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Dirty Slips am Montreux Jazz Festival dieses Jahres.

Ugly Pop Sexplosion: Wer sind denn hier die Versauten?

Am 28. November lädt das Moods zu einem heissen Abend mit dem Zürcher Popuntergrund. Wir haben die Bands, die an diesem Abend auftreten, für euch abgecheckt.
25. November 2019

Text: Oliver Camenzind


Es ist natürlich überhaupt kein Zufall, dass wir den Refrain jedes Mal falsch verstehen, wenn wir uns auf diesen Zuckerschock von einem Popsong einlassen. Die wollen ja, dass wir an Geschlechtsteile denken, während sie die Unschuldslämmer spielen: Nanu, was habt ihr denn? «A bussi here, a bussi there, a bussi everywhere», geht in etwa der Text, des Lieds mit dem Namen «Bussi Love». Und wer dabei an etwas anderes als leichte Backenschmatzer denkt, soll sich schon selber fragen: Ja, was habe ich denn eigentlich. Dieses Kokettieren mit der eigenen Unschuld, während alle anderen sich versaut vorkommen, das ist die Pointe dieses Stücks, das nicht grundlos wie schadenfreudiges Gekicher tönt. Es ist Schadenfreude über das Erröten der anderen.

Dreckige Wäsche

Es gibt ja diese minderwertigen Fernsehreportagen, in denen junge Frauen davon erzählen, wie sie gebrauchte Höschen im Internet an den Höchstbietenden verkaufen und davon, dass sie das angeblich überhaupt kein Problem finden, weil sie ja so aufgeklärt und locker sind. Ob die Band von «Bussi Love» sich deshalb The Dirty Slips nennt, ist nicht überliefert. Zuzutrauen wäre es ihr aber, denn in ihren Songs wimmelt es geradezu von schmutzigen Anspielungen. Die Dirty Slips scheinen es sich geradezu zur Aufgabe gemacht zu haben, Anzüglichkeiten in ihre Songtexte zu schmuggeln und Gitarrenklänge in orgiastisches Zucken zu verzaubern. In «Cigarette» beispielsweise wird uns ein Regenguss prophezeit, der sich als stöhnendes Vergnügen herausstellt. Und das passt natürlich bestens zur synthetischen Hopp-Hopp-Basslinie, die der ganzen Sache den nötigen Takt gibt.

Es wird heiss

Im Moods im Schiffbau ist die Band am 28. November zu sehen und zu hören. Das Motto des Abends lautet «Ugly Pop Sexplosion», und damit das mit der Sexplosion mehr als nur ein schmutziger Quickie wird, stehen vor den Dirty Slips noch zwei andere Bands auf der Bühne. Anfangen wird das Duo Ester Poly. Mit Schlagzeug und Elektrobass bewaffnet, begeben sich die beiden Musikerinnen auf den Weg zu abgelegenen Genres wie Dark Wave. Dabei machen sie gern auch mal in Fertigungshallen der Schwerindustrie Rast und entdecken brutale Lärmcollagen. Oder sie drehen im nächsten Wäldchen eine Extrarunde, wo ihre Musik dann auf einmal überraschend leicht und sogar ein bisschen fröhlich wird.

Das Vorspiel

Nicht ganz so bunt treiben es die vier Zürcher von None of Them. Sie werden im Moods ihr brandneues zweites Album vorstellen und damit das Vorspiel der Sexplosion abrunden. Nach den lauten und heftigen Klängen von Ester Poly wird der Beitrag von None of Them in Streicheleinheiten von luftigen Reverbgitarren bestehen. Ihre Beats sind meistens leicht und poppig, doch das heisst nicht, dass es nicht trotzdem den einen oder anderen blauen Fleck absetzen könnte.

Wer nach all dieser Anspannung auch die Dirty Slips übersteht, hat entweder keine Gefühle oder eine mordsmässige Ausdauer. So oder so darf sich, wer so lange durchsteht, auf das DJ-Set von Chiri Moya freuen.

Ugly Pop Sexplosion. Im Moods im Schiffbau am 28. November ab 20:30. Der Eintritt kostet 30 Franken.

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