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Von Isabel Brun

(Klima-)Redaktorin

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25. November 2022 um 11:00

Klima-Briefing im November: Ein Wachhund für den Klimaschutz

Das Klima-Briefing ist der monatliche Newsletter über Klima-Themen aus Zürich und der Welt. Was uns im November 2022 beschäftigt hat: Eine anstrengende 27. Weltklimakonferenz, Klimaaktivismus in den Fängen der Justiz und Solardächer für Zürich.

Illustration: Zana Selimi

Es gibt Hunde, die werden extra dafür gezüchtet, ein Grundstück zu überwachen und einem Eindringlinge vom Hals zu halten: So wurden beispielsweise im alten Babylonien bereits circa 2200 vor Christus Hunde auf Kampfbereitschaft gezüchtet: Die Rasse «Mastiff» war geboren. Und in Rom erinnern auch heute noch Hausinschriften daran, welch wichtige Rolle der Hütehund spielte. «Cave canem» – «Hüte dich vor dem Hund», hiess es damals. Aber Achtung; ein Hund, der nicht bellt, sondern direkt angreift, gilt als ein schlechter Wachhund. Das Beobachten und Anschlagen gehört zu seinen wichtigsten Eigenschaften. Der Spruch: «Ein Hund, der bellt, beisst nicht», kommt also nicht von ungefähr.

Unser Klima Watchdog beisst ebenfalls nur dann, wenn ihm keine andere Wahl gelassen wird. Zusammen mit der Klimaschutz-Stiftung Myclimate beobachtet er die Stadt Zürich auf ihrem Weg zu Netto-Null bis 2040. Welche Klimaschutzmassnahme spart wie viel CO2? Was nützt eine Velovorzugsroute dem Klima? Und ist es zielführend, in Kantinen nur noch vegetarisches Essen anzubieten? Der Klima Watchdog schnüffelt nach Antworten. Zwei von unzähligen Klimaschutzmassnahmen der Stadt hat er bereits aufgespürt: Die Velovorzugsroute von Altstetten bis zur Bäckeranlage und das Ziel der Stadt, alle städtischen Immobilien – also Verwaltungsgebäude, Schulen, Sportanlagen – bis 2035 mit erneuerbaren Heizsystemen auszustatten.

Gebellt hat unser Klima Watchdog nur kurz, als er sah, dass mit der knapp drei Kilometer langen Veloroute von den 5'655'000 nur 1387 Tonnen CO2 eingespart werden können. Ein Tropfen auf den heissen Stein. Etwas grösser ist der Effekt hingegen bei der Massnahme, die vorsieht, bei stadteigenen Gebäuden künftig mit nachhaltigen Energien zu heizen. Das Einsparpotential sieht Myclimate bei 12'200 Tonnen CO2. (Wie genau wir auf diese Zahl gekommen sind, kannst du hier nachlesen.) Trotzdem ist der Weg noch weit. Deshalb bleibt unser Watchdog auch weiterhin wachsam.

UN-Klimagipfel: Rote Köpfe in Ägypten

Verglichen mit dem CO2-Ausstoss der Welt sind die Emissionen Zürichs eine Lappalie. 36,3 Milliarden Tonnen CO2 seien im Jahr 2021 weltweit ausgestossen worden, meldete vergangenen März die Internationale Energieagentur (IEA). Mehr als jemals zuvor. Dafür verantwortlich sei vor allem China: Rund ein Drittel der Gesamtemissionen wird gemäss IEA-Bericht von der Grossmacht produziert – hauptsächlich durch die Verbrennung von Kohle. Trotz der Einigung am Klimagipfel vor einem Jahr in Glasgow, aus der Kohle auszusteigen, befeuert nun die Gasmangellage eine gegenläufige Entwicklung. Welche Rolle dabei die Schweiz einnimmt, zeigt eine aktuelle Recherche der Non-Profit-Organisation Public Eye: Gut 40 Prozent des weltweiten Handels wird demnach von Unternehmen abgewickelt, die ihren Sitz in der Schweiz haben. «Schweizer Banken haben seit 2016 das Kohlegeschäft mit 3 Milliarden Franken finanziert», so einer der Studienautor:innen Robert Bachmann zum SRF. Mehr als die Hälfte stamme von Credit Suisse. Diese kontert: «Im Jahr 2021 haben wir unser Kreditengagement im Kohlesektor um 39 Prozent gesenkt.» Weiter leiste die Grossbank keine Finanzierung an Unternehmen, die 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kohlekraft oder dem Abbau von Kohle erwirtschaften. Im Jahr 2030 werde diese Schwelle auf 5 Prozent gesenkt, heisst es. 

