb von Menschen und Organisationen.
Die Kolumnen auf Tsüri
Jeden Samstag erscheint mindestens eine neue Kolumne, manchmal sogar zwei. Damit wollen wir dir Einblicke in andere Leben geben, dich inspirieren, anregen und vielleicht auch mal aufregen. Unsere Kolumnist*innen diskutieren gerne mit dir in den Kommentaren. Seid lieb!

– Die Feminismus-Kolumne von Pascale Niederer & Laila Gutknecht Co-Gründerinnen von «das da unten».
– Die Collaboration-Booster-Kolumne von Nadja Schnetzler, Co-Gründerin von Generation Purpose.
– Die Papi-Kolumne von Antoine Schnegg, Co-Gründer seines Kindes.
– Die Sans-Papiers-Kolumne von Licett Valverde, frühere Sans-Papiers.
– Die Food-Kolumne von Cathrin Michael, Food-Bloggerin.
– Die Veganismus-Kolumne von Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz.

Alle Kolumnen findest du hier.

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