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Der künstliche Konflikt vom 1. Mai

02. Mai 2016
Chefredaktor


Selbst Stadtrat Richi Wollf ist unzufrieden mit dem 1. Mai-Wochenende. Denn die Ausschreitungen vom Freitag und Samstag konnten von der Polizei nicht verhindert werden. Diese konzentrierte sich mit einem massiven Aufgebot auf die traditionelle und unbewilligte Nachdemo vom Sonntagnachmittag. Der Einsatz dürfte mehrere hunderttausend Franken gekostet haben, stellt aber wenigstens Sprecher Cortesi zufrieden. Dieser sprach von einer gelungenen Aktion.

Natürlich ist der stets nach mehr Härte und Repression schreiende Lucien Scherrer von der NZZ anderer Meinung und findet, die Stadtpolizei habe falsch gehandelt. Damit hat er Recht, wenn auch aus den falschen Gründen. Schon seit Jahren versucht der ehemalige Weltwoche-Journalist immer wieder Richi Wolff zu destabilisieren und kommt auch diesmal zum Schluss, dass die Luft für den AL-Stadtrat und Polizeichef immer dünner werde. Welch Überraschung.

[caption id="attachment_7035" align="aligncenter" width="640"]Wasserwerfer an der Europaallee am 29. April Wasserwerfer an der Europaallee am 29. April[/caption]

Dass seine Einsatzkräfte die Scharmützel vom Freitag und Samstag nicht mitbekommen haben, muss nicht Wolff, sondern den Männern an der Front angelastet werden. Und der Nachmittag vom 1. Mai blieb nicht dank, sondern trotz der Polizei friedlich:

Erstens: Während dem normalen Umzug am Morgen braucht es keine Polizei. Die Demonstration ist seit Jahren bewilligt und SP und Gewerkschaften würden keiner Fliege etwas zu Leide werken. Vielleicht 50 der gut 10‘000 Menschen beschmierten Häuser und zündeten Böller. Die Polizei stand zu hunderten bereit – konnte aber eh nichts ausrichten, weil die Täter in der Menge untertauchen konnten.

[caption id="attachment_7034" align="aligncenter" width="640"]Schmiererei am 1. Mai Schmiererei am 1. Mai[/caption]

Zweitens: Der Einsatz am Nachmittag auf dem Helvetiaplatz war lächerlich. Lächerlich gross. Auf jede Demonstrantin kamen mindestens zwei Polizisten. Die Gewalt und Gewaltbereitschaft hielt sich aber in extrem engen Grenzen. Sehr wenige Steine flogen und als die Polizei den Umzug bereits nach wenigen Metern stoppte, kehrten die Menschen um und stationierten sich wieder auf dem Platz: «Wir gehen zurück. Laufen scheint im Moment nicht möglich zu sein», tönte es aus dem Megafon – demonstrieren, nicht randalieren lautete das Motto.

Drittens: Die Konfrontation ging von der Staatsgewalt aus – allerdings weniger scharf als auch schon. Das absurd grosse Aufgebot von mehreren Hundert Polizisten (zusätzlich kleinere Greiftrupps, Fotografen, Zivis und sogar ein Helikopter) hielt die gut 140 Demonstrierenden ohne Grund auf dem Helvetiaplatz fest, kesselte sie ein, durchsuchte alle und verhaftete 10.

https://twitter.com/Tsueri_ch/status/727128234786230272

Wie teuer der Polizeieinsatz genau war, wurde noch nicht kommuniziert. In den vergangenen Jahren lagen diese jeweils zwischen einigen Hunderttausend und einer Million Franken. Als ob ein paar Linke die Demokratie mit ein paar Böllern an einem Nachmittag ratzfatz abschaffen könnten. Das Geld könnte die Stadt für besser ausgeben, als damit künstlich einen politischen Konflikt zu schaffen.

Wolffs Traum von einem 1. Mai ohne Polizei wäre so nah. 

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