Von Isabel Brun

(Klima-)Redaktorin

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27. Mai 2022 um 10:00

Klima-Briefing im Mai: Mit angezogener Handbremse

Das Klima-Briefing ist der monatliche Newsletter über Klima-Themen aus Zürich und der Welt. Was uns im Mai 2022 beschäftigt hat: Zürich ist definitiv keine Velostadt, wieso Hitze der Wirtschaft schadet und der steinige Weg zu Netto-Null.

Illustration: Zana Selimi

Heieiei, schon wieder ist ein Monat ins Land gezogen. Einer, der es faustdick hinter den Ohren hatte: Nicht nur wurde im Kanton und in der Stadt Zürich über zwei wichtige Klimavorlagen abgestimmt, wir von Tsüri.ch haben auch ein Crowdfunding gestartet. Ja, ich weiss, niemand wird gerne um Geld gebeten – und niemand bettelt gerne. Aber wenn dir das Klima und meine Arbeit (und somit auch das Klimabriefing) am Herzen liegt, ist es wohl auch in deinem Interesse, dass wir die 25'000 Frankenzusammenbekommen. So viel brauchen wir, damit ich meine 50-Prozent-Stelle als Klimaredaktorin ein weiteres Jahrausüben und regelmässig über die Klimakrise berichten kann.

Ansonsten werde ich mir wohl neben meinem «normalen» Teilzeitpensum einen anderen Job suchen müssen – und angesichts der fehlenden Perspektiven wohl in die PR wechseln. Aber erstmal bleiben wir optimistisch! Immerhin haben wir noch eine Woche Zeit, um unser Ziel zu erreichen.

Konkrete Massnahmen fehlen

Wer noch ein bisschen länger Zeit hat, ihr Ziel zu erreichen, ist die Stadt Zürich. In 18 Jahren soll die Stadt die direkten CO2-Emissionen auf netto null bringen. Das hat nach der Regierung und dem Parlament nun auch die Stadtzürcher Stimmbevölkerung entschieden: 74,9 Prozent stimmten für die Verankerung des Klimaziels Netto-Null bis 2040 in der Gemeindeordnung. Das stimmt uns positiv, oder?

«Mittlerweile sind sich fast alle darüber einig, dass es stärkeren Klimaschutz braucht, aber geht es um die Ausarbeitung konkreter Massnahmen, machen viele einen Rückzieher», sagte der Experte für internationale Klimapolitik, Axel Michaelowa, im Interview am Abstimmungssonntag, als die Ergebnisse klar waren. Zwar sei es als Signal gut, wenn Städte Klimaschutz gesetzlich verankern, aber: «In der Schweiz gibt es keine unabhängige Instanz, die kontrolliert, ob die definierten Klimaziele erreicht werden oder nicht.» Gemeinden oder Kantone könnten also auch nicht zur Rechenschaft gezogen oder sanktioniert werden, wenn sie ihre eigenen Gesetze nicht einhalten würden. Ausser «Naming und Shaming» hätte also auch Zürich nichts zu befürchten.

Eine Lösung hat Michaelowa auch gleich parat: Wie in der Privatwirtschaft bereits üblich, sollen Gemeinden Geldstrafen(zum Beispiel an den Bund) zahlen, wenn sie ihre Ziele nicht einhalten könnten. Solche CO2-Zertifikate könnten dann für andere Klimaschutz-Massnahmen eingesetzt werden. Bisweilen gebe es jedoch keine politischen Bestrebungen diesbezüglich, so der Klimaexperte. Das Umsetzungsproblembleibe also auch weiterhin bestehen. Dasselbe gilt beim Klimaschutzartikel des Kantons, der dank dem Ja der Stimmberechtigten nun auch in die Verfassung geschrieben wird. 

