Meinungs-Mittwoch: Schimpftirade aus der Gastro

Unsere Redaktorin Arjuna Brütsch arbeitet, wenn sie sich nicht gerade für Referenden oder Tsüri.ch engagiert, hinter der Bar. Die Arbeit ist in der Hochsaison oft stressig und an beiden Seiten vom Tresen gibt es oft dumme Fehler. Hier sind also ein paar Punkte, die das Leben von Gastronom*innen erleichtern und ihnen den Beruhigungs-Shot ersparen.
18. Juli 2018

In der neuen Artikel-Reihe «Meinungs-Mittwoch» leistet sich jeden Mittwoch ein Redaktionsmitglied von Tsüri.ch eine Meinung. Sei es als Kolumne, Glosse oder eventuell als Video mit Tanzeinlage. Denn wie hat es Clint Eastwood als Dirty Harry damals so schön auf den Punkt gebracht: Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eins.


Vor einem Monat hat Tsüri.ch Redaktorin Vivienne Kuster in ihrem Meinungs-Mittwoch über die Frage sinniert: Bezahlen wir zusammen oder getrennt? Sie schlussfolgert, dass sie künftig getrennte Rechnung üben will und diese Frage nicht mehr hören möchte.
Klar gibt es Momente, in welchen diese Frage mehr oder weniger angebracht ist. Aber hier sitze ich nun am Laptop und erkläre euch meine Perspektive von der anderen Seite des Tresens.

In der Gastro ist vieles nach Effizienz ausgerichtet, so gibt es auch einen Grund für diese Frage. Zuerst das hinterfragte Dilemma «zäme oder trännt?» anzusprechen, spart mir die Zeit, die verschiedenen Preise einzeln aufzuzählen, nur damit ihr nachher alles zusammen zahlt. Oder anders: Es spart mir die Peinlichkeit, nachher zugeben zu müssen, dass ich absolut nicht kopfrechnen kann und die Rechnung nicht im Kopf zusammenzählen will. Schliesslich versuche ich Journalistin und Gastronomin zu sein, nicht Mathematikerin.

Soviel vorweg, meine weiteren Lösungsvorschläge richten sich nach einem Prinzip: Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? Äh, andersrum.

  • Wenn nach der ersten Runde schon klar ist, dass keine Funken sprühen und du dich nie wieder mit der Person treffen möchtest: gut, bezahlt getrennt. Wenn es gut verläuft, trinkt ihr mehr als nur eine Runde am Stück: Wer auch immer die erste Runde zahlt, lässt sich bei der zweiten einladen.
  • Ich empfinde eine Hassliebe für den «Zum-Portemonnaie-Greifen-Tanz». Wenn mir zwei Zahlungsmittel entgegen gestreckt werden, grinse ich und würde am liebsten sagen: «Wer mehr Trinkgeld gibt, darf zahlen». Ich finde das anschliessende «Nächst mal bin ich dänn dra mit zahle» eine super Lösung, vorausgesetzt, dass es im Gleichgewicht bleibt. Ein Znacht zu bezahlen, lässt sich ja nicht mit einem Bier kompensieren.

Die häufigsten Fettnäpfchen und wie man sie vermeidet

  • Es ist viel los, vor dir stehen zehn Leute an, hinter dir auch, du wartest zehn Minuten. Endlich kommst du dran und kannst dich immer noch nicht zwischen Bier und Rosé entscheiden.
    Tipp des Tages: Überlege dir in der Wartezeit, was du bestellen willst.
  • Du hast den Chef des Ladens einmal getroffen und seinen Namen aufgeschnappt. Du bist wütend, weil der Schaum auf deinem Cappuccino nicht symmetrisch ist und drohst, den Chef anzurufen.
    Tipp des Tages: Sei kein herablassender Lauch. Den Chef interessiert es im Übrigen überhaupt nicht.
  • Du bestellst ein Glas Rotwein, merkst, dass er Zapfen hat und gehst am Tresen motzen. NACHDEM DU AUSGETRUNKEN HAST.
    Tipp des Tages: Trink und schweig oder gib vorher Bescheid (Höhö, hat sich sogar gereimt). Ein zweites Glas gibt es imfall auch nicht gratis.
  • Du bist überzeugt, dass der günstigste Wein mit Drehverschluss Zapfen hat.
    Tipp des Tages: Nein, er hat keinen Zapfen. Ja, der günstigste Wein ist meistens nicht der beste.
  • Du bestellst einen Decaf-Ristretto und schlürfst ihn genüsslich drei Stunden lang während du im Internet surfst.
    Tipp des Tages: Wottsch nöd lieber en Chindersirup? Schmeckt besser als ein fake Mini-Espresso, ist auch günstig und enthält ebenfalls kein Koffein.
  • Du stehst mit deiner Gruppe am Tresen und ihr wollt alle Bier bestellen, ihr bestellt und bezahlt aber alle getrennt.
    Tipp des Tages: Sagt doch, wie viele Stangen ihr wollt, lasst mich zapfen und bezahlt dann getrennt. Glaubt mir, es spart Zeit und wertvolles Bier. Wenn du daheim fünf Freunde zum Essen einlädst, stehst du für fünf Gläser Wasser ja auch nicht fünf mal auf und lässt es fünf Mal laufen bis es kalt ist.
  • Wenn ihr nach dem Biertrinken selbst abräumt, ist das ja wirklich nett, aber stellt ihr die Gläser ineinander, gehen sie kaputt und ein riesen Chaos entsteht.
    Tipp des Tages: Stellt nie die Willi-Gläser (Ja, die klassisch geschwungenen Biergläser heissen wirklich so) ineinander. Die Gewichtsverteilung dieser dünnwandigen Gläser wird jedes Mal für Scherben sorgen.

Disclaimer: Die Autorin möchte an dieser Stelle anmerken, dass sie für sich selbst spricht und nicht alle Gastronomen. Sie liebt auch ihren Gastro-Job; die Mehrheit der Gäste ist sehr lieb und man bekommt nicht den Kopf abgehauen, wenn mal einer dieser Fauxpas passieren sollte. Sie wird trotzdem freundlich Lächeln und darüber hinweg sehen. Trotzdem wäre es toll, wenn wir alle lieb zueinander wären.

Titelbild: Timothy Endut / Laura Kaufmann



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