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Der Seifenhersteller Soeder verzichtet auf Rabattschlachten am Black Friday und ist damit nicht alleine (Bild: Michael Schallschmidt).

Diese Zürcher Unternehmen boykottieren den Black Friday

Am 26. November findet die jährliche Verkaufsveranstaltung «Black Friday» statt. Auch der hiesige Einzelhandel drückt anlässlich dieser US-Amerikanischen Rabattaktion fleissig die Preise. Einige Zürcher Unternehmen sagen dem Konsumfest jedoch den Kampf an.
24. November 2021
Praktikant Redaktion

Seit Jahrzehnten beeinflussen die Vereinigten Staaten unser Konsumverhalten. Seien es elektronische Geräte, Unterhaltung oder die Ess- und Trinkkultur: Wir kommen keine hundert Meter weit, ohne Merkmalen des US-amerikanischen Konsum-Lifestyles zu begegnen. Vor allem in Zürich hat dieser Trend schon vor Jahren begonnen. So eröffnete beispielsweise Starbucks im Jahr 2001 unweit des Centrals seine erste Filiale auf Schweizer Boden.

Mittlerweile importieren Schweizer Geschäfte auch den Black Friday, das wohl verschwenderischste Event aus den USA, in unseren Markt. In Übersee fällt dieses Ereignis stets auf den Tag nach Thanksgiving, also den vierten Freitag im November. Dort markiert er den Startschuss für die Weihnachtseinkaufssaison.

Warenhäuser, Händler:innen und Onlineshops setzen während dieser geplanten Konsumorgie auf Rabatte mit dem Ziel, den Verkauf anzukurbeln. Nicht selten provozieren diese Rabattschlachten mit bis zu 75 Prozent hohen Preisreduktionen regelrechte Einkaufskämpfe, die manchmal sogar mit Toten enden.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Kundschaft zu sensibilisieren.
Zelia Zadra, Oy Surfwear

Als Initiantin des Black Friday in der Schweiz bekennt sich Manor. «2015 war Manor das erste Unternehmen, welches den schwarzen Freitag in der Schweiz zum Leben erweckte», schreibt die Warenhauskette auf ihrer Website. In den darauffolgenden Jahren folgten unzählige weitere Anbieter von Konsumgütern dem Beispiel.

Refill statt Rabatt

Doch mehrere Betriebe – darunter auch einige aus Zürich – sagen dem Pseudofeiertag dieses Jahr den Kampf an. So setzt der Seifen- und Bekleidungshersteller Soeder auf eine Gegenstrategie zum Preisdumping.

Am 1. November kündigte das Zürcher Geschäft in einer Mitteilung an, keine Rabattaktionen am Black Friday durchzuführen: «Denn dieser Tag mit seinen exzessiven Rabattschlachten hilft nur ganz wenigen, schadet aber vielen – sei es in sozialer, ökologischer oder ökonomischer Hinsicht.» Stattdessen ruft es seine Kund:innen am besagten Tag zum Wiederauffüllen ihrer Seifenflaschen auf.

Mit diesem Angebot will das Unternehmen Abfall reduzieren. «Wir arbeiten nie mit Ausverkäufen, sondern bieten zeitlose Produkte an», erklärt Soeder auf Anfrage. Den Black Friday würde das Unternehmen deshalb und aus Gründen der Nachhaltigkeit wie einen gewöhnlichen Freitag handhaben. Im Gegensatz zu anderen Geschäften, die für den Black-Friday-Boykott ihre Onlinestores schliessen, führt Soeder seinen Onlineshop jedoch normal weiter.

Kleines Geschäft mit grossem Vorhaben

Im Kampf gegen den Tag des jüngsten Preisgerichts steht Soeder nicht allein da. Auch der Anbieter für nachhaltige Surf- und Bademode Oy setzt ein Zeichen gegen die Konsumschlacht und dem damit verbundenen Preisdumping. Anlässlich des Black Friday schliesst das Geschäft am 26. November seinen Onlineshop. Dafür startet der Bekleidungsanbieter eine Spendenaktion, wie es auf Anfrage heisst.

