Meinungs-Mittwoch: Was der Fürst von Liechtenstein vom 1. August hält

Der 1. August hat einen schlechten Ruf in der Linken Szene. Überall kommen die popligen Nationalisten hervor und machen Lärm. Doch zu diesem einseitigen Bild gehören etliche Nuancen. Unser Redaktor mit B-Bewilligung über den Nationalfeiertag und was der Fürst von Liechtenstein davon hält.
01. August 2018

In der Artikel-Reihe «Meinungs-Mittwoch» leistet sich jeden Mittwoch ein Redaktionsmitglied von Tsüri.ch eine Meinung. Sei es als Kolumne, Glosse oder eventuell als Video mit Tanzeinlage. Denn wie hat es Clint Eastwood als Dirty Harry damals so schön auf den Punkt gebracht: Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eins.


Einen Meinungsartikel über den 1. August und Nationalismus zu verfassen, steht mir überhaupt nicht. Als gebürtiger Liechtensteiner – Liechtenstein ist ein Land, in welchem das Volk per Wahl das Wählen abgeschafft hat und dafür einen erzkonservativen Monarchen über die Demokratie stellte – darf ich selbstverständlich keine andere Meinung, ausser die des Fürsten, haben. Obwohl ich keinen Nationalstolz besitze, bleibe ich diesmal fürstentreu. In einem Gespräch, das nie stattgefunden hat, äusserte der Fürst sich folgendermassen:

«Der 1. August ist ein Tag, der jährlich zwischen dem 31. Juli und dem 2. August in einem Zeitraum von 24 Stunden einfach so da ist. Zumindest für die meisten Menschen. Für Schweizer [seine Durchlaucht hält nichts von gendergerechter Sprache] hält der 1. August aber noch einige spezielle Sachen bereit. Zum Beispiel ist der Coop an der Langstrasse geschlossen. Und am Abend knallt es laut, sodass Rehe, Hunde und andere Tiere sich mit multiplen Herzkasper auseinandersetzen müssen. Ach ja, und überall hängt die Schweizerfahne, die ich persönlich ja recht herzig finde.

Wenn ich schon bei der Schweizerfahne bin, möchte ich ein paar Worte über die WM verlieren. Diese habe ich, wie es bei mir Tradition ist, ignoriert, denn Liechtenstein spielt eh nie mit. Verwirrend fand ich allerdings, dass praktisch egal, wer ein Spiel gewann, immer gehupt und gejubelt wurde. Das konnte man über die Landesgrenze hören. Auch das El Presidente an der Langstrasse ist immer noch eingehüllt vom weissen Kreuz auf rotem Grund. Doppeladler hat es auch. Den finde ich auch herzig, obwohl ich in der Naturkunde gelernt habe, dass die gar nicht in der Schweiz leben.

Ich werde dieses Jahr den 1. August nicht feiern. Aber eigentlich könnte ich ihn feiern, denn die Schweiz ist und bleibt ein grosses Vorbild für unsere meine Monarchie. Beeindruckend finde ich zum Beispiel die Waffenexporte der Schweiz. Die sind wirklich mega nice. Auch eine Pharmaindustrie, wie sie die Schweiz hat, finde ich beneidenswert. Und es ist schön, dass die beste Armee uns vor dem Bösen beschützt. Am allergeilsten finde ich aber, dass die Schweiz mit allem Schindluder, das sie betreibt, immer mit einem blauen Auge davon kommt und schlussendlich gut da steht. In Sachen Migration und Steuern, könnte sich die Eidgenossenschaft aber eine Scheibe von uns abschneiden. Denn bei uns zahlt man keine Steuern und wer keinen Pass hat, hier aber wohnen will, wird mit Fingerzeig herzlich ausgelacht.

Festen ist immer was tolles! Einen schönen 1. August wünsche ich.
Übrigens feiert Benin auch am 1. August. Die feiern allerdings die Unabhängigkeit von Frankreich.»

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