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LGBT-Geflüchtete als Thema der Zurich Pride 2017

Das Zurich Pride Festival wählt LGBT-Geflüchtete zu ihrem neuen Motto. Eine Thematik, die nicht nur in Bevölkerung und Politik für hitzige Diskussionen sorgt, sondern auch in den eigenen Reihen des Pride-Komitees. Das Thema ist zwar mutig aber auch heikel, so wird die Suche nach Sponsorengeldern schwierig – Die Credit Suisse ist als Hauptsponsor bereits im Vorfeld abgesprungen.
03. November 2016

Das Motto für die Zurich Pride 2017 steht fest und überrascht mit einer traurigen Ernsthaftigkeit. Mit dem Slogan «No Fear to be you» macht das Zurich Pride Festival auf Menschen aufmerksam, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechteridentität aus ihrem Heimatland fliehen mussten: LGBT-Geflüchtete.

Vergleicht man dies mit dem fröhlichen und positiven Thema 2016 «TeamForLove», das die Eheöffnung für homosexuelle Paare in Irland und den USA feierte, wirkt das neue Thema fast schon ein wenig bitter - vor allem aber mutig.

Alan David Sangines, Vizepräsident und Politikverantwortlicher der Zurich Pride, sagt zur Wahl des Themas: «Wir müssen dies auch als Chance sehen, um Aufklärung zu betreiben. Mein grösster Wunsch wäre es, dass unsere Aufklärung bei den Kritikerinnen und Kritikern einen Aha-Effekt bewirkt, der letztendlich dazu führt, dass sich mehr Leute für LGBT-Geflüchtete engagieren [...] Ein Rezept gegen den leider zu breit vorhandenen Rassismus (unter anderem auch innerhalb der LGBT-Community) haben wir bedauerlicherweise aber auch nicht.»

Nicht nur in der Bevölkerung und Politik wird hitzig über das Thema diskutiert, sondern auch innerhalb des Pride-Komitees. «Einige Gegenargumente waren, dass das Thema zu negativ behaftet sei, dass das Festival von rechts angreifbar wäre (auch innerhalb der LGBT-Community) und, dass es zu wenig sexy sei, um Sponsoren damit zu gewinnen», sagt Sangines.

Der letzte Punkt ist leider bereits vor der Wahl des Mottos eingetroffen. Die Credit Suisse, langjähriger Hauptsponsor, gab bekannt, das Zurich Pride Festival nicht mehr als Sponsor, sondern nur noch als Partner zu begleiten. Grund sei eine Evaluation verschiedener Plattformen gewesen. Man möchte möglichst verschiedene Bereiche der LGBT-Thematik mit Diversität abdecken. Gänzlich verschwindet die Credit Suisse jedoch nicht von der Bildfläche des Zurich Pride Festivals. Man werde neben einem Umzugswagen auch weitere Aktivitäten unterstützen, so Sebastian Kistner von der Medienstelle Credit Suisse.

Gerüchten zufolge war der Credit Suisse jedoch das Rahmenprogramm ein Dorn im Auge – ganz besonders die schillernden Drag-Shows. Dies wollte die Credit Suisse weder dementieren, noch bestätigen.

Bei der Zurich Pride sieht man den Verlust des Hauptsponsors mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Man bedauere, dass die Credit Suisse abgesprungen ist und danke für die mehrjährige Zusammenarbeit, lasse sich aber bei der Auswahl des Bühnenprogramms oder der Redner*innen nicht beeinflussen, so Sangines.

Für das nächste Jahr soll das Rahmenprogramm trotz ernster Thematik fröhlich bleiben. Man überlege derzeit verschiedene Ideen und bespreche sie auch mit diversen Organisationen. Zusätzlich werden verschiedene Aktionen für LGBT-Geflüchtete zusammen mit Hilfsorganisationen wie beispielsweise das Pink Cross und Queeramnesty geplant, sagt Sangines.

Auf die Frage, ob das Pride Festival überhaupt durchführbar ist ohne die Credit Suisse, lacht Sangines und versichert: «Und wie sie das ist! Wir haben ein detailliertes Sponsoringkonzept und sind überzeugt davon, den Sponsorinnen und Sponsoren eine ideale Plattform anzubieten, um zu zeigen, dass sie hinter der Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen stehen.»

Die Zurich Pride fordert in aller Deutlichkeit:

  • Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität flüchten, müssen in der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt werden.
  • Der besonderen Situation von LGBT-Asylsuchenden ist Rechnung zu tragen. So müssen die Befragungen von geschultem Personal durchgeführt werden, welches die nötige Sensibilität hat. Dies gilt auch für die dolmetschenden Personen.
  • Kein Asylgesuch darf mit der Begründung abgelehnt werden, dass sich die Person im Heimatland diskret verhalten kann.
  • Wenn homosexuelle Handlungen in einem Land unter Strafe gestellt werden, reicht dies als Fluchtgrund, unabhängig davon, wie häufig die Strafen tatsächlich verhängt werden.
  • LGBT-Asylsuchende werden in für sie sicheren Unterkünften ausserhalb der Asylzentren / Gruppenunterkünften untergebracht; Partner_innen werden nicht getrennt.
  • LGBT-Asylsuchenden müssen seitens der Behörden über Beratungs- und Kontaktstellen für LGBT-Flüchtlinge informiert werden, damit diese einen einfacheren Zugang dazu finden.
  • Wir dulden keine Fremdenfeindlichkeit, keinen Rassismus, keine Fetischisierungen aufgrund der ethnischen Herkunft oder andere Formen von Gewalt und Diskriminierung von Geflüchteten an der Pride.

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