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Von Isabel Brun

(Klima-)Redaktorin

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28. Oktober 2022 um 10:00

Klima-Briefing im Oktober: Frau Bundesrätin, renovieren Sie das Klima!

Das Klima-Briefing ist der monatliche Newsletter über Klima-Themen aus Zürich und der Welt. Was uns im Oktober 2022 beschäftigt hat: Klimaaktivist:innen gehen neue Wege, «Green Jobs» fehlen die Fachkräfte und Windkraft aus Zürich soll in Zukunft Energie liefern.

Illustration: Zana Selimi

Ich meide Hallenbäder. Obwohl ich als Kind das Schwimmen liebte und einmal die Woche ins «Sportschwimmen» ging, gruselt mich heute die Vorstellung, im mit Chlor behandelten Wasser einem abgefallenen Pflaster zu begegnen. Dann schwimme ich lieber durch die Exkremente von Seebewohner:innen. Meine Abneigung Hallenbädern gegenüber führt auch dazu, dass ich die Diskussion darüber, ob die dortige Wassertemperatur aufgrund des drohenden Energieengpasses in der Schweiz gesenkt oder die Bäder sogar gänzlich geschlossen werden sollen, in der Regel nur am Rande mitbekomme.

Während im Kanton Zürich mehrere Hallenbäder die Temperaturen um einige Grad gemindert haben, ging die Gemeinde Dübendorf einen Schritt weiter: Wie die NZZ Mitte Monat schrieb, bleibt das Schwimmbecken  der Schule Stägenbuck, das auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, von Dezember bis und mit Februar 2023 geschlossen. Während Schwimmer:innen kommenden Winter auf einige Annehmlichkeiten verzichten müssen, sollen die Eisbahnen im Kanton trotz drohendem Strommangel weiterhin betrieben werden. So auch das Dolder-Eisfeld, die Kunsteisbahn Oerlikon und das Sportzentrum Heuried – alle drei Eisbahnen starteten Anfang Oktober in die neue Saison. Wie der Blick berichtet, habe der Stadtrat sich dafür entschieden, die Eisfelder früher aufzumachen als gewohnt: «Derzeit gibt es noch keine Mangellage. Das erlaubt uns eine Eröffnung. Allerdings werden wir den Betrieb laufend überprüfen», sagt Hermann Schumacher vom Stadtzürcher Sportamt.

Ausserdem hätte der Verzicht einer Eisbahn nur einen geringen Effekt auf die Stromeinsparung – zumindest, wenn der Winter hält, was er verspricht, erklärt Christian Schaffner von der ETH: «Je wärmer es draussen ist, umso mehr Strom braucht es, das Eis zu kühlen. Und je kälter es ist, desto weniger Strom wird gebraucht. Die generelle Energielage gestaltet sich aber genau umgekehrt: Wir brauchen mehr Energie, je kälter es draussen wird, etwa für Wärmepumpen», so der Energieexperte gegenüber der NZZ. Dass diese in Zeiten eines drohenden Strommangels besser durch Solarpanels ersetzt würden, ist mittlerweile allgemein bekannt – und wird auch in der Politik diskutiert: Im letzten Briefing schrieb ich ausführlich über den «Tag der Solarwende». Doch auch wenn eine rasche Umstellung auf Sonnenenergie so gut wie beschlossen ist, bleibt die Frage im Raum stehen: Wer plant und baut nun all diese Panels auf die Dächer unserer Häuser?

Fachkräftemangel in grünen Berufen

Denn auch wenn die Politik Klimaziele definiert und entsprechende Massnahmen beschliesst, umsetzen müssen es die Fachkräfte der Umweltbranche. Diese erlebte in den letzten Jahren zwar einen regelrechten Boom, doch noch immer suchen viele Firmen verzweifelt nach Techniker:innen, Ingenieur:innen oder Solarmonteur:innen. Als ich meine Recherche zum Thema «Klimakrise als Karrierechance» Anfang Oktober begann, zeigte das Onlineportal Jobs.ch 2303 offene Stellen an, wenn man im Suchfeld das Stichwort «Umwelt» eingab. 576 davon lagen in der Region Zürich. «Der Übergang in eine klimaverträgliche Wirtschaft wird durch den Mangel an Umweltprofis ausgebremst», fasst der Ökonom und Politologe Wolfram Kägi das Problem zusammen. Dabei hätte die Schweiz eigentlich genügend Potential, diese Transition erfolgreich zu schaffen: Im Jahr 2017 arbeiteten rund 17 Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz in grünen Berufen und auch die Anzahl der Studierenden in MINT-Fächern, sprich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, hat in den letzten Jahren zugenommen. 

