Von Isabel Brun

(Klima-)Redaktorin

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24. Juni 2022 um 09:00

Klima-Briefing im Juni: 36 Grad, und es wird noch heisser

Das Klima-Briefing ist der monatliche Newsletter über Klima-Themen aus Zürich und der Welt. Was uns im Juni 2022 beschäftigt hat: Alle gegen die Hitze, Knatsch um Zürcher Wasserkraftwerk in Graubünden und wie die Wirtschaft die Politik überholt.

Illustration: Zana Selimi

Was habe ich mich gefreut am 30. Mai! Freudensprünge, Gejubel, klirrende Gläser, strahlende Gesichter – es war ein grosser Tag für mich, denn dank über 300 Unterstützer:innen unseres Crowdfunding wird es meine 50-Prozent-Stelle, und somit auch das Klimabriefing, ein weiteres Jahr geben. Seit Februar 2022 fasse ich jeden Monat die wichtigsten Ereignisse der Klimapolitik Zürichs und der Schweiz zusammen, zeige dir Neues aus der Wissenschaft auf und biete Klima-Menschen eine Plattform. Den Newsletter wird immer am letzten Freitag des Monats an alle Interessierten verschickt und anschliessend auf unserer Webseite als Artikel veröffentlicht – damit er auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist. 

Weshalb es wo am heissesten wird

Auch Freude verspürt hatte ich, als mich der vergangene Mittwochmorgen mit 20 Grad begrüsste. Nach dem Wochenende aus der Hölle, bei dem das Thermometer auf 36 Grad und mehr kletterte, wahrlich eine Wohltat. Die erste Hitzewelle 2022 haben wir also geschafft – und das im Juni. In der Stadt Zürich wurden gemäss der NZZ bereits jetzt so viele Tropennächte gemessen, wie im ganzen Jahr zuvor. Anders als erwartet war es kantonal gesehen jedoch nicht in der Stadt Zürich, sondern in Winterthur am heissesten: Auf dem Neumarkt in dessen Altstadt wurde zwischen dem 12. und 19. Juni Maximaltemperaturen von bis zu 38,4 Grad gemessen – drei Grad mehr, als einige Kilometer weiter auf dem Land: In Lindau kroch das Quicksilver nur auf 35,2.

Nichtsdestotrotz war es gerade in der Stadt Zürich in diesen Tagen wieder extrem heiss: Auf dem Hardplatz wurde es gemäss Messungen des Zürcher Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft, kurz Awel, am vergangenen Wochenende zeitweise über 37 Grad warm. Dass Städte und somit auch Zürich als Hitzeinseln gelten, ist nichts Neues. Schlechte Durchlüftung, viel Asphalt oder Beton, wenig Grünflächen.Bereits vergangenes Jahr interviewte unsere damalige Redaktionspraktikantin Jenny den ETH-Professor Jan Carmeliet zur Problematik. Er hatte zusammen mit anderen Forschenden «Hitzekarten» von Zürich erstellt. Das Ergebnis: An Orten, an denen die Stadt dicht verbaut ist, wird es wärmer als an Orten, bei welchen die Luftzirkulation besser gewährleistet, Bäume gepflanzt und versickerungsfähige Bodenbeläge verbaut waren. Hoffnung setzte Carmeliet in ein Pilotprojekt, das mit hellen Strassenfarben und neuen Belägen experimentierte, damit diese Sonnenstrahlen nicht aufnehmen, sondern reflektieren. 

Was sich in der Theorie gut anhört, schien sich in der Praxis nicht zu bewähren. Wie die Resultate des Projekts im Rahmen der «Fachplanung Hitzeminderung» der Stadt in der Roggenstrasse nun zeigen. Zwar waren die hellen Belagsflächen 2 Grad kühler als die Referenzbeläge, für einen viel grösseren Temperatur-Unterschied sorgt jedoch die Beschattung durch Bäume oder Gebäude, heisst es in einer entsprechenden Mitteilung. Einer anderen Spur, um die Hitze in der Stadt zu mindern, geht das Projekt auf dem Turbinenplatz nach: mithilfe von Sprühnebel soll die Betonwüste ab Juli diesen Jahres heruntergekühlt werden, schreibt der Tages-Anzeiger – das Projekt ist für drei Jahre geplant und die Installation könnte auch an anderen Plätzen in der Stadt montiert werden. Als Vorbild gilt ein Nebelring, der im Jahr 2018 an der Design Week in Mailand zu sehen war.

