Von Isabel Brun

(Klima-)Redaktorin

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29. Juli 2022 um 10:00

Klima-Briefing im Juli: Der kälteste Sommer deines zukünftigen Lebens

Das Klima-Briefing ist der monatliche Newsletter über Klima-Themen aus Zürich und der Welt. Was uns im Juli 2022 beschäftigt hat: Die Schweiz schwitzt weiterhin, in Europa tobt das Feuer und der Winter kommt bestimmt.

Illustration: Zana Selimi

Wie soll ich dieses Klima-Briefing beginnen, ohne mich über die Hitze zu beschweren, wenn mir zur selben Zeit im 29,4 Grad heissen Büro der Schweiss aus allen Poren schiesst? Es tut mir Leid, aber ich habe diese Hitze satt: Ich kann mich weder konzentrieren, noch schlafen, noch guten Gewissens einen Ventilator vors Gesicht stellen und mir meinen verschwitzten Pony trocken blasen lassen: Denn ja, auch der braucht natürlich Strom, was irgendwie alles nur noch schlimmer macht. Ein Dilemma. Nichtsdestotrotz schwören andere aus dem Tsüri-Team auf die vertikalen Propeller: «Nie mehr ohne», meinte letztens meine Redaktionskollegin Alice. Bevor ich meine Recherchen für diesen Newsletter begann, stand ich kurz davor, mir auch so ein Ding für 30 Franken zu besorgen, nun sieht das Ganze wieder ein wenig anders aus...

Bevor ich dir die News zu Klima-Themen aus Zürich und der Welt – oder zumindest Europa – näher bringe, zwei Infos vorab:

1. Die Leserschaft hat entschieden: Es bleibt bei einem Klima-Briefing pro Monat. Du und ich müssen also künftig nicht schon alle zwei Wochen unter akuter Climate Anxiety leiden. Juhu!
2. Das Klima-Briefing Ende August fällt aus. Nicht etwa, weil im August klimatechnisch nichts Wichtiges passieren würde, sondern weil ich am letzten Freitag des Monats meinen Schweiss mit toskanischem Wein abwaschen werde a.k.a. ich Ferien habe. 

Nicht alle Hitzeminderungsmassnahmen sind gleich cool

So, nachdem das Organisatorische geregelt ist, widmen wir uns wieder der Hitze: Dass es in Zürich diesen Sommer ungewöhnlich heiss ist, darüber habe ich ja bereits im letzten Klima-Briefing geschrieben. Versiegelte Oberflächen, verdichtetes Bauen und fehlende Grünflächen sorgten in den letzten Wochen stellenweise für Temperaturen von bis zu 38,7 Grad, wie die NZZ in ihrem Hitze-Report schrieb. Massnahmen wie der Nebelring auf dem Turbinenplatz sollen Abhilfe schaffen. Doch die Sprühnebel-Installation ist nicht der einzige Versuch der Stadt, die Hitze zu mindern: Auch mit Vertikalbegrünungen, hellen Strassenbelägen und der Idee der «Schwammstadt» wird experimentiert.

Anfang Juli habe ich fünf Projekte der Klimaforscherin Veruska Muccione vorgelegt und sie gefragt, welche davon zukunftsfähig sind. Während sie sich vom Nebelring nur wenig begeistert zeigt, setzt sie vor allem auf den Erhalt des sogenannten Kaltluftsystems. Am Abend und in der Nacht entsteht kühle Luft an den Hängen und wird durch die  Gebäude-Zwischenräume in die Innenstadt transportiert. Die Stadt hätte dank ihrer Lage – eingebettet zwischen Hügeln und dem See – also eigentlich gute Voraussetzungen, durch den natürlichen Luftfluss abzukühlen. Wären da nicht etwaige Häuser, die der Luft den Weg versperren. Zwar will die Stadt dies möglichst verhindern, doch: Nur ein Drittel der Immobilien auf Stadtgebiet gehören ihr. Sie hat also nur wenig Einfluss darauf, ob Private und Genossenschaften die Kaltluftschleusen bei Neubauten berücksichtigen. Es sei deshalb wichtig, dass die Stadt in die Aufklärung von privaten Eigentümer:innen investiere, so Muccione: «Sie sind Teil der Lösung.»