Abgesehen davon, dass Schweizer Banken – und unsere Politik, indem sie Restriktionen beschliesst – durchaus etwas bewirken könnten, wenn sie denn nur wollten, hat China wohl den grössten Hebel in der Hand, um das Weltklima zu retten. Irgendwie würde es Sinn machen, dass ein Land, das für so viel Zerstörung sorgt, auch dafür gerade stehen müsste. Am Klimagipfel COP27, der vom 6. bis 18. November im ägyptischen Sharm El-Sheikh stattfand, zeigte sich jedoch: China hat keine Lust, für seine Taten zur Verantwortung gezogen zu werden.

Noch nie wurde auf der Welt so viel CO2 ausgestossen wie im Jahr 2021. (Grafik: IEA. License: CC BY 4.0)

Konkret geht es um die Finanzierung zum Ausgleich der Verluste und Schäden, die durch den Klimawandel ausgelöst werden. An der 27. Klimakonferenz wurde nämlich ein Meilenstein gesetzt: Nach 30 Jahren Verhandlungen wurde beschlossen, einen Fonds einzurichten, der Länder unterstützt, die durch die Klimakrise besonders verwundbar werden. Wie Die Zeit schreibt, hätten sich Industrieländer wie die USA lange geweigert, über solche Zahlungen auch nur zu verhandeln. Schliesslich kam auch die Frage auf, wer denn alles in den Fonds einzahlen muss. Wo wir wieder bei China wären: Der grösste Treibhausgas-Verursacher der Welt bestand auf seinen Status als Entwicklungsland und erhoffte sich vielmehr selbst finanzielle Hilfe zu erhalten, als Geld für andere bereitzustellen. Die Diskussion darüber, wer alles in den Topf einzahlen und wer als «verwundbar» gilt, muss nun schliesslich eine Kommission entscheiden.

Und was wurde ausser dem geplanten Unterstützungsfonds noch ausgearbeitet? Die Antwort: Kaum etwas. «Es ist ganz klar kein gutes Ergebnis herausgekommen, auch wenn Rückschritte verhindert werden konnten», resümierte der Leiter der Schweizer Delegation, Franz Perrez, vergangenen Montag in einem Beitrag von SRF. Doch die Ziele seien nicht erreicht worden.

Damit meint Perrez das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Bei der letzten Klimakonferenz in Glasgow sei dieses noch am Leben erhalten worden, «doch mit dieser COP ist nun die Schnittstelle erreicht, wo man es auch verlieren könnte», so Perrez. Das Ziel bleibe nur erreichbar, wenn alle Beschlüsse ambitioniert umgesetzt werden – auch von den Grossemittenten. Doch gemäss einer Untersuchung der UNO hat in letzter Zeit weder China, die USA, Indien noch Saudi-Arabien seine Klimaziele substantiell verschärft. Aus diesem Grund hatten die EU wie auch die Schweiz gedroht, die Verhandlungen zu verlassen. Der Entscheid hat laut Perrez auf Messers Schneide gelegen. Schliesslich blieb man. Einmal mehr wurde jedoch in den letzten Wochen in Ägypten klar, dass sich mit UN-Klimakonferenzen allein das Klima nicht retten lässt.