So ähnlich, aber in sechs Meter Höhe soll eine Wolke aus Sprühnebel die Menschen auf dem Turbinenplatz abkühlen. (Bild: Screenshot Tages-Anzeiger)

«Wassersparen ist kein Volkssport in der Schweiz»

Kühlung durch Wasser – es scheint simpel. Doch was als Wunderwaffe gegen Hitze verkauft wird, ist gleichzeitig ein immer rareres Gut. Denn je heisser die Temperaturen, desto weniger Wasser gibt es. Grund dafür ist die globale Erderwärmung und der enorme Wasserverbrauch in der Landwirtschaft und Industrie. Zwar hat sich die jährliche Niederschlagsmenge in der Schweiz laut Auswertungen von Meteo Schweiz nicht signifikant verändert, die Jahresmittel-Temperatur in der Schweiz ist in den letzten 150 Jahren jedoch um rund 2 Grad gestiegen. Keine gute Kombination: Nicht nur war der Mai 2022 der wärmste seit Messbeginn 1864, er war auch der niederschlagsärmste. In Lugano gab es über 60 Prozent weniger Regen als in einem durchschnittlichen Mai. 

Im Tessin kam es in einigen Gemeinden deshalb bereits in diesem Monat zu Trinkwasserknappheit. Viele weisen ihre Bewohner:innen darauf hin, ihre Gärten nicht zu bewässern und sparsam mit dem Wasser umzugehen, wie das SRF berichtete. In den letzten zehn Jahren habe sich das Wetter in die Extreme verschoben, so die Gemeinderätin von Lumino. Regnen würde es entweder viel auf einmal oder gar nicht – eine Regelmässigkeit fehle.

Das Problem sei gar nicht die zunehmende Trockenheit, sondern der erhöhte Bedarf, widerspricht der Hydrologe Massimiliano Zappa in der NZZ. Deshalb gelte, dort einzugreifen: Zappa arbeitet zusammen mit anderen Fachpersonen an einem nationalen Frühwarnsystem zur Trockenheit in der Schweiz. Bis ins Jahr 2025 soll dieses ausgearbeitet sein und die Bevölkerung und Behörden mehrere Wochen im Voraus warnen, wenn sich eine kritische Trockenphase anbahnt. Gemäss der Zeitung reagieren wir alle viel zu spät auf Dürrezeiten, weshalb sich gewisse Schäden nicht mehr vermeiden lassen. Wasser sparen, lautet also der Tenor. Oder in Worten Zappas: «Wassersparen ist noch kein Volkssport in der Schweiz», im Gegensatz zu den Mittelmeerländern.

Wie umweltschädlich sind Stauseen?

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hat der Wassermangel auch auf die Seen, Flüsse und Bäche. Dabei liege die Hauptproblematik nicht bei den höheren Temperaturen oder dem fortschreitende Abschmelzen der Gletscher. Expert:innen des Eawag – dem Forschungsinstitut der ETH – haben herausgefunden, dass es für unsere Wassersysteme entscheidend ist, mit welchen Massnahmen die Bevölkerung auf das veränderte Klima reagiert. Wie das Bundesamt für Umwelt in einer Mitteilungschreibt, sind also nicht nur die direkten, sondern vor allem die indirekten Auswirkungen problematisch für unsere Umwelt. Wenn also zum Beispiel mehr Wasser für die Landwirtschaft gebraucht wird, weil über längere Zeit kein Regen mehr fällt. Aber auch die verstärkte Nutzung von Wasserkraft birgt laut den Forschenden Risiken für die Gewässer und deren Ökosysteme: «Fliesst stromabwärts von Kraftwerken weniger Wasser, wird der Fluss wärmer und es besteht die Gefahr, dass sein Bett stellenweise austrocknet. Zudem bilden Staudämme oder Flusskraftwerke oft unüberwindbare Barrieren für Wasserorganismen», erklärt die Erstautorin der Studie, Morgane Brosse, das Problem. Das wiederum begünstige Krankheiten oder vermindere die Artenvielfalt. Beides seien zwar bereits Folgen des direkten Klimawandels, würden jedoch durch die Reaktionen des Menschen noch verstärkt.