Die Vertikalbegrünung am ehemaligen Bettenhaus Triemli ist ebenfalls eine Massnahme gegen steigende Temperaturen. (Bild: Stadt Zürich/Adrian Reusser) (Foto: Stadt Zürich / Adrian Reusser)

Vielversprechend ist gemäss der Klimaforscherin neben den Kaltluftschleusen das Prinzip der«Schwammstadt». Diese sollte ursprünglich Städte gegen Hochwasser schützen, indem Regenwasser in Beeten, Grasflächen, mit Bäumen, Dach- oder Vertikalbegrünungen zurückgehalten wird. Das hat auch einen positiven Effekt auf die Hitze, da das Wasser so langsamer verdunstet und dabei die Aussentemperatur herunterkühlt. Einzig die zunehmenden Trockenperioden geben Muccione zu denken: «Wasser wird eine immer wichtigere Ressource werden, die es zu erhalten gilt. Bei der Bewertung der Wirksamkeit dieser Hitzeminderungs-Massnahmen muss daher auch die Durchführbarkeit berücksichtigt werden.»

Wasserknappheit spitzt sich zu

Tatsächlich wurde aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen das Wasser in den vergangenen Wochen immer knapper: Während im Juni lediglich einzelne Region im Tessin dazu aufriefen, sparsam mit Wasser umzugehen (darüber berichtete ich im Klima-Briefing vom Juni), sind nun auch Deutschschweizer Gemeinden von einer Knappheit betroffen – und wechseln von Geboten zu Verboten: Im Jura, Glarus und Tessin steht das Wässern des Gartens oder Waschen des Autos mittlerweile unter Strafe. Und im Kanton Thurgau gilt seit einer Woche ein generelles Wasserentnahmeverbot aus natürlichen Gewässern.

Im trockensten Gebiet des Ostschweizer-Kantons hatte man deshalb versucht, ein System auszutüfteln, das für eine bessere Verteilung von Wasserreserven sorgen soll. Wie das SRF schrieb, wurden für das Projekt «Smart Water» in der ganzen Region Amriswil Sensoren installiert, welche die Feuchtigkeit im Boden, den Luftdruck, die Sonneneinstrahlung oder die Temperaturen von Boden und Luft messen. Mit dem Ziel, künftig besser einschätzen zu können, welche Grünflächen dringender Wasser benötigen als andere. Das vereinfache es, Wasser zu sparen – vor allem für Landwirt:innen: Beim letzten Hitzesommer vor vier Jahren hätte der Wasserwart noch persönlich auf den Höfen vorbei gehen müssen und sagen: «Du musst jetzt das Wasser abstellen», erklärt Urban Kronenberg, vorsitzender Geschäftsleiter der Regio Energie Amriswil. Die Testphase des «Smart Water»-Systems gilt nun als abgeschlossen: Jetzt wolle man Nägel mit Köpfen machen. 

Dass solche Messstationen auch in anderen Regionen der Schweiz Sinn machen würden, zeigen Analysen von verschiedenen Medien (NZZTages-Anzeiger). Es wird zunehmend trockener und heisser in unseren Breitengraden. Noch geht der Sommer 2022 laut NZZ aber noch nicht als der heisseste in die Geschichte ein: Zwar wiesen bis zum 22. Juli zehn Tage Temperaturen über 30 Grad auf, an die Hitzesommer 2003 und 2015 kommt er aber (noch) nicht heran. Wie folgende Grafik zeigt:

(Bild: Screenshot NZZ)

