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Misosuppe, tut Bauch, Herz und Seele gut. Alle Fotos: Cathrin Michael

Misosuppe in Zeiten der Quarantäne

Cathrin Michael liebt es, mit einem Glas Wein und einem Teller Pasta auf das Leben anzustossen. Für Tsüri.ch tüftelt die Texterin jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus. Heute gibt es herzerwärmende Misosuppe.
28. März 2020
Food-Kolumnistin

Kurz vor Anbruch der Stay-at-Home-Zeit bin ich in eine WG gezogen. Ziemlich herausfordernd, mit drei bis anhin fremden Menschen plötzlich Tag und Nacht in vier Wänden zu leben. Aber auch ziemlich toll. Wir haben nämlich richtig viel Zeit fürs Wände streichen, Wein trinken und Wochen-Menü-Pläne erstellen. Letzteres kenne ich nur noch vom Skilager von früher. Aber was haben wir für eine Freude daran! Wir setzen uns einmal die Woche zusammen, tragen zuerst querbeet unsere Lieblingsgerichte zusammen, teilen sie dann den Wochentagen zu (Zmittag und Znacht!) und erstellen die Postiliste. Der grosse Vorteil: Wir verhindern Food-Waste, sparen Geld und müssen nur noch ein bis zwei Mal pro Woche Lebensmittel einkaufen (#flattenthecurve). Und noch viel besser: Wir geben den Wochentagen so ein bisschen Struktur, können kaum den Mittwochabend erwarten wenn's «Ghackets und Hörnli» gibt oder bis der Sonntagszopf aus dem Ofen kommt.

In diesen Tagen nehmen wir uns gerne ein bisschen mehr Zeit fürs Geniessen und kochen auch mal Gerichte, die etwas aufwändiger sind. So zum Beispiel Misosuppe. Oder Ramen. Oder asiatische Nudelsuppe. Oder wie auch immer du es nennen willst. Ich weiss, jede*r Kenner*in der asiatischen Küche hat sich jetzt grad am Kafi verschluckt und es gibt gewiss gewichtige Unterschiede, die ich absolut nicht herunterspielen will. Nun ist aber Corona-Time und es geht hier weder um das perfekte authentische Rezept, noch darum, welche Nudelform zu 100 Prozent die richtige für welche Brühe ist, noch um die aufwendigste Zubereitungsart. Es geht darum, mal etwas anderes als Pasta mit Tomatensauce zu essen und in diesen kalten Tagen etwas Komfort-Food aufzutischen, der Bauch und Herz und Seele gut tut. Denn davon können wir alle einen grossen Topf voll gebrauchen oder?

Jede und jeder von euch hat bestimmt noch eine Packung asiatischer Nudeln im Schrank. Ob Ramen oder Udon oder Mie Noodles oder Reisnüdeli ist mir eigentlich ziemlich egal. Und dann plündert ihr einfach was das Gemüsefach eures Corona-Kühlschranks hergibt und streut am Schluss darüber, was gut aussieht: Gehackte Erdnüsse, fein geschnittene Rüebli, Koriander, Sesam, zerzupfte Noriblätter, eingelegten Rettich, die ersten Frühlingserbsli, marinierte Salatgurke oder Zitronenzeste. Wenn ihr Ideen braucht, schreibt mir einfach auf Insta und führt mich virtuell durch euer Chuchichästli.

Noch ein kleiner Exkurs zur wichtigsten Zutat hier: Die Misopaste. Ich durfte vor einigen Wochen einem Tasting beiwohnen beim Räucherpapst, Geniesservorbild und Fermentationstüftler Patrick Marxer. Wir haben stundenlang vergorene Pasten probiert, die er und sein Team auf Basis von Rollgerste, altem Brot oder Ackerbohnen angesetzt haben. Hier findet ihr seinen Onlineshop mit Produkten, die ich dir allesamt ans Herz legen kann. Du kannst sie zum Beispiel aber auch im Bachsermärt kaufen. Diese fermentierte Paste steckt voller wertvoller Probiotika, darum empfiehlt Patrick Marxer, die Misopaste nie zu kochen, sondern nur zu erwärmen.