Doch gibt es dafür überhaupt eine Lösung? Wichtig ist, dass wir die Folgen der Massnahmen sorgfältig abwägen, lautet Brosses Antwort, «damit wir mit unserem Handeln die Situation nicht noch verschlechtern.» Gerade bei der Wasserkraft müssten wir noch mehr machen: Diese sei zwar erneuerbar, aufgrund ihrer starken Nutzung in vielen Fällen aber nicht nachhaltig. «Gelingt es, die Nutzung der Stauseen so zu optimieren, dass nicht nur Strom produziert wird, sondern das gespeicherte Wasser auch eingesetzt werden kann, um Dürrezeiten zu überstehen, lassen sich sowohl für den Klimaschutz als auch für die Biodiversität gewinnbringende Lösungen finden», so die Forscherin. 
Im Strommix des Elektrizitätwerks der Stadt Zürich (EWZ) stammt rund 60 bis 70 Prozent des Stroms aus Wasserkraftwerken.

Doch dieser stammt nicht aus Zürich selbst, sondern von Stauseen in Schwyz, Graubünden und im Aargau. Zu wenig würde das Kraftwerk am Letten generieren um die grösste Stadt der Schweiz mit Strom zu versorgen. Einer der Stauseen war Anfang dieses Monats Stargast in den Zürcher Medien: Der Lai da Marmorera unterhalb des Julierpasses. 1954 erstellte die EWZ dort ein Kraftwerk und darf das Wasser für ihre Zwecke nutzen. Allerdings läuft der Vertrag 2035 aus – und das obwohl die EWZ gerne nochmal 200 Millionen investieren und die Staumauern um 14 Meter erhöhen möchte, um die drohende Stromlücke in den Wintermonaten füllen zu können. Doch Graubünden spielt scheinbar nicht mit: Wie der Tages-Anzeiger berichtete, will der Bergkanton das Wasserkraftwerk am Marmorera lieber für sich haben – zumindest zu einem Teil.

Während man in Zürich nun abwartet, beschwichtigt der Bündner Energiedirektor: Es sei noch nicht definitiv entschieden, wie es nach 2035 weitergehen soll. Und auch nach einer allfälligen Übernahme der Mehrheit am Wasserkraftwerk sei eine Fortsetzung der «bewährten Partnerschaft mit dem EWZ» geplant. Der Zürcher Stadtrat Michael Baumer gab sich über die Pläne Graubündens zwar «irritiert», glaube aber an eine weitere Kooperation: «Damit wir gesamtschweizerisch die Energiewende schaffen, müssen alle am gleichen Strick ziehen und die erneuerbaren Energien ausbauen.»

Der Stausee Marmorera anno 1955. (Foto: EWZ Bildarchiv/V.G.c.161.:4.1.04547)

Die Gletscher schmelzen, die Politik diskutiert

Ja, der beliebte Strick, an dem immer alle ziehen sollen. Manchmal muss ich dabei ans Seilziehen denken, das man aus der Schule kennt. Und am Schluss liegen meist alle am Boden. Im Falle des indirekten Gegenentwurfs zur Gletscher-Initiative duellierte sich die SVP mit allen anderen. Am 14. Juni wurde darüber nämlich im Nationalrat debattiert. Wir erinnern uns: Die Gletscher-Initiative, die offiziell Eidgenössische Volksinitiative «Für ein gesundes Klima» heisst, wurde bereits im November 2019 vom Verein Klimaschutz Schweiz eingereicht. Die Initiative verlangte, dass die Schweiz ab 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen darf als natürliche und technische CO2-Speicher aufnehmen können; also Netto-Null bis 2050. Ausserdem sollen ab diesem Zeitpunkt in der Schweiz grundsätzlich keine fossilen Energieträger (Öl, Gas, Benzin oder Diesel) mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Ausnahmen wären bei Anwendungen möglich gewesen, für die es keine technischen Alternativen gibt.

Der Bundesrat fand diese Forderungen jedoch zu extrem. Zwar hielt er an Netto-Null bis 2050 fest, verzichtete aber auf ein grundsätzliches Verbot fossiler Brennstoffe. Gemäss der entsprechenden Medienmitteilung von 2021 soll künftig auch die spezielle Situation der Berg- und Randgebiete in der Klimapolitik berücksichtigt werden. Denn diese seien mit dem öffentlichen Verkehr schlechter erschlossen als städtische Gebiete. Aus diesem Grund beauftragte er das Parlament, einen Gegenentwurf auszuarbeiten. Ebendieser liegt nun vor: Statt auf Verbote setzt die Umweltkommission des Nationalrats auf Fördermassnahmen. Klima-Investitionen von Firmen sollen mit bis zu 1,2 Milliarden Franken über sechs Jahre unterstützt werden, solche bei Gebäuden mit 2 Milliarden über zehn Jahre. Weiter definiert der Gegenentwurf Zwischenziele und Richtwerte für einzelne Sektoren auf dem Weg zum Netto-Null-Ziel im Jahr 2050. Beispielsweise sollen die Treibhausgasemissionen in der Schweiz bis 2040 um 75 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden.