Grund für den Mangel an Fachleuten ist gemäss Kägi deshalb nicht, dass wir zu wenig Absolvent:innen haben, sondern dass es zu viel Arbeit gibt: «Die Wertschöpfung in der Schweiz ist enorm hoch und Firmen suchen hochqualifiziertes Personal – diese Nachfrage können wir nicht nur mit eigenen Fachleuten decken.» Wir seien deshalb auf Migration angewiesen, so der Volkswirtschaftler. Hinzu kommt, dass Frauen in technischen Berufen stark untervertreten sind: Lediglich 7,4 Prozent der Stellen im Ingenieurwesen und 7,2 Prozent in der Informatik sind durch Frauen besetzt. Das führe im Umkehrschluss auch zu weniger Interesse, so eine Softwarentwicklerin gegenüber dem Tages-Anzeiger

Dass es auch für Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll ist, Veränderungen in der Branche selbst mit zu prägen, bestätigt auch der Umweltökonom Ueli Bernhard: «Je innovativer ein Betrieb ist, desto besser kann er auf veränderte Ansprüche aufgrund der Klimakrise reagieren.»  Bernhard war von 2011 bis 2018 Geschäftsleiter der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Umwelt. Zusammen mit dem Bund und den Kantonen hilft das Netzwerk mit, die Berufsbildung in der Schweiz zu fördern. Auch die grüne Ständerätin Adèle Thorens Goumaz engagiert sich im Netzwerk. Mit ihr sprach ich ebenfalls – und fragte sie, weshalb es überhaupt so weit kommen konnte. «Der Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bauwesen und im Bereich der Solarenergie zeigt, dass nicht immer alles richtig gemacht wurde.» Ihrer Ansicht nach wäre es erstrebenswert, dass sich Bildungsakteur:innen stärker damit auseinandersetzen würden, verschiedenen Berufe vor dem Hintergrund der Umweltkrise vorauszusehen.

«Alle Berufe können grün sein – und sollen grün werden», sagt die Präsidentin der OdA Umwelt, Adèle Thorens Goumaz. (Foto: Parlamentsdienste 3003 Bern)

Gerade beim Thema Solarenergie habe man zu lange nichts gemacht: Dass erst ab Sommer 2024 eine Berufslehre angeboten wird, ist der Politikerin zufolge viel zu spät. Laut einem Beitrag von SRF von vergangenem Juni hat sich der Personalbestand in den letzten drei Jahren zwar auf 8500 Vollzeitstellen verdoppelt, trotzdem waren damals laut dem Geschäftsführer des Branchenverbands Swissolar, David Stickelberger, 500 Stellen nicht besetzt. Um die Energiewende zu schaffen, müssten bis ins Jahr 2030 mindestens 20’000 Fachkräfte im Bereich der Solartechnik tätig sein. Ein solches Zuwarten sei typisch, Thorens Goumaz: «Eine der Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert sind, ist, dass der ökologische Übergang der Wirtschaft alle Sektoren betrifft und sich gleichzeitig niemand so richtig dafür verantwortlich fühlt – zumindest nicht, bis der eigene Sektor von einem Fachkräftemangel betroffen ist.» Neben einer zukunftsorientierteren Bildungspolitik sieht sie auch den Arbeitsmarkt in der Pflicht, dem Personal, das bereits beschäftigt ist, Weiterbildungen zu ermöglichen. 

Klimabewegung «Renovate Switzerland» wird in Zürich aktiv 

Der Fachkräftemangel in der Gebäudetechnik steht auch bei den Aktivist:innen von Renovate Switzerland im Fokus. Der Name erschien mir Anfang September zum ersten Mal, als sich zwei «Sympathisant:innen» – so bezeichnen sich die Klimaaktivist:innen selber – im Kunsthaus Zürich an ein Gemälde geklebt hatten (ich berichtete im Klima-Briefing von Ende September). In den vergangenen Wochen fiel die Bewegung vor allem durch mehrere Strassenblockaden auf – neun innerhalb eines Monats. Neben Bern, Genf und Lausanne wurden auch Strassen in Zürich blockiert: So setzten und/oder klebten sich die Aktivist:innen an einem Samstagnachmittag auf die Hardbrücke, an einem Freitagmorgen auf den Utoquai und an einem Mittwochmorgen auf die Autobahnausfahrt Zürich-Wiedikon. Zum Leidwesen der Autofahrer:innen. Dabei sei es gar nicht ihr Ziel, diese zu verärgern, so eines der Mitglieder von Renovate Switzerland.