Exkurs Nummer 2: Ihr habt auf Instagram abgestimmt, ob ich mit Spargeln oder Champignons kochen soll. Ihr habt euch für Ersteres entschieden. Nach ein paar Telefonaten war klar: Es ist noch zu kalt in der Schweiz, die Stangen verharren lieber noch etwas im Boden. Und weil wir wenn dann Schweizer Spargeln geniessen wollen – im nächsten Rezept– kochen wir jetzt mit den zweitplatzierten Pilzen. Sagt es ihnen einfach nicht, denn sie schmecken wie Sieger!

Misosuppe mit Quarantänen-Topping

ZUTATEN

für 4 Schalen

- 7 EL Erbsenmiso
- 8 dl Wasser
- 1 EL Sesamöl
- 2 EL Milch (z.B. Hafermilch)
- 1 TL Alpensalz oder Sojasauce
- 2 EL Ahornsirup
- 4 Eier
- 3 Frühlingszwiebeln
- 1 Zucchetti
- 1 Handvoll frischer Koriander
- 8 Champignons
- 4 Radieschen
- schwarzer Pfeffer
- 1/2 TL Räucherpaprika
- 2 EL schwarzer Sesam

ZUBEREITUNG

Pilze säubern, in Scheiben schneiden. 1 EL Ahornsirup, Hafermilch und 2 EL Miso in einer Schüssel vermischen und die Pilze damit marinieren.

Frühlingszwiebeln waschen, den weissen vorderen Teil fein schneiden und in einem grossen Topf im Sesamöl anbraten. Wasser und Salz dazugeben und langsam aufkochen. Das Grüne der Frühlingszwiebeln längs in feine Streifen schneiden und in eine Schüssel mit kaltem Wasser legen, so kringeln sie sich leicht.

Zucchetti mit dem Spiralschneider oder Schäler in feine Streifen schneiden. Mit etwas schwarzem Pfeffer in der Bratpfanne 1 Minute heiss anbraten und Zucchetti zur Seite stellen.

Radieschen waschen, in feine Scheiben schneiden. Mit 1 EL Ahornsirup und Räucherpaprika in derselben Bratpfanne von vorher anbraten und zur Seite stellen.

Wasser bei den Frühlingszwiebeln ableeren und in derselben Bratpfanne von vorher kurz heiss anbraten und zur Seite stellen.

Pilze mit der Marinade in derselben Bratpfanne von vorher langsam anbraten, bis sie etwas Farbe angenommen haben.

In einem separaten Topf Wasser aufkochen, wenn es leicht siedet (nicht kocht), die Eier dazugeben (mit einer Nadel einstechen vorher) und 7 Minuten sieden. Danach in eine kalte Schale Wasser legen bis zum Servieren.

Die Nudeln im Wassertopf mit dem Salz und den Frühlingszwiebeln kochen (Mie Noodles gehen z.B. nur drei Miuten). Vom Herd nehmen, Misopaste einrühren und auf vier Schalen verteilen.

Nun das Gemüse darauf verteilen, sodass jede*r Instagram-Nutzer*in seine*ihre helle Freude daran hätte. Die Eier schälen, längs halbieren und in die Schale geben. Streue nun etwas schwarzen Sesam und Koriander darüber oder was du eben grad in deiner Küche findest.

Ein paar alternative Zutaten und Ideen für deine Nudelsuppe:

- geröstete Sonnenblumenkernen
- eingelegte Rüebli
- zerhackte Salzmandeln
- etwas Nussbutter oder Tahini
- frische Peterli
- Limettensaft
- Sprossen

Patrick Marxer hat uns noch einen Tipp gegeben: Die geöffnete Misopaste kannst du mit einer Büroklammer verschlossen noch monatelang – oder für immer und zurück, wie er sagt – aufbewahren. Und sie muss nicht einmal in den Kühlschrank; «dort hat's doch eh nie Platz», wie er sagt. Er selber trinke übrigens schon den ganzen Winter über jeden Tag Misosuppe und sei kerngesund. Noch Fragen?

#stayathome, bleibt gesund und koch dir was Schönes!

Cathrin Michael
Cathrin Michael arbeitet selbständig und schreibt am liebsten übers Essen. Ihre Rezepte hält sie auf gnüsse.ch. fest. Der Blogname ist Programm und der Weg zum Glück, findet sie. Um gemeinsam mit anderen noch mehr Food-Geschichten zu schreiben, hat sie die Agentur kollektif.ch. mitgegründet. Für Tsüri.ch tüftelt sie jeden Monat ein feines, saisonales Rezept aus.
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