Crowdfunding 💛

Kreative Bewerbung für die Shedhalle: Per #Crowdsourcing zum Freiraum?

Mit einem Inserat sucht der Kunstraum Shedhalle per August eine neue Leitung. Die Bewerbung des Kollektivs «machensachen» sticht heraus – weil die Community mitkonzipieren durfte.
09. Februar 2017
Chefredaktor

«Wenn du 700 Quadratmeter Freiraum zur Verfügung hättest, was würdest du daraus machen wollen?» Das ist die Frage, die sich derzeit für den Kunstraum Shedhalle auf dem Areal der Roten Fabrik stellt. Das aktuelle Leitungsteam hört per Ende Juli auf, mit einem Inserat werden Nachfolger*innen für die von der Stadt subventionierten 240-Stellenprozente gesucht. Bis Ende Januar konnten sich die potenziellen Nachfolger*innen für den Raum in Wollishofen bewerben – darunter auch ein Team mit dem Namen «machensachen».
Meistens entstehen Konzepte hinter verschlossenen Türen an geheimen Sitzungen. Das sechsköpfige Kollektiv kehrte diesen Prozess jedoch kurzerhand um und bezog die Öffentlichkeit via Facebook und Webseite von Beginn an in die Konzeptphase ein. Es sei nur konsequent, das Konzept bottom-up zu gestalten, erklärt Mit-Initiant André Rivas die Offenheit, denn auch in der Shedhalle sollten sich möglichst viele und unterschiedliche Menschen beteiligen können.

Damit stiessen die Macher*innen auf offene Ohren: 140 Kommentare und Inputs wurden zurückgeschickt, die in das finale Konzept eingearbeitet wurden. Die Facebook-Community wuchs in nur einer Woche auf über 500 Personen an. Zentrale Elemente des fertigen Konzepts sind Freiheit, Debatten, Partizipation, Zugänglichkeit, Prozesse in Verbindung mit wenig Struktur und Hierarchie.
Wie genau soll die Shedhalle der Zukunft aussehen, wenn sich «machensachen» im Bewerbungsprozess durchsetzt? Und vor allem: Nichts gegen riesige und subventionierte Chill-Räume, aber wie wollen die Macher*innen gewährleisten, dass ohne Strukturen ein aktiver Kunstraum entsteht? Darüber macht sich André Rivas keine Sorgen. Die Wichtigkeit des Raumes lasse nicht zu, dass die Shedhalle zu einem Abhäng-Ort verkommen könnte. Die Programmation sei zwar auf die Partizipation von allen möglichen Personen ausgerichtet, und «wenn von aussen keine Inputs kommen, dann übernehmen einfach wir vom Leitungsteam», so Rivas. «Uns ist wichtig, dass wir zu einem Begegnungsort ohne intellektuelle Schranken werden und alle Menschen einen Zugang finden. Wir wollen also einen Freiraum schaffen, aber halt irgendwie geordnet», erklärt Rivas. Zu Beginn will sich «machensachen» mit einer Retrospektive der Vergangenheit der Shedhalle widmen, um sich danach mit einem unverstellten Blick auf das organische Wachsen des Projektes zu konzentrieren.

Mindestens bis zum Frühling müssen sich die Leute von «machensachen» noch gedulden. Dann wird der Verein Shedhalle aus den Bewerber*innen eine Vorauswahl treffen und zum Gespräch einladen. Das Kollektiv «machensachen» denkt, dass ihre Bewerbung vor allem dank dem partizipatorischen Anspruch gut zur Shedhalle passt, möchte die Chancen aber nicht konkret schätzen. Die aktuelle Leitung der Shedhalle will sich nicht zu einzelnen Bewerbungen und deren Chancen äussern.
Ein Team mit solch grosser Unterstützung aus der Kunst- und Kreativszene könnte die Shedhalle wieder zu einem beliebten Quasi-Offspace werden lassen und mit dem Sog der ganzen Roten Fabrik zu frischem Wind verhelfen. Natürlich muss die unterstützende Crowd dafür das Internet verlassen, nach Wollishofen reisen und vor allem auch analog mitanpacken.

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