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Hinter der Bewegung «Rise Up For Change» stehen unter anderem der Klimastreik Schweiz und Extinction Rebellion. Fotos: Isabel Brun

Klimabewegung inszeniert Auftritt von Credit Suisse

Die Klimabewegung «Rise Up For Change» fordert den Schweizer Finanzplatz auf, seine Investitionen in fossile Energien zu stoppen. Dazu greifen die Aktivist:innen auf ungewöhnliche Mittel zurück.
26. Juli 2021
Redaktorin & Klima-Redaktorin

«Das Ziel ist es, bis Ende Jahr aus sämtlichen Investitionen fossiler Energien auszusteigen.» Die Worte aus dem Mund der adrett gekleideten Frau kommen überraschend. Die Verwirrung bei den Medienschaffenden sowie Klimaaktivist:innen scheint dementsprechend gross, als die vermeintliche Mediensprecherin der Credit Suisse die Botschaft verkündet. Was im ersten Moment nach einer Kehrtwende in der Klimapolitik der Grossbank aussieht, stellt sich als ein Coup der Klimabewegung heraus, welche die Medienkonferenz organisiert hat.

Finanzinstitute am Pranger

Montagvormittag auf dem Paradeplatz. Vor dem Credit Suisse Gebäude haben sich ein Dutzend Personen versammelt, halten Transparente. Es ist der Auftakt zur «Rise Up For Change»-Aktionswoche, die den Schweizer Finanzplatz zur Verantwortung ziehen will. Dieser sei für rund zwei Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich, sagt Jonas Kampus. Der Mediensprecher ist Teil des Klimastreiks Schweiz, welcher die Aktion zusammen mit weiteren Gruppierungen aus der Klimabewegung organisiert hat.

Die Forderungen an die Grossbanken sind klar: Mehr Transparenz der Geldflüsse und der sofortige Stopp von Investitionen in fossile Energien. Gerade die Privatbanken CS und UBS würden jährlich Milliarden in die Finanzierung fossiler Brennstoffe investieren, schreibt «Rise Up For Change» in ihrem Communiqué. Zwischen 2016 und 2019 seien es rund 83,3 Milliarden Dollar – umgerechnet ungefähr 76,6 Milliarden Franken – gewesen.

Um die Klimakrise noch abwenden zu können, müssten die Finanzinstitutionen unsere Forderungen umsetzen.
Alba Martinez, Klimastreik Schweiz

Auch die Schweizer Nationalbank (SNB) kommt nicht ungeschoren davon. Sie habe eine gesellschaftliche Verantwortung und solle für mehr Transparenz der Privatbanken und deren Ausstieg aus fossilen Energien sorgen, so der Klimastreik Schweiz. Weiter fordert die Bewegung den Bund, die Kantone und die Finanzaufsicht auf, gesetzlich festzulegen, dass die Gewinne der SNB «für eine soziale und gerechte Lösung der Klimakrise verwendet werden.» Es sei öffentliches Geld, das auch so investiert werden soll, sagt Frida Kohlmann, die an diesem Vormittag über die Ziele der Aktionswoche informiert.

Alba Martinez und Frida Kohlmann.

Fake-Auftritt der CS

Mit den Forderungen der Klimabewegung sei man in der Vergangenheit immer wieder auf taube Ohren seitens der Grossbanken gestossen: «Die SNB hat uns auch schon versprochen, aus der Kohle auszusteigen.» Scheinbar ohne das Versprechen in die Tat umzusetzen. Klimagerechtigkeit bedeute, dass diese von denen finanziert werde, die am meisten zur Zerstörung beitragen, so Kohlmann. Doch dass die Credit Suisse ihre Finanzflüsse offenlegen und aus Investitionen in fossile Energien aussteigen werde, sei unwahrscheinlich.

Aus diesem Grund habe man den Auftritt der CS gespielt. Zum Bedauern der Klimaaktivist:innen: «Um die Klimakrise noch abwenden zu können, müssten aber die Finanzinstitutionen unsere Forderungen umsetzen», zitiert der Klimastreik Schweiz Alba Martinez in seiner Medienmitteilung heute Mittag. Martinez ist neben Kampus und Kohlmann als Mediensprecherin für «Rise Up For Change» tätig.

Die CS selbst wollte sich bisher nicht zu den Forderungen der Klimabewegung äussern. Wie der Tages-Anzeiger schreibt, verwies der CS-Sprecher, Andreas Kern, lediglich auf die Nachhaltigkeitsberichte der Bank.

«Die Klimakatastrophen haben in den vergangenen Wochen zu einem internen Umdenken geführt.» Eine Schauspielerin imitierte das Statement der Credit Suisse.

Gemeinsam ungehorsam sein

Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, würden sie in der kommenden Aktionswoche, auch zivilen Ungehorsam walten lassen, so die Mediensprecher:innen des «Rise Up For Change». Vom 30. Juli bis 6. August wollen Aktivist:innen während sieben Tagen auf der Stadionbrache in Zürich in einem Klimacamp wohnen. Neben Diskussionsrunden und Workshops suche man auch den Austausch: Am 4. August werden Finanzmitarbeitende zu einem Gespräch eingeladen, um mit der Klimabewegung über ihre Forderungen und Lösungen zu reden.

Den Abschluss soll die Aktionswoche am 6. August in Bern finden, wo die «Rise Up For Change»-Bewegung vor einem Jahr den Bundesplatz besetzte. 48 Stunden später löste die Berner Polizei die Besetzung auf. Schon damals vermeldeten die Aktivist:innen: «Wir wurden geräumt, doch das heisst nicht, dass unser Kampf vorbei ist!»

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