Zwar ist noch nicht klar, wie der Weg hin zu Netto-Null sein wird, wie genau eine klimaneutrale Stadt aussehen könnte, dazu gibt es aber bereits Ideen. Die NZZ hat einen interaktiven Beitrag dazu publiziert, der sich nur schwer hier im Briefing zusammenfassen lässt. Gesagt sei jedoch das Übliche: Weniger Öl- und Gasheizungen, mehr E-Autos und -Busse und Velos. Mit den bereits jetzt geplanten Bestrebungen können insgesamt 2,2 Tonnen CO2 pro Person eingespart werden – doch es bleiben 0,9 übrig. Davon will die Stadt 0,5 Tonnen mit «noch nicht konkret genannten Massnahmen» senken, schreibt die NZZ. Für die restlichen 0,4 Tonnen sollen «technische Mittel» zum Einsatz kommen: Mit sogenannten CO2-Senken. Dazu gehört beispielsweise ein Verfahren, bei dem Kohlendioxid bei der Abfallverwertung abgeschieden und gespeichert wird. Dieses Vorgehen entzieht der Atmosphäre langfristig CO2. 

Und wie sieht es bei den indirekten Emissionen aus – also die, auf welche die Stadt nur begrenzt Einfluss nehmen kann? Denn immerhin sind Zürcher:innen für ganze 9,8 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich, die ausserhalb der Stadtgrenzen ausgeschieden werden. Und diese sollen laut Klimaziel bis 2040 um 30 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Wie genau, das müsse noch geklärt werden. Gemäss NZZ-Artikel möchte der Stadtrat beim Recycling von Baumaterialien und Textilien, bei der Förderung von Reparaturwerkstätten und der Kreislaufwirtschaft sowie mit Strategien und Sensibilisierung für mehr Nachhaltigkeit bei der Ernährung und im Gebäudebau ansetzen.

«36 Grad, kein Ventilator...»

Ok cool, aber ist das nicht viel zu lasch? Wahrscheinlich schon. Immerhin ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Stadt Zürich seit 1864 um gut 2 Grad gestiegen – auf 9,9 Grad Celsius. Aus Hitzetagen werden also wohl Hitzewochen werden. Umso wichtiger wird also auch die Hitzeminderung. Das scheint auch bei in der Politik angekommen zu sein: Mit einem Postulat forderte eine Gruppe aus SP, Grüne und einer GLPlerin den Stadtrat auf, zu prüfen, wie lärmarme Strassenbeläge auch hitzemindernd sein können. Gemäss den Antragsteller:innen sind in Sion und Bern bereits Projekte im Gange, die sich mit neuen, klimafreundlicheren Strassenbelägen beschäftigen.

Laut Meteorolog:innen werden solche Anpassungen auch von Nöten sein: Denn die Wahrscheinlichkeit für ein neues Hitzerekordjahr in den nächsten fünf Jahren liegt bei satten 93 Prozent. Am 9. Mai hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) einen Bericht dazu veröffentlicht und gemäss diesem könnte die 1,5-Grad-Schwelle bereits bis 2026 erstmals überschritten werden. Sie markiere «den Punkt, an dem Klimafolgen zunehmend schädlich für Menschen und für den ganzen Planeten werden», zitierte der Tages-Anzeiger den WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die extreme Hitze hat auch einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft. Das schrieb die Sonntagszeitung. Der Autor zitierte dabei eine amerikanischen Untersuchung, die besagt, dass Beschäftigte, die vorwiegend im Freien tätig sind – beispielsweise auf dem Bau, in der Industrie oder im Verkehrswesen – bei Temperaturen über 29 Grad früher Feierabend machen und im Durchschnitt eine Stunde weniger pro Tag arbeiten.