Wenn die Politik pennt, werden nicht nur die Wachhunde, sondern auch die Zivilgesellschaft aktiver. In den letzten beiden Klima-Briefings aus den Monaten September und Oktoberschrieb ich über Aktivist:innen auf den Strassen und vor den Gerichten. Ausserdem stellte ich dir einen Richter vor, der sich gegenüber den Anliegen der Strassenblockierer:innen verständnisvoll zeigte. Die Rede ist von Roger Harris. Er hatte Mitte September eine wegen Nötigung angeklagte Klimaaktivistin freigesprochen, weil er nicht mehr bereit sei, friedliche Demonstrant:innen schuldig zu sprechen und damit «staatlichen Straf­aktionen» zu unterstützen. Jeder habe das Recht, gewaltfrei zu demonstrieren, sagte Harris zum Onlinemagazin Republik. Nur bei Gewalt müsse eingegriffen werden. Mit der Aussage, künftig Klimaaktivist:innen konsequent freizusprechen, sorgte der Richter für viel Zuspruch – aber auch Kritik. Vor allem aus den eigenen Reihen.

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft empfand sein Urteil vom 19. September gegen die Klimaaktivistin, die im Vorjahr die Rudolf-Brun-Brücke blockiert hatte, als befangen: «Aufgrund von Äusserungen des genannten Richters bei einer Urteilseröffnung im Zusammenhang mit Aktionen von Klimaaktivistinnen und -aktivisten stellt sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft bei zukünftigen Urteilen dieses Richters die Frage, ob er noch unbefangen urteilen kann», zitierte Mitte Oktober die NZZ den Mediensprecher Erich Wenzinger.

Mittlerweile ist für die Staatsanwaltschaft klar: Harris kann es nicht. Deshalb hat sie ein Ausstandsbegehren gegen den Richter eingereicht. Mit der Konsequenz, dass er vorerst keine Klimafälle mehr behandeln darf. Die Äusserungen des Richters würden den Anschein erwecken, dass es ihm an der gebotenen Distanz fehle, heisst es in der NZZ. Harris hält dagegen: Gegenüber dem Obergericht hatte er versichert, dass er sich weder befangen noch voreingenommen fühle. Die Medien hätten seine Aussagen verkürzt dargestellt. Wie genau es weitergeht, scheint noch nicht ganz klar. Laut der NZZ ist das Urteil der Oberstaatsanwaltschaft gegen Harris noch nicht rechtskräftig. 

Während Roger Harris für die Anliegen der Aktivist:innen Verständnis aufbringen kann, gehen andere Richter weniger zimperlich mit den Angeklagten um. Wie das SRF berichtet, verurteilte vergangene Woche das Zürcher Obergericht neun Klimaaktivist:innen zu bedingten Geldstrafen zwischen 1200 und 1800 Franken. Sie hatten im August 2021 die Eingänge der Grossbank Credit Suisse in Zürich blockiert, um auf die Rolle des Schweizer Finanzplatzes in der Klimakrise aufmerksam zu machen. Auch wir berichteten damals über die Aktion. Das Gericht begründete sein Urteil mit Nötigung und Hausfriedensbruch: Die Aktivist:innen hätten die Eingänge der Bank «verbarrikadiert» und seien bei ihren Taten sehr gut organisiert vorgegangen. Anscheinend auch noch zu Zeiten der Klimakrise Grund genug, um schuldig gesprochen zu werden.

Bei der Blockade vor der Credit Suisse und UBS im August 2021 wurden insgesamt 83 Personen verhaftet. (Foto: Emilio Masullo)

Auch die Klimaaktivist:innen von Renovate Switzerland, die im Oktober insgesamt zehn Mal die Schweizer Strassen blockierten (ich hatte darüber berichtet), werden wohl büssen müssen. Nicht nur wegen Nötigung, sondern im schlimmsten Fall auch wegen unterlassener Hilfeleistung. Das, nachdem Anfang November in Berlin eine angefahrene Velofahrerin ihren Verletzungen erlag, weil ein Spezialfahrzeug angeblich wegen einer Klebe-Aktion der Letzten Generation im Stau stand und deshalb verspätet am Unglücksort ankam. Bereits wenige Tage danach hiess es in der Süddeutschen Zeitung, dass der Klimaprotest keinen Einfluss auf die Versorgung des Unfallopfers gehabt habe – das habe die Notärztin in ihrem Bericht festgehalten. Trotzdem wurde durch den Vorfall einiges an Staub aufgewirbelt. Auch, weil die Medien sich daran bedienten