Wälder, die brennen – Gletscher, die schmelzen

Europaweit gibt es leider einen anderen neuen Rekord zu verzeichnen: Noch nie hatten wir so viele Waldbrände wie im letzten halben Jahr. Bis zum 16. Juli 2022 registrierte das European Forest Fire Information System – kurz Effis – eine Fläche von etwa 346'000 Hektar. Das entspricht etwa der Grösse des Kantons Waadt. In Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, Tschechien: Europa steht gewissermassen in Flammen. Grund dafür ist auch die extreme Trockenheit; diese sei schon vor der Hitze da gewesen, erklärt der Waldökologe Harald Bugmann von der ETH im Gespräch mit SRF:  «Heiss wird es erst, wenn keine Feuchtigkeit mehr verdunsten kann.» Ein weiterer natürlicher Grund seien die starken Winde. Diese würden die Ausbreitung von Waldbränden erheblich erleichtern. Die meisten Brände aber entstünden durch Nachlässigkeit oder Fahrlässigkeit, zum Teil aber auch aus Absicht: «Man will bestimmte Gebiete abbrennen, damit man später beispielsweise Häuser darauf bauen kann», so Bugmann.

Die Natur könne grundsätzlich mit Waldbränden umgehen, das Problem sei das CO2, dass durch das Abbrennen der Bäume und des Bodens freigesetzt werde: «Wälder speichern sehr viel Kohlenstoff. Wenn Flur- und Waldbrände stattfinden, dann geht dieser Kohlenstoff zurück in die Atmosphäre. Und das ist nicht gut aus der Perspektive des Treibhauseffektes», fasst der ETH-Professor zusammen. Noch seien in der Schweiz vor allem Regionen südlich der Alpen von Waldbränden betroffen, laut Bugmann könnte es aber durchaus sein, dass es in Zukunft auch in Gegenden, die bisher verschont geblieben sind, zu Bränden kommt – wegen länger andauernden und intensiveren Trockenperioden.

Der fehlende Niederschlag sowie zu warme Temperaturen haben auch Auswirkungen in hohen Höhen. Wie die NZZ am 22. Juli schrieb, schmelzen die Gletscher in diesem Jahr schneller als gewöhnlich. «Der Griesgletscher sieht aus wie ein verlorenes schwarzgraues Eisstück in der Wüste», sagte der Forscher Matthias Huss zu der Zeitung. Dieser Anblick ohne einen Flecken Schnee sei nicht einmal gegen Ende des Sommers zu erwarten. Aber dass dies bereits Mitte Juli der Fall sei, mache die Situation noch viel dramatischer. Huss geht davon aus, dass dieses Jahr noch viel mehr Eis schmelzen werde.

(Bild: Screenshot NZZ)

Hitze in der Stadt: «Es hat zu lange niemanden interessiert»

Auch wenn sich dieser Sommer für uns bereits wie ein Gruss aus der Hölle anfühlt, Klimaexpert:innen gehen davon aus, dass es wohl einer der kältesten sein wird, den wir erleben werden – was kommt, wird nur noch schlimmer. Die Massnahmen der Stadt Zürich gegen die Hitze sind also mehr als willkommen. Doch obwohl sich die Verantwortlichen Mühe zu geben scheinen, in den letzten Wochen wurde auch Kritik laut: So wunderte sich Silvia Tobias, Expertin der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in einem Beitrag des SRF über den Sechseläutenplatz: «Dass man da so viel Steinmaterial und keine Grünfläche eingebaut hat», erstaunt die Forscherin. Zumal der Platz erst vor zehn Jahren errichtet worden sei. Und auch der Landschaftsarchitekt Peter Stünzi gab sich im Interview mit dem Tages-Anzeiger frustriert: Gebiete wie die Europaallee seien leider eher die Regel als die Ausnahme, oder anders gesagt: «In den letzten 20 Jahren stand in Zürich die Klimatauglichkeit bei der Gestaltung des öffentlichen Raums nicht im Vordergrund.»