Am 14. Oktober setzten sich eine Handvoll Klimaaktivist:innen auf den Utoquai auf der Höhe des Sechseläutenplatzes. (Foto: Ursula Häne via WOZ)

«Der Bundesrat muss zuhören», erklärt der Umweltaktivist Sylvan Isler gegenüber der WOZ. Zuhören und handeln: Vier Milliarden Franken soll der Bundesrat laut der Forderung von «Renovate Switzerland» bereitstellen. Zum einen, damit eine Million schlecht isolierter Häuser in der Schweiz rasch saniert werden können, zum anderen, damit 100'000 Personen ein Stipendium erhalten, um sich in Berufen aus- oder weiterzubilden, die für die Gebäudesanierungen nötig sind. Mit ihren Aktionen wollen die Klimaaktivist:innen den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen. Die Aktionen erinnern ein bisschen an die Proteste des Klimastreiks, anders als dort ist der Altersdurchschnitt bei der Bewegung aus der Westschweiz aber deutlich höher: Unter den Sympathisant:innen seien viele Mütter oder Väter, das durchschnittliche Alter liege bei ungefähr 40 Jahren, schreibt das SRF.

Neue Energie scheint auch der Klimastreik inzwischen wieder gesammelt zu haben. Nachdem vergangenen Sommer viele junge Klimaaktivist:innen erzählten, ausgebrannt zu sein, planten sie in den letzten Wochen neue Aktionen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Wie die NZZ am Sonntagberichtet, wollen sie den Klimaaktivismus zurück an die Schulen zu tragen. Dorthin, wo alles begann. Man habe den «Kern der Bewegung» aus den Augen verloren, so der Klimastreik-Sprecher und Gymnasiast Cyrill Hermann: «Es sind die Jungen, die in der Schweiz von der Klimakrise am meisten betroffen sind.» Aus diesem Grund soll nun an Schulen und Unis «Raum für die Klimadiskussion» entstehen. Konkret heisst das, dass der Klimastreik Universitäten und Schulen besetzen möchte. Wie genau das aussehen soll, darüber sind sich die Aktivist:innen herrscht noch Uneinigkeit: Während die einen den Betrieb nicht dauerhaft stören wollen, sind andere der Überzeugung, ganze Gebäude wochenlang zu besetzen – bis die Polizei eingreift. Hermann verteidigt beide Strategien: «Ziviler Ungehorsam ein absolut legitimes Mittel ist angesichts der Untätigkeit der Politik in der Klimakrise.» 

Die ETH als potentielles Ziel solcher Besetzungs-Aktionen, wappnet sich: Tauscht sich laut ihrer Mediensprecherin Franziska Schmid mit anderen Hochschulen und der Polizei aus: «Bei den über 200 Gebäuden, die zur ETH Zürich gehören, ist ein präventiver Schutz sehr schwierig.» Versuche, Kontakt zu den Aktivist:innen herzustellen blieben bisher ohne Erfolg. Die Universität Zürich scheint sich von den Plänen des Klimastreiks nicht aus der Ruhe zu bringen: «Wir haben bereits Erfahrungen mit Hörsaalbesetzungen durch Studierende, die letzte im Jahr 2019», heisst es auf Anfrage der NZZ. Damals stand die Aktion im Zeichen des Feministischen Streiks.