Die Debatte erreichte schliesslich die Schweiz und im Zürcher Kantonsrat stellte man sich die Frage, wie die Einsatzkräfte im Notfall vorgehen sollen: Die angeleimten Aktivisten-Hände mit Gewalt von der Strasse entfernen oder verletzte Personen länger auf Hilfe warten lassen? Mit einer Anfrage richteten sich drei Parlamentarier:innen von SVP, EVP und Die Mitte an den Regierungsrat. Seine Antwort steht noch aus. Und vielleicht ist diese auch gar nicht mehr nötig, denn bis dato wurde seitens der Klimaaktivist:innen von Renovate Switzerland keine neuen Aktionen angekündigt. 

Eine Solarwende in Verzug

Haben wir jetzt eigentlich eine Energiekrise oder nicht? Ich habe den Überblick verloren. Zumal in den letzten Wochen von vollen Stauseen und Gasspeicher die Rede war. Die Situation habe sich zuletzt etwas entspannt, so der Wirtschaftsminister Guy Parmelin vergangenen Mittwoch vor den Medien. Doch das Risiko bestehe weiterhin.Trotzdem hat der Bundesrat seinen Notfallplan bei einer fortschreitenden Strommangellage präsentiert. Der Massnahmenkatalog beinhaltet neben Sparappellen auch ein Streaming-Verbot, eine Rationierung des Stroms für die 34'000 Grossverbraucher:innen in der Schweiz und – Ultimo Ratio – eine kurzfristige Netzabschaltung. Der Plan muss nun noch durch die Vernehmlassung. Bis am 12. Dezember wissen wir definitiv Bescheid. 

Im Zuge dessen fragte ich mich, was eigentlich aus dem Plan geworden ist, das Wallis zu einem «Solar-Eldorado» umzugestalten. Im September waren alle noch sehr zuversichtlich: Der Tages-Anzeiger bezeichnete den 15. September 2022 als den «Tag der Solarwende». Es war der Tag, an dem der Ständerat den indirekten Gegenvorschlag zur Gletscher-Initiative mit 39 zu vier Stimmen angenommen hatte. Die Zustimmung beinhaltetet auch ein Ja zu einer Solarpflicht auf Neubauten und zur erleichterten Bewilligungen für Photovoltaik-Grossanlagen auf freien Flächen in den Bergen. 

Wo genau diese Grossanlagen gebaut werden sollen, schien ebenfalls bereits klar zu sein: In der Gemeinde Grengiols im Saflischtal verteilt auf einer Fläche von 700 Fussballfeldern. Diese könnten künftig pro Jahr zwei Terrawattstunden Strom liefern. Doch wie so oft ist alles nicht so einfach, wie gedacht. Denn mit den Medienberichten wuchs auch der Widerstand. «Mit dem Solarprojekt hat die Alpwirtschaft keine Zukunft mehr», so die Gegner:innen des Solarprojekts im Blick. Auch der oberster Landschaftsschützer der Schweiz, Raimund Rodewald, zeigt sich gegenüber SRF bestürzt über den per Notgesetz befeuerten Boom der alpinen Solaranlagen: «Die gesamten Alpen werden zu einer Bauzone, zu einem Notstromaggregat für das Unterland. Ich bin sprachlos.» Die Folge des Gegenwinds waren etliche Einsprachen – auch gegen das Projekt in Grengiols. Welches nun wohl nicht wie erhofft im Jahr 2023 umgesetzt werden kann. Wie das SRF aufzeigt, gibt es jedoch auch noch andere Wege, Solarstrom zu produzieren. Viel Potential scheint in der Gesamtfläche unserer Häuserdächer zu liegen: 