Gemäss Seco kann man im Büro hingegen bis zu maximal 31 Grad effizient arbeiten. Andere Studien zufolge ist man jedoch nur bis 26 Grad voll leistungsfähig. Weniger Leistung heisst auch weniger Profit – ja, so läuft das im Kapitalismus mein:e Liebe:r. Laut der Sonntagszeitung geht wegen der Hitze schweizweit Arbeit im Wert von etwa 413 Millionen Franken pro Jahr verloren. Doppelt so viel wie bei Arbeitsausfällen wegen der saisonalen Grippe. Die Klimaanlage soll die Rettung sein. Dass diese auch enorm viel Energie verbraucht, wird in dem Artikel jedoch nicht thematisiert.

Der ewige Kreislauf

Nun gut, damit hätten wir auch in diesem Klimabriefing wieder die Dringlichkeit thematisiert. Eines fehlt jedoch noch: Die Rolle der Schweiz. «Lebten alle so wie die Bewohner:innen der Schweiz, bräuchte es fast drei Erden, um alle Menschen zu versorgen», fasst der Erfinder des «ökologischen Fussabdrucks», Mathis Wackernagel die Antwort zusammen. Ich interviewte den Basler, der mittlerweile in Kalifornien lebt, im Rahmen des Swiss Overshoot Days am 13. Mai. Swiss, was? Ja, die Schweiz hat vom 1. Januar bis zum 13. Mai mehr natürliche Rohstoffe verbraucht, als sie reproduzieren kann. Wir leben also gewissermassen auf Pump. Der Grund, weshalb der Erschöpfungstag der Schweiz bereits jetzt ist, hängt auch mit unserem Wohlstand zusammen: «Länder mit einer hohen Konsumkraft haben einen viel höheren ökologischen Fussabdruck als Regionen mit niedrigerem Einkommen», so Wackernagel. Ebenfalls wichtig sei die Versorgungssicherheit eines Landes. Und hier stehe die Schweiz schlecht da – nicht nur, weil in der Ukraine gerade Krieg herrscht: Laut dem Global Foodprint Network stammen zwei Drittel unserer Nahrungsmittel aus dem Ausland. Und auch andere Ressourcen würden oft importiert. So zum Beispiel auch Baumaterialien. Diese leisten neben Kühen (wir erinnern uns) einen immensen Teil an die Klimakrise. Über 80 Prozent des schweizweiten Abfalls machen unverschmutzte Aushub- und Ausbruchmaterialien sowie Rückbaumaterialien aus, schreibt das Bundesamt für Umwelt. Diese zu rezyklieren wäre umweltfreundlicher und kostengünstiger.

Die Rede ist von der Kreislaufwirtschaft. So umständlich der Begriff ist, so wichtig ist er im Kampf gegen die Klimakrise. Gerade Textilien und Elektroprodukte verbrauchen Unmengen an CO2 – und zwar bevor wir sie nutzen: «Ein iPhone verbraucht 98 Prozent seiner gesamten Treibhausgas-Emissionen in der Herstellung und Entsorgung; und nur zwei Prozent in der Nutzung», so Philipp Glauser. Damit wir Konsumierenden unsere Geräte länger am Leben halten und diese auch untereinander teilen, hat der 35-Jährige mit drei anderen Tüftler:innen die App «Loopia» konzipiert. Noch steht das Startup aus Zürich noch ganz am Anfang, der Stein dafür, dass wir bewusster mit unseren Produkten umgehen, ist jedoch somit gelegt. Jetzt müssen wir es nur noch umsetzen.

Velofahren in Zürich bleibt kein Spass

Machen, anstatt nur davon zu reden – es ist wohl die grösste Herausforderung in Sachen Klimaschutz. Auch beim Velo, das für eine klimaneutrale Stadt eine wichtige Rolle spielt, gilt das. «Zürich soll eine Velostadt werden.» Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört oder gelesen? Links-grüne Politiker:innen lieben ihn. Doch so richtig vorwärts geht es irgendwie nicht mit der «Velostadt». Nun zeigt eine Umfrage von Pro Velo Schweiz mit knapp 1000 Teilnehmenden aus Zürich: Die Limmatstadt ist alles andere als velofreundlich. Von den grossen Städten in der Schweiz liegt sie mit der Schulnote 3,4 auf dem letzten Rang – auf demselben wie im Jahr 2017. Die SP-Stadträtin Simone Brander zeigte sich gegenüber dem Tages-Anzeiger erstaunt über das Resultat. Und das, obwohl sie sich selber bereits dazu bekannt hat, dass ihr die Strassen in Zürich zu gefährlich seien, um das Velo zu benutzen. 

