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Liebe mich, sonst sterbe ich! Zürichs Sommermärchen ist Italia pur

Liebe, Drama, Leidenschaft: Das Stück «Crisi di Nervi» verzaubert Zürich mit italienischen Romanzen, voller herzzerreissender Schlager. «Bello e impossibile» – Kitsch, Klamauk und viele viele Ohrfeigen.
23. Juni 2017

Cover: © Benjakon / Theater Neumarkt

Niemand liebt lustvoller und leidet schmerzlicher als die Italiener. «Wenn du mich verlässt, bringe ich dich um! Nein warte... Wenn du mich verlässt, bringe bitte mich um.» So beschliesst eine Liebesaffäre in «Crisi di Nervi» ihr Schicksal. Während zwei Stunden strahlt bittersüsse «Amore» von der Bühne und nistet sich in den Herzen der Zuschauer ein.

Foto: © Benjakon / Theater Neumarkt

Früher war das anders. Ein heissblütiger, junger Mann mit zurückgegelten, schwarzen Haaren schildert dem Publikum, wie schwer es die Italiener zu Anfang in der Schweiz hatten. Energisch springt er durch eine Papierwand mit Alpenmotiv. So plötzlich kamen auch die Italiener in die gut behütete Schweiz. «Sie nennen uns Knoblauchfresser, Messerstecher oder Pappagallo», erklärt er mit geballter Faust – kurz darauf umgarnt er liebevoll eine «Bella Donna». Der leidenschaftliche Disco Macho – wunderbar gespielt von Miro Maurer – trägt Lederjacke, fährt Vespa und hat einen feurigen Blick. Auch die restlichen Figuren sind prachtvoll klischiert und zeigen eine romantische Darstellung der italienischen Lebensweise auf.

Dabei kennen die beiden Köpfe hinter der italienischen Nervenkrise die kalte Nordsee viel besser als das warme Mittelmeer. Jacques Palminger (Regie) und Carsten Meyer (Musik) sind eigentlich Wahl-Hamburger. Seit knapp 20 Jahren kennen sich die beiden Kulturschaffenden und erlangten grosse Bekanntheit durch die Mockumentary «Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte». In der Spass-Doku spielt Palminger in der fiktiven Band Fraktus, die quasi die elektronische Musik erfunden hat. Diese wurde für den Film extra von Meyer komponiert.

Allora! Hier haben wir für euch eine nice Italo-Playlist zusammengestellt:

Das neue Projekt des Duos soll auch diesmal wieder mit einem Schmunzeln genossen werden. Gestaffelt werden Szenen verschiedener italienischer Filme dargeboten und mit süsslichen Italo-Schlagern live untermalt. Die Sommerbühne vor dem Helsinki gliedert sich perfekt in das Mittelmeer-Feeling ein. Die Pergola über der Bühne ist von Pflanzen umschlungen und mit bunten Lichterketten geschmückt. Die Garderobe der Darsteller wurde improvisiert in der Bar aufgestellt. Immer wieder stimmt etwas nicht mit der Technik und Mikrofone fallen aus.

Aber gerade das imperfekte und menschliche am Stück macht den Reiz aus. Man fühlt sich wie in einer Strandbar in den Ferien und nicht mal der drohende Prime Tower im Hintergrund kann dieses liebevolle Gefühl durchbrechen. Das ganze Ensemble von «Crisi di Nervi» entführt das Zürcher Publikum in ein nostalgisches Märchen, das man nicht so schnell verlassen möchte. Das grandiose Finale des Stücks explodiert dann in einer Mischung aus noch mehr Kitsch, Skurrilität und jeder menge Glitzer. S-P-E-T-T-A-C-O-L-A-R-E!

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