Daniela Knecht: Bauleiterin, Idealistin und Tsüri-Member

Daniela arbeitet in einem männerdominierten Beruf und muss sich deshalb auch mal Sprüche anhören. Nicht nur deshalb schafft sie sich durch ihr Herzensprojekt eine Welt, in der Vorurteile, Ungleichheiten und Rassismus keinen Platz haben sollen.
31. Januar 2020

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Bauführer, Bauherren, Bauleiter: keinen Treffer eines weiblichen Pendants auf Google. Eine offensichtlich männerdominierte Berufsbezeichnung – oder? Die Ausnahme bestätigt die Regel: Daniela Knecht. Nach ihrer Lehre als Hochbauzeichnerin und ihrem anschliessenden Studium der freien Kunst, arbeitet sie nun als Bauleiterin in der Deutschschweiz. Dafür wird sie auch belächelt.

Doch nicht etwa von Handwerkern, wie man intuitiv annehmen könnte, sondern von Männern in Machtpositionen. Kommentare wie «das machen wir gerne für dich, weil du so schöne blaue Augen hast» oder «das kannst du nur aufgrund deines Charmes» sind Sätze, die sie bereits mehrmals zu hören bekam. Ihre Grösse und ihr Durchsetzungsvermögen helfen ihr jedoch, sich in dem Umfeld zu behaupten.

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Danielas Herzensprojekt – eine Utopie?

Für ihre Bachelorarbeit arbeitete sie mit Geflüchteten. Daraus entstand ihr Herzensprojekt Kollektiv Freizeit mit Freunden (Kollektiv FmF): «Aufgrund der stetigen Vorurteilen wollte ich eine Welt schaffen, die für mich wünschenswert ist.» Kollektiv FmF ist eine Plattform, die Menschen mit Migrationshintergrund Hilfe in Alltagsfragen bietet. Ausserdem finden Anlässe wie Picknicks, Kochabende oder Konzerte statt. Alles gratis oder sehr kostengünstig – und für alle zugänglich. «Angefangen hat alles mit der Idee, dass meine Freunde gerne eine andere Küche ausprobieren wollten.» Daniela hatte die Netzwerke dazu. So versammelten sich eines Abends mehr als 40 Personen in ihrer Küche, um gemeinsam eritreisch, persisch oder kurdisch zu kochen. Mittlerweile sind rund 130 Mitglieder der Plattform zugehörig.

Warum ist das Kollektiv FmF Danielas Herzensprojekt? «Ich kann mir so eine Welt schaffen, in der ich leben möchte. Eine Welt, die funktioniert.» Doch das Projekt bestehe nicht nur aus altruistischen Gründen. «Ich mache das auch für mich», sagt Daniela ehrlich. Auch unter den Flüchtlingen herrsche Rassismus. «Kulturen, die sich bekriegen, leben hier plötzlich auf engstem Raum», so Daniela. Wichtig dabei sei, die Vorurteile auszudiskutieren, sodass man sich von einem schwarz-weissen Denken abwenden könne. Was ist bisher ihre wichtigste Erkenntnis in der Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen? «Dass jede Erkenntnis gar keine ist.» Denn jedes Mal wenn Daniela das Gefühl eines Erkenntnisgewinns habe, löse dieser sich sofort wieder in Luft auf, weil bereits ein Gegenbeispiel auf das Vorurteil folge.

Pro Authentizität

Warum wurde nun die gebürtige Aargauerin, die in Zürich lebt und in der ganzen Schweiz unterwegs ist, ausgerechnet Tsüri-Member? «Wenn ich nach Inspiration suche für Veranstaltungen oder Restaurant-Tipps, dann gehe ich nicht auf Google, sondern auf Tsüri.ch.» Ausserdem schreibe die Lokal-Plattform ehrlich, authentisch und erfrischend. Mit dem Beitritt als Tsüri-Member erhofft sich die 30-Jährige ein langjähriges Bestehen von Tsüri.ch. Also dann: Auf viele weitere ehrliche Geschichten, weniger Vorurteile und die Erkenntnis, dass es keine gibt.


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