Vielleicht könnte sich Zürich mal eine Scheibe von der Velostadt Winti abschneiden. (Bild: Screenshot Tages-Anzeiger)

Anders als Brander, die erst seit wenigen Wochen Vorsteherin des Zürcher Tiefbauamts ist, weiss die Direktorin des Amtes, Simone Rangosch: «Die Ungeduld ist gewachsen.» Das sei verständlich. Rangosch verweist auf die neuen Velovorzugsrouten, die «einen Quantensprung bringen» werden, wie sie im Tages-Anzeiger zitiert wird. Dass der Ausbau von Velonetzen eine ordentliche Stange Geld kosten wird, daraus wird keinen Hehl gemacht. Schweizweit kostete das Velofahren laut Bundesamt für Statistik (BFS) im Jahr 2015 gesamthaft 5,6 Milliarden Franken, wovon rund zehn Prozent von der öffentlichen Hand getragen wurden. Bezahlen soll künftig nicht mehr die Allgemeinheit, sondern Velofahrende, das fordert eine Allianz bürgerlicher Nationalrät:innen. Wie das SRF berichtete, wollen sie, dass Velofahrende «die Infrastrukturkosten für den Veloverkehr» künftig möglichst selber tragen – in Form einer Abgabe oder «Vignette» zwischen 20 und 40 Franken pro Velo und Jahr. Falls du dich jetzt gerade fragst, ob es eine Velovignette nicht schon einmal gab: Ja, ich habe mir dieselbe Frage gestellt. Das Fahrradkennzeichen gab es in der Schweiz von 1893 bis 2012 – deshalb kann ich mich noch an das farbige «Chläberli» erinnern, das wir jedes Jahr an unseren Göppel machen mussten. Allerdings war die Vignette nicht eine Steuerabgabe wie die Bürgerlichen sie jetzt verlangen, sondern eine Haftpflichtversicherung für Schäden an Dritten, die mit bis zu 2 Millionen Franken gedeckt war. So viel dazu.

Zurück zur Gegenwart: «Wenn Velofahrer mit dem neuen Veloweggesetz mehr Rechte bekommen, müssen sie auch mehr Pflichten auf sich nehmen, auch finanzielle», begründete Benjamin Giezendanner von der SVP die Abgabe. Die Forderung löste bei Pro Velo Zürich und beim Verkehrsclub der Schweiz (VCS) eine Welle der Empörung aus. Schliesslich gehe es nicht um Freizeitrouten, sondern um den Alltagsverkehr: «Es macht keinen Sinn, dass man das Velofahren fördern will, dann aber eine Abgabe verlangt», entgegnete Yvonne Ehrensberger von Pro Velo Zürich zum SRF. So sei die Hürde noch grösser, auf das Velo umzusteigen. Ich sorge mich eher darum, dass Menschen, die seit immer mit dem Velo unterwegs sind, bei den momentanen Konditionen auf den ÖV oder das Auto umsteigen. Immerhin gingen vergangenen Monat in der ganzen Schweiz bereits die Kleinsten auf die Strassen für bessere Velowege. Unter dem Namen «Kidical Mass» fuhr am 14. Mai auch ein Demonstrationszug durch Zürich. «Wenn die Schweiz ihre Klimaziele erreichen will, muss sie die Kinder wieder vermehrt aufs Velo bringen», wurde Jürg Buri, Geschäftsleiter des nationalen Dachverbands Pro Velo Schweiz von Toponline zitiert. 