Old but gold: Solarpanels auf Häuserdächer. (Bild: Sreenshot SRF)

Auch im Kanton Zürich gibt es ungenutzte Möglichkeiten für die Solarstrom-Produktion: Wie eine aktuelle Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigt, würden Photovoltaikanlagen auf Zürcher Hausdächern zwar nicht gleich viel Strom liefern wie solche in sonnenreicheren Regionen, trotzdem seien Solaranlagen für Zürcher Hauseigentümer:innen lohnenswert. Auf der Webseite sonnendach.ch vom Bundesamt für Energie können Interessierte herausfinden, ob sich ihr Hausdach für Solarpanels eignet. Im Selbstversuch zeigt sich, dass sich das Haus, in dem meine Wohnung liegt «hervorragend» für eine Photovoltaikanlage eignet. So könnte ich – falls ich denn Hauseigentümerin meiner Bleibe wäre – zum Beispiel ganze 15 Prozent meiner Heizkosten sparen oder Solarstrom im Wert von 2100 Franken produzieren lassen. Und das in der Stadt Zürich. 

Foto: Isabel Brun

Klimaköpfe des Monats: Claudine, Manuel, Moritz, Yara

Im Monat Oktober beschäftigte ich mich intensiv mit dem Fachkräftemangel in der Umweltbranche. Ich sprach mit Ökonom:innen, einer Ständerätin, die sich für mehr Sichtbarkeit von «Green Jobs» stark macht (ich schrieb bereits im letzten Briefing darüber) – und ich traf vier Menschen, die sich für eine Karriere in Umweltberufen entschieden haben. Denn ohne sie schaffen wir die grüne Wende nicht. So berät beispielsweise die Umweltingenieurin Claudine Karlen (oben links) Bauherr:innen dabei, damit diese ihre Vorhaben nachhaltig gestalten. Und auch Moritz Meier (unten links) ist in der Bau- und Planungsbranche tätig: Er handelt mit Gemeinden Netto-Null-Strategien aus und versieht Gebäude mit Solarpanels. 

Mit Manuel Holzer (oben rechts) sprach ich dagegen über den Sinn und Unsinn von Nachhaltigkeitsexpert:innen in Unternehmen. «Es reicht nicht, eine:n Expert:in für Nachhaltigkeit einzustellen und einen Nachhaltigkeitsbericht zu schreiben. Es braucht eine Geschäftsleitung und einen Verwaltungsrat, die Nachhaltigkeit als integralen Teil der Unternehmensstrategie mitdenken», so Holzer. Wie er versteht auch Yara Walther (unten rechts) die Klimakrise als globales Problem. Deshalb will die angehende Agroforsterin nach ihrem Studium gerne nach Brasilien und dort Agroforstwirtschaft betreiben. Der Impact sei dort grösser als wenn sie ein solches Projekt in der Schweiz durchführen würde. Die vier Porträts findest du hier und hier.

Kurz & knapp:

