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Veganerin Laura Lombardini: «Wir wissen, was nach der Krise zu tun ist»

Die Pandemie hat die Weltwirtschaft zum Erliegen gebracht. Wir merken, dass ohne uns nichts geht. Gelingt es uns, ein neues Kapitel aufzuschlagen, sobald das öffentliche Leben weitergeht? Verschiedene Autor*innen analysieren die Situation und geben konkrete Tipps, wie jede*r einzelne von uns dazu beitragen kann. Heute mit Laura Lombardini von der Veganen Gesellschaft Schweiz.
17. April 2020
Kolumnistin / Geschäftsführerin Vegane Gesellschaft Schweiz

Immer mehr Krankheiten springen auf den Menschen über, weil wir Tiere so exzessiv nutzen. Ob Rinderwahn, Vogelgrippe, Schweinegrippe oder jetzt das Coronavirus. Auch antibiotikaresistente Keime sind eine wachsende Bedrohung für die Bevölkerung. Für unsere Nahrung, Unterhaltung, Kleidung – überall nutzen wir Tiere. Dabei könnte eine Welt, in der wir empathisch mit Tieren umgehen und einen anderen, neuen Weg einschlagen, eine schöne sein. So eine Welt schwebt mir vor. Machen wir einen Sprung in die Zukunft.

Ein mögliches Zukunftsszenario

Es ist Herbst 2020. Nach einem turbulenten Frühling und einem ruhigen Sommer, bei dem noch immer Vorsicht geboten war, fand die Menschheit endlich einen Weg, die Ansteckungen durch das Coronavirus zu minimieren. In diesen Monaten der Ungewissheit, sehnten sich die Menschen mehr als je zuvor nach Verbundenheit und Achtsamkeit. Das Bewusstsein, dass wir nicht weitermachen können wie bis anhin, war geschaffen. Und so entschied sich die Weltbevölkerung, jegliche ausbeuterische Tiernutzung abzuschaffen.

Schon nach kurzer Zeit war klar, dass wir viel weniger Anbauflächen für unsere Nahrung brauchen. Sojaimporte aus Brasilien für Kühe, Schweine und Hühner sind nicht mehr notwendig. Statt Zuckerrüben, die als Tierfutter dienten, bauen wir in der Schweiz nun Hülsenfrüchte an. Statt über Fleisch, erhalten wir Eisen und Proteine auf direktem Weg über pflanzliche Nahrung.

Laura Lombardini
Laura Lombardini ist seit 2018 Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz und lebt seit über 5 Jahren vegan. Sie schreibt bei Tsüri eine Kolumne zu Veganismus in der Schweiz und wie der Verein diesen fördert.

Wir ernähren uns wieder vermehrt mit lokalen und unverarbeiteten Nahrungsmitteln. Dadurch, und weil das stetig nagende schlechte Gewissen für die Tiernutzung weg sind, steigt das allgemeine Wohlbefinden. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Adipositas, nehmen durch die pflanzliche Ernährung ab. Wir sind gesünder und fühlen uns wohler. Wir werden dadurch kreativer und erschaffen gemeinsam neue Kunstwerke, Technologien und Ideen für eine nachhaltige Existenz auf der Erde. Gewaltdelikte sinken.

Alles ist verbunden

Die riesigen Hallen, in denen bisher Hühner oder Schweine eng zusammenleben mussten, wurden abgerissen und zu Lebenshöfen umfunktioniert. Dort finden jetzt kleine Events statt und es besteht die Möglichkeit, die Tiere und ihre Lebensweise näher kennen zu lernen und besser zu verstehen.

Wir lernen mehr über Landwirtschaft, Nahrungsmittel und die Natur und darüber wie eng alles miteinander verbunden ist.

Schlachthäuser gibt es keine mehr. Einige von ihnen sind heute Museen. So werden wir nie vergessen, wie weit wir es hatten kommen lassen, bevor wir uns für eine andere Richtung entschieden. Die restlichen Schlachthäuser haben inzwischen unterschiedliche Funktionen. Einige dienen kulturellen Anlässen, an denen sich die Menschen Geschichten erzählen, tanzen und gemeinsam feiern.

Wir verstehen, dass Tiere empfindsame Lebewesen sind, mit Bedürfnissen und der Fähigkeit zu leiden. Wir verstehen, dass wir auf sie achtgeben müssen. Sie sind mit uns auf dieser Welt, nicht für uns.

Zeit für Neues

Klingt das alles zu utopisch? Vielleicht. Wenn wir aber auch nur ansatzweise in diese Richtung gehen möchten, ist es jetzt an der Zeit, die ersten Schritte zu tun. Hier sind fünf Vorschläge für dich, wie du ab sofort für eine neue, bessere Welt sorgen kannst:

  1. Mache dir Gedanken, warum eine vegane Lebensweise sinnvoll und nachhaltig ist. Informiere dich unvoreingenommen über das Thema, schaue Dokumentationen, lies darüber und sprich mit deinem Umfeld.
  2. Informiere dich über verschiedene Tierarten, ihre Eigenheiten, Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnisse.
  3. Iss an einem Tag in der Woche nur pflanzliche Produkte.
  4. Wenn du auswärts die Option hast, wähle die vegane Variante.
  5. Reduziere tierische Produkte ab sofort stetig oder streich sie komplett von deinem Ernährungsplan.
Wenn das alles vorbei ist
In der Rubrik «Wenn das alles vorbei ist», teilen Autor*innen aus verschiedenen Fachgebieten ihre Sicht auf die Welt während und nach Corona und geben konkrete Tipps, wie jede*r einzelne von uns dazu beitragen kann, sie ein Stück besser zu machen.

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