Verschafft diese Plattform den Kreativen ein regelmässiges #Grundeinkommen?

donxt.ch
02. Februar 2016


Das Leben eines Künstlers ist selten ein Ponyhof: Viel Arbeit, wenig Einkommen – oft befinden sich die Kreativen nahe an der Grenze zur Selbstausbeutung. Und als wäre es nicht schon schwierig genug, all die Musik, Bilder und Bücher an Kunden zu verkaufen, kürzte der Bund Ende Januar die Kulturförderung jährlich um 30 Millionen auf knapp 1,1 Milliarden Franken.

Die hiesigen Künstlerinnen sind also dringend auf neue Vertriebs- und Verdienstkanäle angewiesen. Und wie so oft in den vergangenen Jahren hat die neue Technologie gepaart mit Crowdsourcing, dem Zauberwort der Stunde, die Lösung bereit: Die in Zürich entstandene Plattform «do nxt» vernetzt auf einfachste Art Künstler und Supporter und ist so eine Art Kombination aus iTunes, Spotify, wemakeit und Facebook.



do nxt: So funktioniert es from donxt.com on Vimeo.

Auf der einen Seite steht das Angebot: Kreative (Filmer, Künstler, Schriftsteller, Slam Poeten) erstellen ein persönliches Profil und können dort ihre Arbeiten, ihre Prozesse und Erfahrungen mit den Supportern teilen.

Neue Geschäftsmodelle müssen her Auf der anderen Seite steht die Nachfrage: Die potenziellen Supporter scrollen durch die Timeline, bis sie eine Künstlerin finden, die sie unterstützen möchten – mit einem Betrag nach Wahl. Was «do nxt» zum Beispiel von wemakeit unterscheidet, ist die Art der Unterstützung: Diese erfolgt nicht einmalig und projektorientiert, sondern mit einem fixen monatlichen Betrag – also einer Art Abo. Gleich wie beim Crowdfunding ist das Belohnungssystem. Als Tauschware kriegen die Supporter von den unterstützten Künstlern «Rewards».

Mit «do nxt» stehen die Personen im Fokus. Auch für Philipp Meier, welcher der Plattform beratend zur Seite steht, ist dies der spannendste Punkt: «Mir sagt das extrem zu; weil ich (Medien-)KünstlerInnen mag, die gar keine klassische Werke produzieren.» Zudem: «Crowdfunding nehme ich als eine enorme Stresssituation war. Alles hängt mit einem spezifischen Projekt zusammen und der prognostizierte/budgetierte Betrag muss zwingend erreicht werden, um das Geld zu kriegen.»

Damit das Geld zu sprudeln beginnt, werden die registrierten Künstler von ihrem bisherigen Schaffen Abschied nehmen müssen – zu einem Teil zumindest. Wer auf «do nxt» erfolgreich sein und Geld verdienen will, muss sich aktiv eine eigene Community aufbauen – die Supporter kommen nicht von alleine. «Eigentlich hat es auch den ähnlichen Haken, wie das klassische Crowdfunding: Wenn du keine Freunde hast und niemand für deine Art von Kunst/Gestaltung begeistern kannst, dann wird es hart (deshalb: Grundeinkommen!:)», so Philipp Meier.

Genau davon hängt der Erfolg der neuen Plattform ab: Schaffen es die Kreativen, neue und massgeschneiderte Geschäftsmodelle zu entwickeln, sich eine Community aufzubauen und sich so den Möglichkeiten der neuen Plattform anzupassen?

Slam Poeten beispielweise können exklusiv für «do nxt» einmal monatlich einen Text schreiben, diesen auf Video aufzeichnen und so ihren Supportern zeigen. Oder freischaffende Journalistinnen publizieren ihre Beiträge nicht mehr in einer Zeitung, sondern finden via «do nxt» den direkten Kontakt zu ihren Lesern. Oder Musiklehrer können ihren Supportern ebenfalls via Videos Online-Kurse geben.

Erst die Schweiz, dann Europa Kurz nach dem Launch der Plattform haben sich bereits gut 30 Kulturschaffende aus den verschiedensten Sparten auf «do nxt» registriert: Eine Breakdance-Crew, eine Frisurologin, Fotografen, Skulpturenbauer und ein Künstler, der über die Heroinzeit am Platzspitz forscht. Wie Meret Ruggle, Marketingfrau des Start-Ups, erzählt, seien einige dieser «Pioniere» aktiv, andere würden noch abwarten.

Ziel sei sowieso, erst die Schweiz zu erobern und dann Künstler aus ganz Europa zu vereinen – in Holland ist «do nxt» bereits ein zweites Standbein am Aufbauen. Dazu und nach einer weiteren Finanzierungsrunde soll die Plattform noch weiter ausgebaut werden und zusätzlich zu einem Merchandise- und Ticketshop werden. «Es geht uns um eine nachhaltige und langfristige Lösung», so Ruggle, «gerade in Zeiten, wo die Kulturförderung einen schweren Stand hat».
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