Und ansonsten bleibt ja noch das E-Auto. Denn wer ein solches fährt, muss seit 2014 im Kanton Zürich keine Verkehrsabgabenmehr bezahlen. Im Namen des Klimaschutzes. Geht es nach der SVP sollen in Zukunft aber auch Tesla-Fahrende und Co. wieder einen Batzen an den Bau und Unterhalt der Strassen abgeben. Mit einer parlamentarischen Initiative wollte sie im Kantonsrat erreichen, dass in Zukunft für jedes Auto minimum 150 Franken fällig werden. Unabhängig davon, was für ein Motor es hat. Die Kantonsregierung reagierte mit Verständnis auf die Forderung der SVP, will die Wiedereinführungen der Verkehrsabgaben für E-Autos aber erst bei einem «deutlich höheren Anteil» erwägen, schreibt der Tages-Anzeiger. Momentan überwiege das Ziel, finanzielle Anreize für den Umstieg auf CO2-arme Fahrzeuge zu setzen.

Witzig: In der Debatte wurde klar, dass der Initiant René Isler (SVP) ursprünglich eine pauschale Senkung der Verkehrsabgaben für alle Fahrzeuge erreichen wollte und als dies nicht ging, passte er seine Initiative über die Jahre mehrmals an. Mehrheitsfähiger wurde sie deswegen nicht. Klar ist aber, dass die Verkehrsabgaben in absehbarer Zeit auf ein «technologieneutrales System» umgestellt werden müssten, so die Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP). Dabei soll vor allem auf die Energieeffizienz und Gewicht der Fahrzeuge geschaut werden. Elektrofahrzeuge werden also wohl auch ohne Annahme der SVP-Initiative im Kantonsrat irgendwann ihren Teil zum Unterhalt der Strassen beitragen müssen. Vielleicht lohnt es sich also doch, das Velo zu benutzen.

Kurz und knapp:

  1. Das Stadtspital Triemli wird grüner. Wie die Stadt Mitte Mai in einer Mitteilung bekannt gab, wurde an der Südfassade des Turms zwischen Januar und März 2022 eine Vertikalbegrünung erstellt worden. Auf 16 Stockwerken verteilt sollen die Pflanzen künftig eine Fläche von 2300 Quadratmeternbegrünen. Vertikalbegrünungen würden einen Beitrag zur Hitzeminderung und zur Stärkung der Biodiversität in der Stadt leisten, heisst es.
  2. Ein breites Bündnis von Politiker:innen will, dass der Bund eine Investitionsbank für Klimaschutz gründet. Wie der Tages-Anzeiger meldete, sind es Nationalrät:innen aus FDP, Die Mitte, SP, Grüne und Grünliberalen, die fünf gleichlautende Motionen eingereicht haben. «Das Problem ist nicht, dass kein Geld vorhanden wäre», so der Mitunterzeichner Gerhard Andrey von den Grünen. Doch bei besonders risikobehafteten oder komplizierten Investitionen würden private Anleger nicht investieren und vielen Banken fehle das nötige Wissen für grünes Anlegen. In solchen Momenten soll die «Swiss Green Investment Bank» zum Zug kommen. Die habe den Bund im Rücken. Pro Jahr gehe man von 100 bis 200 Millionen Franken Kosten aus – was finanzpolitisch verkraftbar wäre, so die Initiant:innen. Obwohl es in Schottland und England bereits ähnliche Banken gibt, zeigen sich die Schweizer Privatbanken wenig begeistertvon der Idee: Sie fürchten eine staatliche Konkurrenz.
  3. Die noch verbleibenden fossilen Heizungen in Gebäuden der Stadt Zürich sollen bis 2035 durch alternative Wärmequellen ausgetauscht werden. Und weil es jetzt schneller vorwärts gehen soll, wird nochmal ein bisschen Geld in die Hand genommen. Genauer gesagt 104 Millionen Franken. So viel soll laut Mitteilung der Stadt der Mehraufwand kosten. Gesamthaft sind es 400 Heizsysteme in 1800 Immobilien der Stadtverwaltung, darunter beispielsweise Amtshäuser, Schulbauten, Gesundheitszentren, Sportanlagen oder Werkhöfe. 
  4. Mit dem Pilotprojekt «Arts for Future» sucht die Stadt Zürich Menschen oder Gruppen, die sich transdisziplinär mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel befassen. «Kunst und Kultur können Impulse geben, zum Nachdenken anregen, sensibilisieren, Diskurse provozieren und transformieren. Sie sind für die Gesellschaft von enormer Bedeutung bei der Bewältigung der globalen Klimakrise», heisst es in der Mitteilung. Kulturschaffende, Klimaaktivist:innen und Interessierte können sich mit ihrer Idee noch bis zum 1. Juni hier anmelden. Ein erstes Austauschtreffen soll am 15. Juni 2022 stattfinden. 
  5. «Unseren heutigen Fleischkonsum können wir uns nicht mehr leisten, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen», zitierte der Tages-Anzeiger Forschende des Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI). Aus diesem Grund sollte die Schweiz bis 2050 fleischlos sein. Laut GDI-Sprecher liegt das Problem auch bei der stark subventioniertenSchweizer Landwirtschaft. Solche Fehlanreize gelte es zu beseitigen. Die Migros, die auch das GDI finanziell unterstützt, scheint die Forderung gelassen zu nehmen und bestätigt: Plant-based-Produkte seien auf dem Vormarsch, weshalb das Sortiment fortlaufend ausgebaut werde. 