Schutz eines Gemäldes vs. Schutz des Planeten

Zum Ziel diverser Klima-Protesten wurden in den letzten Monaten auch immer wieder Museen, beziehungsweise die Gemälde, die in ihnen ausgestellt werden: Tomatensuppe für Van-Gogh und Kartoffelstock für Monet – Klimaaktivist:innen auf der ganzen Welt werden mit Aktionen wie jene im Kunsthaus Zürich Mitte September für die Öffentlichkeit wieder sichtbarer. Verschiedene Medien fragten sich anschliessend: Wie schützen sich Schweizer Museen vor Essensresten und Klebstoff auf den wertvollen Gemälden? Vor einem Monat nahm man die Aktion an Giovanni Segantinis «Alpenweide» noch relativ gelassen: So was gehöre zu «ganz normalen Szenarien», die regelmässig mit dem Sicherheitspersonal durchgespielt würden, so das Kunsthaus Zürich gegenüber SRF. Jetzt scheint man zwar erkannt zu haben; was in London oder Potsdam geschieht, könnte auch hierzulande passieren, doch auf einen grossen Mehraufwand will man – zumindest in Zürich – lieber verzichten.

Die Sprecherin des Zürcher Kunsthauses, Kristin Steiner, sagt auf Anfrage des Tages-Anzeigers, dass man, ähnlich wie die anderen Schweizer Kunstmuseen, «alles Nötige» unternehme, um die ausgestellten Kunstwerke zu schützen. Bedeutet: Geschultes Sicherheitspersonal und «effektive Sicherheitssysteme». Bei der Aktion von Renovate Switzerland habe das Bild selber keinen Schaden genommen, so Steiner, der Rahmen habe repariert werden können – für Kosten von circa 1000 Franken. Trotzdem lehne das Kunsthaus aufwendige Taschenkontrollen und Durchleuchtungen ab, das sei nicht verhältnismässig: «Die grosse Mehrheit unserer Gäste kommt in guter Absicht und mit Wertschätzung für die Kunst. Wir wollen kein Museum der Einschüchterung sein, sondern einen unbeschwerten Besuch ermöglichen.»

Nichtsdestotrotz fragt sich die Politik einmal mehr, wie weit Klimaaktivismus gehen darf. «Für Sachbeschädigungen oder Gewalt bei Demonstrationen habe ich kein Verständnis», so die grüne Nationalrätin Aline Trede in der SRF Arena von vergangenem Freitag. Es sei aber wichtig, darüber zu reden, weshalb es in den Augen der Aktivist:innen überhaupt solche Aktionen braucht – denn eine friedliche Demonstration mit 15'000 oder 20'000 Menschen bringe kaum mehr Aufmerksamkeit: «Ziviler Ungehorsam ist weder links noch rechts – wir hätten ein AKW mehr und ein Kanton weniger ohne ihn», sagte Trede. Anders sah es der SVP-Nationalrat Michael Graber. Er sprach im Fernseh-Beitrag nicht von «Klimaaktivisten», sondern «Klimaextremisten», denn: «Eine Klimakrise gibt es nicht», so Graber, «das sei ein politischer Kampfbegriff.» Deshalb seien die Personen von Renovate Switzerland strafrechtlich zu verfolgen. 

Falls du mal wieder nach mehr Realitätsnähe lechzst, empfehle ich dir, die ganze Sendung nachzuschauen. Aber Achtung, Spoiler: Es macht ein bisschen hässig.

Foto: zVg

Klimakopf des Monats: Balz Bürgisser

Der Tages-Anzeiger bezeichnet ihn als den «alten Wilden der Grünen», im Zürcher Gemeinderat hält er den Namen «König von Witikon» inne und heute wird er von mir zum «Klimakopf des Monats» gekürt: Balz Bürgisser, 69 Jahre jung und noch lange nicht seines Amtes überdrüssig. Im Gegenteil: Seine letzten zwei Forderungen im Stadtparlament sorgten für einige rote Köpfe. Nachdem der grüne Politiker es schaffte, dass die Stadt dem Klima zuliebe auf die Flugshows am Züri-Fäscht verzichtet, will er nun mit einem neuen Vorstoss erreichen, dass die Stars vom Zürcher Filmfestival künftig im Tram, Zug oder auf dem Velo statt in der Limo oder dem Flugi anreisen. 

