Meinungs-Mittwoch: Ein Loblied auf den Französischen Abgang

Keine Panik – Frankreich ist noch in der EU. Allerdings ist jemand nicht mehr an der Party. Gegangen, ohne sich zu verabschieden. Frechheit! Ja, der Französische Abgang hat einen schlechten Ruf. Aber eigentlich müsste das nicht sein.
05. September 2018

In der Artikel-Reihe «Meinungs-Mittwoch» leistet sich jeden Mittwoch ein Redaktionsmitglied von Tsüri.ch eine Meinung. Sei es als Kolumne, Glosse oder eventuell als Video mit Tanzeinlage. Denn wie hat es Clint Eastwood als Dirty Harry damals so schön auf den Punkt gebracht: Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eins.


In der Deutschschweiz ist es der Französische Abgang, in Deutschland nennt man es den Polnischen Abgang und in Frankreich den Filer à l'anglaise (einen Abgang machen nach englischer Art). Wir kennen das alle: Eine Party, viele Menschen und alles ist lässig. Doch dann steht der Gang nach Hause langsam an. Plötzlich bläst sich ein Dilemma auf: Verlässt man die Party im Stillen, sind alle beleidigt – verabschiedet man sich, kommt man kaum noch los.

Zugegebenermassen ist es ziemlich beschissen, wenn man in angeheitertem Zustande plötzlich merkt, dass man kein bekanntes Gesicht mehr sieht und auch nicht mehr so recht weiss, wo man eigentlich ist. Dann steht man nach langem Suchen alleine da und irritiert denkt man: «Sind die jetzt einfach abgehauen und haben nichts gesagt?» Noch schlimmer ist es, wenn man mit jemanden bestimmten da ist und die Person plötzlich verduftet. Da kann es schon passieren, dass man sich Sorgen macht oder sich gar verletzt fühlt. Alles verständlich.

Anstatt sich aber über den Französischen Abgang zu echauffieren, sollten wir über die Umgangsform reden. Klar gibt es Situationen, in welchen sich ein ordentlicher Abschied gehört – rein aus Anstand. Genauso gibt es Situationen, wo man sich ohne grosses Theater einfach verkrümeln darf. Denn nicht nur kostet allen tschüss zu sagen Zeit, dazu gibt es immer auch jene Leute, die Druck ausüben und einem nicht gehen lassen wollen. Darin liegt das eigentliche Problem. Wenn man dann anfängt, sich zu rechtfertigen, oder sogar noch bleibt, hat man definitiv verloren.

Man muss gehen können, wenn man will. Ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen. Ohne tschüss zu sagen und ohne wie ein Ninja weg zu schleichen. Vor allem in freundschaftlichen Kreisen. Denn irgendwann will jeder gehen und wer weiss schon, wann wer gegangen ist? Und sowieso, die Tage verschwimmen und daher riecht man sich garantiert später.

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