Die Pläne der Umweltkommission kamen im Nationalrat gut an. Wie das SRFberichtete, wurde der indirekte Gegenvorschlag von allen Parteien ausser der SVP gutgeheissen. «Sie retten mit diesem indirekten Gegenentwurf keinen einzigen Zentimeter Gletscher», argumentierte der SVP-Mann Michael Graber. Hier gehe es um mehr als die Rettung der Gletscher, hielt Barbara Schaffner von den Grünliberalen dagegen: «Es geht um eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder, Enkel und Urenkel. Und das weltweit.» Auch der Mitinitiant der Gletscher-Initiative, Marcel Hänggi, gab sich zufrieden über den Vorschlag des Parlaments: «Ich bin überzeugt, dass der indirekte Gegenvorschlag etwas ist, das uns voranbringt», sagte er in der Arena-Sendung zur Klimapolitik Mitte Juni. Er sei optimistisch, dass der Ständerat die Vorlage ebenfalls durchwinken wird. Wenn nicht, seien er und sein Team bereit für den Abstimmungskampf.

Die meisten wollen teurere Flugtickets – dem Klima zuliebe

Angst, dass es wie vor einem Jahr beim CO2-Gesetz werden könnte, scheint Hänggi nicht zu haben. Obwohl sich damals auch alle Parteien bis auf die SVP für die Vorlage aussprachen und diese schliesslich trotzdem vom Schweizer Stimmvolk abgeschmettert wurde. Damals scheiterte die Initiative gemäss Expert:innen unter anderem, weil viele sich vor hohen Folgekosten fürchteten. Auch der Stadt-Land-Graben trug dazu bei, schon lange war er nicht mehr so sichtbar wie nach der Auszählung der Stimmen. Im Kanton Zürich wäre die Initiative übrigens angenommen worden, wenn auch nur knapp mit 55,4 Prozent. Zurück ins 2022 und dem Grund, weshalb ich es dir antue, erfolgreich Verdrängtes wieder präsent zu machen: In einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstitut GfS Zürich und der «NZZ am Sonntag» kam es zu erstaunlichen Ergebnissen bezüglich Lenkungsabgaben: Während in der Zeit von der Abstimmung zum CO2-Gesetz die Massnahme der Flugticketabgaben als zu extrem galt, sprachen sich nun drei Viertel der 1000 Umfrageteilnehmenden für eine Verteuerung von Flugtickets im Namen des Klimas aus. Gemäss SRF decken sich die Ergebnisse mit früheren Umfragen. Wenn wir es wollen, weshalb tun wir uns doch so schwer damit, wenn es konkret wird?

Der Verhaltensökonom Gerhard Fehr meinte dazu: «Für Herausforderungen wie den Klimawandel sind wir nicht gemacht.» Wir seien zu ungeduldig, wollen kurzfristigen Nutzen. Was dagegen helfen kann: Preisanreize, «allerdings sind sie auch das Thema, das die Politik am liebsten umschifft, weil es so schwierig ist», so Fehr im Interview mit der NZZ.  Anders als die Politik sei die Wirtschaft schon einen Schritt weiter, behauptete indes der Klimaexperte Reto Knutti: «Es gibt sehr viele Firmen, die sich sehr ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihre Treibhausgasemissionen auf null runterbringen», sagte er Ende Mai gegenüber der NZZ. Die Unternehmen wüssten, dass irgendwann eine strengere Gesetzgebung kommen wird. Trotzdem braucht es Knutti zufolge politische Rahmenbedingungen, die für «gleich lange Spiesse sorgt».