Der ehemalige Direktor des städtischen Gartenbauamts weiss, wovon er spricht: Von 1978 bis ins Jahr 2000 bekam er live mit, wie zwar darüber diskutiert wurde, es an der Umsetzung aber haperte: Eigentlich wisse die Stadt seit 35 Jahren ziemlich genau, was in Sachen Stadtklima auf sie zukommt, sagt Stünzi: Bereits Anfang der 90er-Jahren hätte die Fachstelle Umweltschutz eine Studie zum Stadtklima erarbeitet. «Darin steht klar, dass die Hitze ein grosses Problem werden wird.» Schon damals habe man deshalb viel Grün, mehr Bäume, Durchlüftungskorridore und freie Gewässerräume gefordert. «Nur hat das damals niemanden wirklich interessiert.» Die entsprechenden Stadtratsbeschlüsse seien deswegen zu wenig deutlich formuliert gewesen und hätten Empfehlungen, aber keine Vorgaben enthalten, so Stünzi. 

Mittlerweile scheint die Stadt erkannt zu haben, dass es allerhöchste Zeit ist, etwas gegen die Hitze zu unternehmen: Immerhin hat die Stadtregierung kürzlich bekannt gegeben, in den nächsten Jahren 83 Millionen Franken in Massnahmen zur Hitzeminderung investieren zu wollen. Auch, weil es gesundheitliche Konsequenzen haben kann, wenn es in einer Stadt so heiss ist wie heuer: Laut SRF sterben jährlich 300 Menschen in der Schweiz wegen Hitze. Aus diesem Grund werden seit 2015 Hitzewellen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz als eine der grössten natürlichen Bedrohungen für die Schweiz klassifiziert. Als besonders gefährdet zählen Senior:innen, Kleinkinder, chronisch Kranke oder Schwangere. Oftmals ist bei solchen vulnerablen Personengruppen die Wärmeregulation beeinträchtigt.

Problemfeld «Bäume»

Silvia Tobias, Peter Stünzi wie auch Veruska Muccione sind sich einig: Ein Teil der Lösung findet sich im Ausbau des Grünraums. Während beispielsweise in Lugano 60 Prozent der Fläche in der Stadt Grünflächen sind, liegt der Anteil in Zürich momentan unter 20 Prozent. Doch eine gute Begrünung sei nicht ganz einfach, sagen die Expert:innen, denn einerseits gibt es unter dem Boden auf Stadtgebiet ein dichtes Netz an Leitungen, andererseits brauchen Bäume viel Platz. Eine denkbar schlechte Kombination. Es brauche deshalb innovative Ideen, wie mit dem Problem umgegangen werden kann – und vor allem «verbindliche Normen, die Standards zur Kühlung und Durchgrünung setzen», so Stünzi.

Eine Volksinitiative, die solche verbindliche Abmachungen vorsah, lehnte der Stadtrat erst vor den grossen Sommerferien ab: Die «Stadtgrün Initiative». Die Vorlage verlangt unter anderem, Projekte zur Verbesserung des Stadtklimas zu planen und umzusetzen, Forschungsprojekte zur Innovationsförderung anzugehen und städtische und private Massnahmen zu koordinieren. Finanziert werden sollen die Massnahmen mit pauschal einem Prozent der jährlichen Steuerabgaben über eine Stiftung. Das sei problematisch, findet die Stadtregierung: Eine unbefristete prozentuale Bindung der Steuereinnahmen sei nicht rechtlich, sondern auch inhaltlich problematisch, weil auf künftige Entwicklungen und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht mehr adäquat reagiert werden könne, schrieb sie in einer entsprechenden Mitteilung. Zwar lehne sie deshalb die Initiative «Stadtgrün» ab, erarbeitete aber zwei Gegenvorschläge – einer davon beinhaltet auch die 83 Millionen Franken Fördermittel für Hitzeminderungsprojekte. Entscheiden soll schlussendlich die Stadtzürcher Stimmbevölkerung: Die Volksinitiative, der direkte Gegenvorschlag und der Rahmenkredit sollen gleichzeitig zur Abstimmung vorgelegt werden. 