Fun Fact: Der SVP-Gemeinderat Stefan Urech war einst Schüler des mittlerweile pensionierten Mathematiklehrers: «Er ist ein genauer Mensch, vertieft sich in die Materie und analysiert scharf. Leider wird seine Analyse am Schluss von kämpferischer Ideologie überdeckt», kritisiert Urech. Dabei gehe es ihm gar nicht um die ideologische Vorstellungen, so Bürgisser: Er habe nicht die eigene Profilierung gesucht, sagte er gegenüber dem Tagi. «Es ist erschreckend, wie schnell sich das Klima verändert hat. Wir müssen jetzt alles tun, um den Temperaturanstieg zu verlangsamen und schliesslich zu stoppen. Und wir müssen Zeichen setzen, um die Leute aufzurütteln. Als reiches Land und reiche Stadt tragen wir grosse Verantwortung», fasste Bürgisser seine Beweggründe seine «radikalen» Forderungen zusammen. Danke, nun fehlt nur noch die Krone.

Kurz & knapp:

  1. Der Kanton Zürich soll künftig mehr Energie aus Windkraft ziehen können – das will zumindest der grüne Baudirektor Martin Neukom. Gemäss den Plänen seiner Energiestrategie 2022 werden im Jahr 2050 rund sieben Prozent des kantonalen Strombedarfs durch Windkraft gedeckt. Die Windenergie sei eine «ideale Ergänzung» zur Solarenergie und Wasserkraft, denn zwei Drittel davon würden im Winterhalbjahr ausfallen, heisst es in der Mitteilung. Wie die NZZ ausführt, würden insgesamt 46 Standorte für Windräder infrage kommen – wo genau, werde nun «in enger Zusammenarbeit mit den möglichen Standortgemeinden, den Natur- und Landschaftsschutzverbänden sowie der Windenergiebranche» überprüft. 
  2. Greta Thunberg hat ein Buch geschrieben – und es heisst «Das Klima-Buch». «Der Titel ist nicht besonders einfallsreich, aber das Buch hat es in sich», schreibt das NZZ Magazin über das neue Werk der bekanntesten Klimaaktivistin der Welt. Statt auf Rebellentum, setze sie nun auf Gemeinschaft: «Ich hätte mich viel früher auf die humanitären Aspekte der Krise konzentrieren sollen, auf Klimagerechtigkeit», so die mittlerweile 19-Jährige. 
  3. Der Bundesrat hat einen Bericht dazu veröffentlicht, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Bund bei der Erreichung seiner Klimaziele unterstützen kann. Sein Fazit: «Die SNB berücksichtigt Klimaaspekte im Rahmen ihres Mandates.» Etwas konkreter bedeutet das, dass die Nationalbank Klima-, Umwelt- und andere Nachhaltigkeitsaspekte zwar berücksichtige, sofern diese die Preis- und Finanzstabilität tangieren oder finanzielle Risiken für die SNB beinhalten, die Klimapolitik jedoch soll in den Händen der Regierung und des Parlaments bleiben. Es könne sonst zu Konflikten in der Geldpolitik kommen, so der Bundesrat.
  4. Die nächste UN-Klimakonferenz steht an: Vom 6. bis 18. November 2022 wird sie im ägyptischen Sharm El-Sheikh stattfinden. Einmal jährlich treffen sich Vertreter:innen von 194 Ländern, um über neue klimapolitische Verpflichtungen zu diskutieren. Daraus entstand 2015 auch das Pariser Klimaabkommen, das vorgibt, die Erderwärmung auf unter zwei, wenn möglich auf 1,5 Grad zu begrenzen. Eine Untersuchung der UNO zeigt nun: Seit damals ist nicht viel geschehen. So haben nur 26 der fast 200 Mitglieder ihre Klimaziele seit der letzten Konferenz in Glasgow 2021 ambitionierter formuliert. Und in letzter Zeit habe keiner der grossen CO2-Verursacher, namentlich China, die USA, Indien oder Saudi-Arabien, seine Klimaziele substantiell verschärft.
  5. Grünflächen in der Stadt Zürich werden kaum noch mit Pestiziden behandelt und auch bei Sportrasen soll der Einsatz noch weiter minimiert werden. Das schrieb die Stadt Anfang Oktober in einer Mitteilung. Mithilfe von Drohen könne man durch Analysen der Erdoberfläche Schadorganismen früher entdecken und dadurch mit geringerem Mitteleinsatz zurückdrängen. Weiter soll die Verwendung von Torf «so weit wie möglich» eingeschränkt werden. Neue städtische Grünräume seien mit dem landschaftlichen Park Probstei-Hügel, dem Josefareal und dem Leitbild Limmatraum in Planung.