Kurz und knapp:

  1. In der Stadt Zürich sollen Vorlagen künftig auf deren Klimaverträglichkeit geprüft werden. Das forderten Mitte Juni die Grünen. Ziel sei, dass der Stadtrat und das Parlament keine Entscheidungen treffen, die dem Netto-Null-Ziel entgegenwirken, erklärte Roland Hohmann, der die Motion zusammen mit seiner Parteikollegin Julia Hofstetter eingereicht hatte. In der Vergangenheit habe die Stadt diesem Faktor bei Grossprojekten nur wenig Aufmerksam geschenkt – namentlich der Rosengartentunnel, das Fussballstadion oder den Umbau des Kongresshauses. Der Vorstoss liegt nun beim Stadtrat.
  2. Um den Albisriederplatz herum fährt niemand gerne Velo. Vielleicht auch, weil es dort kaum Platz gibt. Aus diesem Grund verlangte der Verkehrsclub VCS einen Veloweg bei der Badenerstrasse. Das Tiefbauamt hingegen fand dies überflüssig weil zu teuer, weshalb der VCS Einsprache erhob. Wie der Tages-Anzeiger schrieb, hat der Verkehrsclub vor dem Verwaltungsgericht recht bekommen. Bis jetzt ist allerdings noch nicht klar, ob die Stadt dem VCS folgt oder das Urteil vor das Bundesgericht ziehen will.
  3. Wusstest du, dass bei Neubauten in der Stadt Zürich pro 120 Quadratmeter Wohnfläche ein Parkplatz gebaut werden muss? Es kann also gut sein, dass du und deine Nachbar:innen theoretisch gesehen einen Parkplatz zu Gute hätten. Nur haben die Wenigsten, die ich kenne, ein Auto in der Stadt. Wie mein Kollege Simon in einem Artikel ausführt, regt sich deshalb nun Widerstand gegen diese Vorschrift. Die grüne Gemeinderätin Selina Walgis beispielsweise bezeichnet die Vorgabe von Pflichtparkplätzen als «nicht sinnvoll» und «nicht zeitgemäss» und plädiert für deren Abschaffung. Andere, so auch das Tiefbauamt, sehen in den Parkplätzen eine «Entlastung» des restlichen Strassenraums. Na, dann: Happy Parking!
  4. Dass Gas und Öl in den letzten Monaten teurer wurden, darüber habe ich ja auch schon in früheren Klima-Briefings berichtet. Doch nicht alle Hausbesitzer:innen, die ihre Liegenschaften mit Gas heizen oder dieses zum Kochen brauchen, müssen gleich viel bezahlen. «Zürich senkt Gaspreise, Bern erhöht sie – wie kann das sein?», titelte das SRF vor zwei Wochen. Grund dafür sei die Einkaufsstrategie der Energieversorger. An den Handelsbörsen könne grob gesagt kurzfristig und längerfristig Gas beschafft werden. Wer weit im Voraus einkauft, sei demnach weniger stark von den Schwankungen betroffen, die an sogenannten Spotmärkten herrschen würden. So oder so, Thomas Hegglin vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie geht davon aus, «dass dass der Preis sehr volatil bleibt» – auch wegen der Angst eines Gaslieferstopps aus Russland. Mitte Juni 2022 kostete eine Kilowattstunde 14,3 Rappen; doppelt so viel wie noch vor einem Jahr.
  5. 2000 Bäume hat der Sturm «Bernd», der vor einem Jahr durch die Region wütete, auf dem Gewissen. Wie die Stadt vor vergangenen Mittwoch in einer Mitteilung schrieb, hat der Stadtrat für die Behebung der Sturmschäden und für den Baumersatz nun 6 Millionen Franken locker gemacht. Obwohl die Schäden noch heute nicht ganz behoben seien, habe der Sturm auch eine Chance für den Wald bedeutet. Der Grund: Jetzt würden Bäume gepflanzt, die dem zunehmend trockenen Klima besser gewappnet seien. 

Bild: Unsplash/Hans-Jurgen Mager

Klimaköpfe des Monats: Eisbären

«Sie sind die Könige auf dem ewigen Eis», beginnt das Lied, das davon handelt, dass wir die Eibären sehen wollen. Dass die König:innen in Gefahr sind, weiss man schon lange. Die Zeit zitierte vor knapp zwei Jahren eine Studie der Fachzeitschrift Nature Climate Change, dass Eisbären aufgrund der Klimaerwärmung bereits bis ins Jahr 2100 ausgestorben sein könnten. Schrumpft das Eis am Nordpol schneller, verkleinere sich das Zeitfenster, das den Bären für die Robbenjagd bleibe. Ohne Packeis kein Futter und somit auch keine Eisbären.