Klimakopf des Monats: Cyrill Hermann

Noch vor einem Jahr sagte der Klimaaktivist Cyrill Hermann zu Tsüri.ch: «Manchmal muss man sich zum Pause-machen und Auf-sich-selbst-Aufpassen zwingen.» Trotzdem war er damals noch voller Tatendrang, organisierte gerade den Strike for Future mit. Heute ist von seinem Optimismus nur noch wenig übrig:  Dass er «überhaupt noch was macht», obwohl er merke, dass es ihm nicht guttue, liege nur an seiner Angst vor den Folgen der Klimakrise, sagte er Mitte Mai gegenüber dem Blick. Vielen junge Aktivist:innen des Klimastreiks scheint es gemäss dem Beitrag ähnlich zu gehen. Ihr Standbein seien stets die Klimademos gewesen, so Hermann. Doch es werde immer aufwendiger, die Leute auf die Strasse zu bringen – zumal der Bewegung die Ressourcen fehlen würden. 

Kritik übt der 18-Jährige Gymnasiast gegenüber Erwachsenen: «Es ist mega krass, dass wir allein für die Kinder von morgen einstehen müssen. Dabei sind wir doch selbst noch Kinder.» Jacqueline Badran habe ihm auch mal gesagt: «Super, haltet den Druck von der Strasse!» Doch diesen Druck über mehrere Jahre aufrecht zu erhalten, sei schwierig und realpolitisch hätte sich selbst mit der grünen Welle nichts verändert. Ich fühle mit dir, lieber Cyrill...

Das kommt in den nächsten Wochen auf uns zu:

