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Bild: Philip Frowein

Mensch, Dämon und Wolfsprinzessin treffen sich beim Weltuntergang

Das Theaterstück Mononoke weckt nicht nur wegen seinem bekannten Titel Neugierde. Unser Theaterenthusiast Nico Roos hat sich die Premiere im Theater Neumarkt angeschaut.
20. Februar 2020
Computerflüsterer

Wer regelmässig ins Theater geht, kennt die Spannung, die eine nicht klassische Bühne mit sich bringt. Dies spürt man auch beim neuen Stück des Neumarkts. Anstatt der klassischen Bestuhlung, bei der das Publikum in Reih und Glied auf die Bühne schaut, ist die zweistufige Bühne viereckig um den Schauplatz aufgebaut und bietet somit allen Zuschauer*innen einen leicht anderen Blick auf das Geschehen. Fünf Menschen sitzen in einem Kreis neben einer Feuerschale. Es ist ungewöhnlich hell im Saal und ohne ein merkbares Signal beginnen die Schauspieler*innen mit ihrer Erzählung.

Für die beiden Regisseure Felix Rothenhäusler und Hendrik Weber ist es das erste gemeinsame Projekt. Felix Rothenhäusler ist Hausregisseur in Bremen und hat sich einen Namen gemacht beim präzisen Umgang mit Sprache. Hendrik Weber mag so manchen besser bekannt sein unter dem Pseudonym Pantha du Prince. Der Klangkünstler aus Hessen setzt sich schon seit Jahren mit Organismen und ihren Systemen musikalisch auseinander.

Mononoke ist nicht die erste Bühneninszenierung für Pantha du Prince, aber die erste in der Rolle als Co-Regisseur in einem traditionellen Stück. Aber auch Zuschauer*innen, die in erster Linie wegen seiner Musik ins Theater gehen, kommen auf ihre Kosten.

Bild: Philip Frowein

Beim zu Beginn beschriebenen Schauplatz ändert während der Erzählung nur die Tageszeit, die fünf Schauspieler*innen, bewegen sich im gesamten Stück nie aus ihrem Sitzkreis weg. Während sie die Zuschauer*innen auf eine Reise zwischen Déjà vu und mythologischen Neuland mitnehmen, wird es so langsam Abend, dass die plötzliche Dunkelheit und das Ende der Geschichte nicht nur viele Fragen offenlässt, sondern auch wie einen kleinen Schubser zurück in die Realität wirkt. Wie der Titel bereits vermuten lässt, ist das Stück eine Hommage an den Erzählstil des japanischen Anime «Prinzessin Mononoke» von Hayao Miyazaki:

Die Geschichte beginnt in einem Dorf im östlichen Teil der Welt. Ein junger Mann wird bei der Verteidigung jenes Dorfes von einem Dämon verletzt. Die Verletzung ist mit einem tödlichen Fluch belegt und bedarf Heilkünste, welche im Dorf nicht vorhanden sind. So begibt sich der junge Mann auf die Suche nach Heilung und findet dabei eine Welt voller Missgunst und Habgier. Auf seiner Reise lernt er aber auch wohlgesinnte Wesen wie die Wolfsprinzessin kennen. Anfangs noch Feinde, helfen sich die beiden bereits in der ersten Notsituation und werden ein Duo, das verzweifelt den Krieg zwischen den Menschen und dem Tier- und Pflanzenreich zu verhindern versucht.

Bild: Philip Frowein

Nicht nur inhaltlich werden Parallelen zum bekannten Anime erkennbar, sondern auch bei der Erzählweise der Schauspieler*innen. Ihre mündlichen Überlieferungen wirken wie eine Zusammenfassung von vielen tausend Ereignissen in einer Geschichte. Dadurch kommt bei der Zuschauer*in immer wieder das Gefühl auf, Teile der Erzählung bereits gehört zu haben, wird aber durch amüsante Details wie z.B. ein im Wald tanzendes Baby schnell zurück auf die Bühne geholt.

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