Deshalb war ich mehr als erstaunt, als ich die Überschrift im Tages-Anzeiger las: «Eisbären können sich an den Klimawandel anpassen», hiess es. Wie die Zeitung schrieb, haben Forschende in Südostgrönland eine Eisbären-Art entdeckt, die sich den klimatischen Bedingungen besser anpassen können als solche, die in der Arktis leben. In den untersuchten Gegenden entspreche das Meereis bereits jetzt den Gegebenheiten, die für die Hocharktis Ende des 21. Jahrhunderts prognostiziert wurden. Die etwa hundert Tiere, um die es sich handelt, sind laut den Forschenden nicht mehr auf Packeis angewiesen. Die Hoffnung stirbt also doch zuletzt. 

Das kommt in den nächsten Wochen auf uns zu:

  1. Du möchtest nicht einfach nur schwitzend zusehen, sondern selber erfahren, wie und womit die Hitze in Zürich gemindert werden könnte? Dann ab in die Stadtgärtnerei. Von 16.06.22 bis 29.05.23 wird dort gezeigt, wie der Weg hin zu einer kühleren – ansonsten ist Züri ja schon ziemlich cool – Stadt aussehen könnte. «Cool down Zurich» heisst die Ausstellung von Grün Stadt Zürich, bei der Besucher:innen an verschiedenen Stationen erproben können, wie Pflanzen, Wasser, Schatten und helle Oberflächen die Lufttemperatur beeinflussen.
  2. Zu Gedichten über Gletscher in Island kannst du nächsten Dienstagabend im Literaturhaus lauschen. Dann ist dort nämlich die Autorin Steinunn Sigurðardóttir (what a Name!) zu Besuch und liest aus ihrem neusten Werk «Nachtdämmern». Tickets gibt's hier

Bild: daskochrezept.de

Rezept mit dem Gemüse des Monats: Gefüllte Zucchini mit (veganem) Feta

Zutaten für 4 Personen
Zubereitungszeit: 65 min

  • 2 Zucchini (ca. 500 g) 
  • Salz
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 - 3 Tomaten (ca. 240 g) 
  • einige Zweige Oregano
  • frische Petersilie
  • 100g (veganer) Feta
  • 2 EL Olivenöl
  • frisch gemahlener Pfeffer
  • ½ Dose passierte Tomate (200 g)
  • Zucchini längs halbieren. Hälften mit einem Löffel aushöhlen, dabei einen 0,5 cm dicken Rand stehen lassen. Ausgehöhltes Zucchinifleisch in kleine Stücke schneiden, auf einem Küchenpapier ausbreiten und salzen. Zucchinihälften ebenfalls salzen und beiseite stellen. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Tomaten vierteln, dabei den Strunk entfernen. Kerne und Saft (Gallerte) herauslösen und beiseite stellen, das Fruchtfleisch würfeln. Kräuter grob hacken. (Veganer) Fetakäse würfeln. Backofen auf Umluft 180 Grad (Ober- und Unterhitze 200 Grad) vorheizen und eine Auflaufform (20 x 30cm) mit Olivenöl ausreiben. Zucchinistücke ausdrücken (dafür kannst du ein sauberes Geschirrtuch verwenden), mit Zwiebel-, Knoblauch- und Tomatenwürfeln, Kräutern und Olivenöl vermengen und mit Salz und Pfeffer würzen. 

    Tomatenkerne und Saft (Gallerte) mit passierten Tomaten verrühren. Die Sauce in die Auflaufform geben und gleichmäßig verteilen. Zucchinihälften mit Küchenpapier trocken tupfen und auf die Sauce in die Auflaufform setzen. Gemüsemischung einfüllen und mit Feta-Würfeln bestreuen. Im vorgeheizten Ofen ca. 25-30 Minuten backen. Gefüllte Zucchini auf Teller verteilen und servieren. Dazu passt Reis.

    Der Tipp zum Schluss

    «Jeans sollte man nicht waschen – imfall», sagte mir eine Freundin vor einigen Wochen. «Wäh!», antwortete ich und fragte Google, ob sie denn nun recht hat oder nicht. Dabei stiess ich auf einen Artikel der Süddeutschen die den Levi's-Chef Chip Bergh zitierte:Die Jeans, die er gerade trage, besitze er seit einem Jahr – und sie habe noch nie eine Waschmaschine von innen gesehen. Der Grund für Berghs scheinbare Unhygiene hat aber nicht nur mit dem Aspekt des Wassersparens zu tun, sondern vor allem damit, dass durch seltenes Waschen Material und Farbe der Jeans geschont wird. Nächstes Mal also lieber einmal mehr auslüften als in die Waschmaschine werfen.