Bild: Screenshot Swissmilk.ch

Rezept des Monats: Kung-Pao-Blumenkohl

Zutaten für 4 Personen

Zubereitungszeit: 40 min

Blumenkohl:

  1. 2 EL Maisstärke
  2. 2 EL Sojasauce
  3. 1 EL Bratcrème
  4. 1 Zitrone (abgeriebene Schale und Saft)
  5. 100 g Crème fraîche (oder veganer Joghurt)
  6. 1,2 kg Blumenkohl
  7. 180 g Paniermehl

Kung-Pao-Sauce:

  1. 2,5 dl Wasser
  2. 1,5 dl Sojasauce
  3. 6 EL Balsamico
  4. 2 1/2 EL Zucker
  5. 1 EL Maisstärke
  6. 2 EL Bratcrème
  7. 3 Bundzwiebeln (gehackt)
  8. 2 Knoblauchzehen 
  9. 10 g Ingwer (fein gehackt)
  10. 2 TL Chiliflocken

Beilagen/Garnitur:

  1. 80 g Crème fraîche (oder veganer Joghurt)
  2. 100 g gesalzene, geröstete Erdnüsse
  3. 250 g Jasminreis

Ofen auf 200°C Heissluft/Umluft vorheizen (Ober-/Unterhitze 220°C). Blumenkohl: Maisstärke, Sojasauce, Bratcrème, Zitronenschale und -saft und Crème fraîche mischen. Blumenkohl mit Marinade mischen, 15 Minuten ziehen lassen. Blumenkohl in Paniermehl wenden, auf das vorbereitete Blech geben. 15 Minuten im vorgeheizten Ofen in der Ofenmitte backen. Reis nach Packungsanleitung garen. 

Kung-Pao-Sauce: Wasser bis und mit Maisstärke verrühren, aufkochen und bei mittlerer Hitze 2 Minuten köcheln lassen. Bundzwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Chiliflocken in Bratcrème in einer separaten Pfanne 4 Minuten rührbraten. Sauce dazugiessen. Ca. 4 Minuten weiterköcheln lassen, bis es leicht andickt.

Anrichten: Blumenkohl auf Reis anrichten, Erdnüsse darüberstreuen, Kung-Pao-Sauce darüberträufeln. Restliche Crème fraîche mit Zitronenschale verrühren, daraufgeben. Mit beiseitegestellten Bundzwiebeln garnieren. 

Die Good-News zum Schluss

Acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden von der Zementindustrie verursacht. Das ist jetzt im ersten Moment keine gute Nachricht, wenn aber auf ein Problem eine Lösung folgt, dann darf man das durchaus als Good-News werten: Wie das SRF schreibt, will einer der grössten Baustoffhersteller der Welt nachhaltiger werden. Eine Marketing-Masche? «Nein», sagt der CEO der Holcim AG, Jan Jenisch: «Unsere neuen Betonvarianten haben eine bessere Umweltbilanz als Stahl, Glas oder sogar Holz. Wir müssen nachhaltiger werden, das Klima geht uns alle an.» Wichtig sei aber, dass die gesetzlichen Vorgaben strenger würden: Es gäbe noch zu wenig Unterstützung von den Entscheidungsträgern in den Regierungen. «Sie sind zu langsam mit klimafreundlichen Baunormen – auch aus Angst, dass dies höhere Kosten mit sich bringt», so Jenisch. Na, wenn das Michael Graber hört..

Event-Tipps

Du wirst es bemerkt haben; in den letzten Monaten wurde das Klima-Briefing immer ein wenig umgestellt und -gestaltet. In Marketing-Sprache würde man jetzt von «optimiert» sprechen. Jedenfalls will ich dir die Gelegenheit bieten, deinen nächsten Monat veranstaltungstechnisch zu optimieren. Deswegen führe ich an dieser Stelle neben dem Button, der dich zu den Veranstaltungen von Klimastadt Zürich führt, auch wieder Events auf, die anderweitig an mich gelangten:

  1. Noch bis am 08.01.2023: Ausstellung «Climate Fiction» im Literaturmuseum Strauhof Zürich 
  2. 16. November 2022, 19:30 Uhr im Kulturpark Zürich: Podiumsdiskussion zu klimaneutraler Landwirtschaft und Ernährung: «Wie ernähren wir uns in Zukunft?»