Unter dem Titel «Buy 0, Donate 1» animiert der Bademode-Produzent seine Kund:innen, einen Euro an das «Clean Ocean Project» zu spenden, das sich weltweit dem Schutz von Stränden und Ozeanen verschreibt. «Für jede Spende in Verbindung mit einem Post auf Instagram spenden wir auch einen Euro an die gleiche Organisation», sagt Zelia Zadra, Mitgründerin von Oy.

Obwohl es sich um ein kleines Geschäft handle, sei es dennoch wichtig, ein Zeichen für nachhaltigen Konsum zu setzen, erklärt Zadra: «Als Produzent:innen stehen wir in der Pflicht, unsere Produkte so nachhaltig wie möglich herzustellen. Gleichzeitig sehen wir es aber auch als unsere Aufgabe, unsere Kundschaft zu sensibilisieren.» Mit seiner Spendenaktion wolle die Firma den Diskurs über eine nachhaltigere Gesellschaft am Leben halten.

Tauschen für die Kreislaufwirtschaft

Auch der Zürcher und Accessoire- und Taschenproduzent Freitag, bekannt für seine Produkte, die aus LKW-Planen und Sicherheitsgurten recycelt sind, verfolgt Boykottpläne. Am Tag der grossen Preisschlacht schliesst das Unternehmen seinen Online-Store. «Wir wollen damit ein Statement gegen übermässigen Konsum und Verschwendung setzen», sagt Elisabeth Isenegger, Kommunikationsverantwortliche bei Freitag.

Freitag habe sich aus Gründen der Nachhaltigkeit nie an den Rabattschlachten während des Black Friday beteiligt. Seit 2019 kämpfen sie aktiv gegen das Konsum-Fest an, indem sie ihren Onlineshop an diesem Tag schliessen. Stattdessen werden Kund:innen auf eine Tauschplattform weitergeleitet, die die Möglichkeit bietet, ihre Freitag-Taschen untereinander zu tauschen.

Freitag leitet Schnäppchenjäger:innen am Black Friday auf ihre Tauschplattform weiter (Bild: Philip Frowein für Freitag).

Damit möchte das Unternehmen eine Alternative zum Neukauf im Sinne der Kreislaufwirtschaft bieten. Dieser Gratis-Service sei das ganze Jahr über verfügbar, laufe am Black-Friday jedoch überdurchschnittlich gut, sagt Isenegger: «Es gibt natürlich auch Leute, die in der Hoffnung auf Black-Friday-Rabatte auf unsere Seite kommen. Aber indem sie automatisch auf unserer Tauschplattform landen, können wir hoffentlich auch eingefleischte Schnäppchenjäger:innen von der ressourcenschonenden Tauschidee überzeugen.» Mit ihrem Statement gegen Black Friday steht Freitag nicht alleine da: «Es wird noch andere Marken geben, die mitmachen und ein Zeichen gegen Black Friday setzen.»

Dabei handelt es sich unter anderem um Flamingos Life. Der Schuhanbieter folgt dem Beispiel von Freitag und schliesst am Black Friday ebenfalls seinen Onlinestore. Hinzu kommen der Anbieter für Falträder Brompton und der Portemonnaie-Hersteller Secrid, die sich ebenfalls gegen den Black Friday bekennen.

Auch das Möbelhaus Ikea beteilige sich dieses Jahr nicht am Black Friday, erklärte Stephan Schlage, Sustainability Leader von Ikea Schweiz an der Pitch-Night zum Fokusmonat Netto-Null: «Wir wollen keine Fast Furniture anbieten, sondern dass Kund:innen so lange wie möglich mit unseren Möbeln leben.»


Trotz eines Umdenkens bei einigen Händler:innen, kommt es auch in diesem Jahr wieder zu Rabattschlachten. Doch es gibt bereits Ansätze für einen klima- und ressourcenfreundlicheren Konsum. Während unseres Fokusmonats zum Thema Netto-Null erfährst du mehr darüber, zum Beispiel während des Podiums zur Frage «Wie schaffen wir Netto-Null in einer Konsumgesellschaft?»

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