  1. Noch 7 Tage. Und dann wird sich zeigen, ob es weiterhin Klimabeiträge auf Tsüri.ch zu lesen gibt oder nicht. Deshalb hier nochmal ein kleiner Reminder für unser Crowdfunding. Falls du schon etwas eingezahlt hast, danke ich dir von Herzen für deine Güte!❤️
  2. Na, weisst du schon, wohin du im Sommer in die Ferien möchtest? Ich gehe ja am liebsten nach Italien – auch, weil man dort gut mit dem Zug hinkommt. Aber wie reist man eigentlich klimafreundlich? Ist Zugfahren wirklich besser als mit dem Auto zu reisen – oder wie gelange ich am besten von A nach B? Über diese und weitere Fragen wird am 21. Juni im Kulturpark in Zürich diskutiert. Organisiert wird das Podium vom Verein Klimaschutz Schweiz. Weitere Infos und den Link zur Anmeldung findest du hier.
  3. Ende Juni wird ein riesiger Ball nach Zürich auf den Werdmühleplatz kommen. Es ist der «Klimaball»; eine Wanderausstellung, die öffentliche Plätze in der ganzen Schweiz besucht. Vom 21. bis 29. Juni wird die drei Meter hohe Kugel erst beim Klimapavillon, danach noch bis zum 15. Juli beim Stauffacher zu bestaunen sein. Dabei geht es darum, Fakten zu vermitteln und Meinungen der Passant:innen zu Massnahmen für eine klimaneutrale Zukunft zu sammeln. Begleitet wird die Ausstellung von verschiedenen Events. Hier gibts mehr Infos.

Rezept mit dem Gemüse des Monats: Spargel Risotto

Zutaten für 4 Personen
Zubereitungszeit: 50min

  1. 4 EL Öl (oder pflanzliche Margarine)
  2. 2 Zwiebel (klein gehackt)
  3. 2 Knoblauchzehe (fein gehackt)
  4. 500g Risotto Reis
  5. 1200ml Gemüsebrühe/Wein
  6. 4 EL Zitronensaft
  7. 100g Reibekäse (oder 6 EL Hefeflocken für vegane Version)
  8. Salz und Pfeffer
  9. 2 EL Öl (oder pflanzliche Margarine)
  10. 2 Knoblauchzehe (fein gehackt)
  11. 500g grüner Spargel (klein geschnitten)
  12. Salz und Pfeffer


Risotto: Öl in einem Topf erwärmen. Zwiebel und Knoblauch hinzugeben und 2 bis 3 Minuten braten, bis die Zwiebel glasig ist. Risotto Reis dazu geben und weitere 3 bis 5 Minuten andünsten. Dabei weiter rühren. 1/3 der Gemüsebrühe (oder des Weins) hinzugeben und etwa 5 Minuten köcheln lassen, bis der Reis die Flüssigkeit aufgesogen hat. Wieder ein Teil Gemüsebrühe hinzugeben und köcheln lassen. Solange fortführen, bis die Gemüsebrühe vollständig aufgebraucht ist. Nach Bedarf mehr Gemüsebrühe als angegeben verwenden. Anschliessend Reibkäse (bzw. Hefeflocken), Zitronensaft einrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken

Spargeln: Während das Risotto köchelt, den Spargel zubereiten. Dazu Öl in einer Pfanne erwärmen. Knoblauch etwa 1 Minute darin anbraten. Dann Spargel mit Salz und Pfeffer dazu geben und etwa 5 Minuten braten, bis der Spargel gar und leicht angeröstet ist. Spargel in das Risotto einrühren. Dabei einen Teil als Topping aufheben. Risotto in Schüsseln geben und mit dem restlichen Spargel servieren.

Der Tipp zum Schluss

Ja, das Wetter ist noch zu schön, um sich vor den Fernseher zu verkriechen und eine gute Doku schauen. Doch irgendwann wird es wieder kippen – hoffentlich! Und dann wollen wir alle gute Unterhaltung in petto haben. Was du unternehmen kannst, wenn du unter Menschen sein möchtest, habe ich dir oben bereits nahe gelegt. Nun kommt noch ein Tipp, wofür du das Haus nicht verlassen musst. Seaspiracy ist eine Dokumentation, die zwar auf Netflix läuft, aber sicher auch irgendwo (halblegal) im Netz zu finden ist. Ich sage nur so viel dazu: Sie war der Grund, weshalb ich aufgehört habe, Fisch zu essen.