  1. Der Klimaschutz in der Schweiz hat abgenommen. Das zeigt eine Auswertung der Klimaschutzorganisation Germanwatch. Die Schweiz ist im vergangenen Jahr um ganze sieben Plätze nach hinten gerutscht und befindet sich nun auf dem 22. Platz – noch hinter der EU. Die Hauptgründe: «Zum einen nehmen die Emissionen bei uns nicht so rasch ab wie sie müssten, damit die Schweiz ihre Klimaziele erreichen kann und zum anderen sind die Instrumente der Schweizer Politik für den Klimaschutz noch immer nicht in Kraft», erklärte Patrick Hofstetter von der Allianz der Schweizer Umweltverbände dem SRF. An der Spitze würden Dänemark, Schweden, Chile und Marokko liegen. Weil sich aber kein Land auf dem Pfad des Pariser Klimaziels befinde, seien die ersten drei Plätze im Ranking gar nicht vergeben worden. 
  2. Kommenden Sonntag stimmt die Stadt Zürich darüber ab, ob mehr Geld in die Fernwärme investiert werden soll. Genau genommen handelt es sich um einen Kredit in der Höhe von 573 Millionen Franken, mit welchem der Ausbau der thermischen Netzen vorangetrieben werden soll. Weitere Informationen findest du hier. Falls du deine Abstimmungsunterlagen noch nicht abgeschickt hast – ab zur Urne!
  3. Grosse Schweizer Unternehmen müssen ab dem 01.01.2024 offenlegen, welchen Effekt ihre Tätigkeiten auf die Klimakrise haben. Das hat der Bundesrat vor wenigen Tagen entschieden und eine entsprechende Verordnung verabschiedet. Transparenz sei ein zentrales Element für das Funktionieren der Märkte sowie für Klimanachhaltigkeit im Finanzsektor, heisst es in der entsprechenden Mitteilung.
  4. In den letzten Wochen wurden verschiedenste politische Vorstösse diskutiert und dem Stadtrat überwiesen, die sich mit dem Klima beschäftigen. So verlangten beispielsweise zwei SP-Gemeinderätinnen eine «Netto-Null Zürich-Charta», die Unternehmen an ihre Klimaziele binden soll. Die Firmen in der Stadt würden sich so zum Netto-Null-Ziel bis 2040 bekennen. Ein anderer Vorstoss will, dass in städtischen Betrieben nur noch Lebensmittel aus der Schweiz angeboten werden. Die Initianten – zwei SVP-Politiker – argumentieren mit der höheren Klimaverträglichkeit von regionalen Produkten. Nach einem Änderungsantrag der Grünen wurde das Postulat schliesslich ebenfalls dem Stadtrat überwiesen. Falls du wissen willst, was im Stadtzürcher Parlament jeweils so passiert, empfehle ich dir, das Gemeinderats-Briefing zu abonnieren (das sieht dann ungefähr so aus). Anmelden kannst du dich hier.
  5. Welche Rolle spielt die Kunst und Kultur für die Klimakrise? Dieser Frage ist meine ehemalige Redaktionskollegin Coraline Celiker nachgegangen und hat mit der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Christine Lötscher gesprochen. Sie sagt: «Künste können dazu führen, dass wir Zusammenhänge und Probleme besser erkennen. Denn wenn man mal weiss, wo das Problem liegt, kann man auch eher nach Lösungen suchen.» Das ganze Interview findest du hier
  6. Mitte November hat unter dem Titel «Klimaschutz konkret – wir schaffen das» der dritte Zürcher Klimadialog stattgefunden. Laut Medienmitteilung des Kantons Zürich diskutierten 180 Vertreter:innen aus Gemeinden und der kantonalen Verwaltung, wie sich die Klimastrategien umsetzen lassen und tauschten ihre Erfahrungen untereinander aus. Als Gästin war auch Simonetta Sommaruga vor Ort: «Den Kantonen und Gemeinden kommt bei der Umsetzung eine wichtige Rolle zu, da sie die Situation vor Ort gut kennen. Jede Wärmepumpe, jedes Fernwärmenetz, jedes isolierte Gebäude und jede Pelletheizung hilft, den CO2-Ausstoss zu verringern und die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren», so die Bundesrätin in ihrer Rede. 
  7. 14 Prozent der Oberflächen im Kanton Zürich sind versiegelt – sprich mit einer luft- und wasserundurchlässigen Schicht, meist aus Asphalt oder Beton, bedeckt. Das bringt eine Untersuchung des Statistischen Amts des Kantons Zürich zu Tage. Nur die Kantone Basel-Stadt mit 46 und Genf mit 30 Prozent versiegelten Flächen stehen noch schlechter da. Eine hohe Bodenversiegelung führt im Sommer zu einem verstärkten Hitzeinsel-Effekt. Du willst mehr darüber erfahren? Hier klicken.

Bild: Screenshot Bianca Zapatka

Mexikanisch gefüllte Süsskartoffeln

Zutaten für 4 Personen
Zubereitungszeit: 60 min

Zutaten:

  1. 4-5 mittlere Süsskartoffeln
  2. 1 EL Öl
  3. 1 Zwiebel
  4. 2 Knoblauchzehen
  5. 1/2 rote Paprika
  6. 1 Dose schwarze Bohnen
  7. 1 Dose Mais
  8. 3-4 EL Salsa-Sauce
  9. Salz und Pfeffer
  10. Prise Chili
  11. 120g (veganer) Käse

Avocado Aioli:

  1. 1 Avocado
  2. 1-2 EL vegane Mayonnaise
  3. 1-2 Knoblauchzehen
  4. 1 TL Zitronensaft
  5. Salz und Pfeffer

Garnitur:

  1. frische Petersilie oder Koriander
  2. Frühlingszwiebeln
  3. Limettensaft

Den Ofen auf 220°C vorheizen und ein Backblech mit etwas Öl bepinseln. Die Süsskartoffeln ein paar Mal mit einer Gabel einstechen und auf das Backblech legen. Etwa 40-50 Minuten backen – oder bis sie weich sind. Während die Süsskartoffeln backen, das Öl in einer Pfanne erhitzen. Die Zwiebeln und Paprika hinzugeben und ca. 3-5 Minuten braten bis sie gebräunt und weich sind. Den Knoblauch hinzufügen und eine weitere Minute braten. Mit Salz, Pfeffer oder anderen Gewürzen abschmecken und beiseite stellen. 

Sobald die Süsskartoffeln weich sind, aus dem Ofen nehmen und ca. 5 Minuten abkühlen lassen. Die Süsskartoffeln in zwei Hälften schneiden und das Innere herauslöffeln und zerdrücken. Mit der Zwiebelmischung, Bohnen, Mais und Salsa vermengen und wieder in die Süsskartoffeln hineingeben. Mit Käse bestreuen und nochmals 5-10 Minuten backen.

Die Good-News zum Schluss

Es gibt Tiere, die überleben klimatische Wetterereignisse, indem sich ihre Gene an die neuen Begebenheiten anpassen. Und es gibt Menschen, die erforschen, wie diese Tiere solche Zeiten überlebt haben. Ein besonderer Ort für solche Forschende ist das Bighorn Basin in Wyoming im Norden der USA. Dort erwärmte sich die Erde vor 56 Millionen Jahren besonders schnell – vermutlich aufgrund von Vulkanausbrüchen. Nicht so rasant wie heute, aber dennoch eignet sich die Phase des sogenannten Paläozän/Eozän-Temperaturmaximums (PETM) für Vergleiche mit heutigen Entwicklungen. Eine Doku von SRF zeigt nun, welche Auswirkungen das auf die dortige Pflanzen- und Tierwelt hatte – und versucht zu erahnen, wie vielleicht in Zukunft vom Aussterben bedrohte Arten gerettet werden könnten. Das Gute daran: Es gibt Hoffnung.

Event-Tipps

Du wirst es bemerkt haben; in den letzten Monaten wurde das Klima-Briefing immer ein wenig umgestellt und -gestaltet. In Marketing-Sprache würde man jetzt von «optimiert» sprechen. Jedenfalls will ich dir die Gelegenheit bieten, deinen nächsten Monat veranstaltungstechnisch zu optimieren. Deswegen führe ich an dieser Stelle neben dem Button, der dich zu den Veranstaltungen von Klimastadt Zürich führt, auch wieder Events auf, die anderweitig an mich gelangten:

  1. 28.11.2022 um 19 Uhr im Kulturpark Zürich: Der Autor Felix E. Müller spricht mit anderen Gäst:innen über die Zukunftsangst der jungen Generation und deren Folgen. Er fragt sich: «Ist die Zukunft so düster?»
  2. 01.12.2022 um 19 Uhr im Karl der Grosse: Podiumsdiskussion zur Verantwortung des Schweizer Finanzplatzes in der Klimakrise unter dem Titel «Der Wandel am Finanzplatz»
  3. Noch bis am 08.01.2023 im Literaturmuseum Strauhof Zürich: Ausstellung «Climate Fiction»