Das Gas wird knapp, und nun?

Na, schwitzt du schon? Vielleicht hilft es, wenn wir uns auf den Winter einstellen; dann werden wir nämlich mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Wie wir alle bereits wissen (ich habe schon in früheren Klima-Briefings darüber berichtet), geht uns nicht nur der Strom, sondern auch das Gas aus. Noch bevor der Russische Präsident Wladimir Putin erneut den Hahn von der Gaspipeline Nordstream 1 ein Stückchen zugedreht hat – momentan fliessen gerade mal 20 Prozent bis nach Europa – hat Simonetta Sommaruga mit Deutschland verhandelt. «Wir tun alles, damit wir unsere Gasversorgung absichern können», wird sie von SRF zitiert. Denn ein Gasstopp seitens Russland hätte weitreichende Folgen für Europa und somit auch für die Schweiz. In Zürich und Bern wird deshalb bereits am Worst-Case-Szenario studiert: Die Lösung könnte ein Temperaturdeckel sein. Heisst: Im Winter soll in städtischen Wohnungen nur noch bis zu 20 Grad geheizt werden dürfen. Bereits Anfang Juni 2022 forderte die SP eine solche Höchstgrenze. Eine gute Idee, findet Lukas Federer, Energiespezialist beim Wirtschaftsdachverband: «Es geht darum, zuerst dort den Verbrauch zu reduzieren, wo dies gesellschaftlich und wirtschaftlich am wenigsten Schaden verursacht.»

Doch auch wenn sich die Stadt für eine solche Massnahme entscheiden würde, so ganz einfach liesse sie sich nicht umsetzen: «Physisch können wir die Heizungen in den Gebäuden nicht kontrollieren», sagt Michael Walser, Sprecher vom Stadtzürcher Unternehmen Energie 360°. Aber man könne versuchen, die Haushalte darauf zu sensibilisieren: Gas zu sparen oder Gasheizungen durch eine erneuerbare Heizvariante ersetzen. Gemäss Tages-Anzeiger werden in der Stadt noch immer um die 46 Prozent der Häuser mit Gas beheizt. Nichtsdestotrotz werde der Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) im Herbst prüfen, ob ein Temperaturdeckel für städtische Liegenschaften sinnvoll sei oder nicht. Immobilien von Privaten würden aber im Falle des Falles nicht von der Massnahme betroffen sein – dort müsste der Bund entscheiden, ob diese ihre Liegenschaften nur noch bis zu einer gewissen Temperatur beheizen dürfen.

Holz, Biomasse oder Solar – es wird gefördert

Hauseigentümer:innen versuchen mit anderen Mitteln, sich auf den Winter vorzubereiten: Wie SRF berichtet gibt es einen regelrechten Boom auf Brennholz. Es sei wie damals in Coronazeiten, als Klopapier gehamstert wurde: «Die Leute wollen ein bisschen Holz zu Hause haben, für den Fall, dass sie plötzlich kein Gas oder kein Heizöl mehr kriegen», sagt Florian Landolt von Wald Schweiz. Tatsächlich seien noch nie so viele Heizungen installiert worden, die mit Pellets, Schnitzeln oder Stückholz befeuert würden. Grund für den Brennholz-Boom sei neben dem Krieg in der Ukraine auch die Förderung von alternativen Heizsystemen zum Schutz des Klimas, erklärt der Präsident des Verbands Holzenergie Schweiz, Konrad Imbach, im Tages-Anzeiger. Seit zwei Jahren erhalten Hauseigentümer:innen Fördergelder, wenn sie ihre alten Öl- oder Gasheizungen durch eine moderne Holzheizung ersetzen: «Seither sind Holzheizungen konkurrenzfähig gegenüber Wärmepumpen», so Imbach. 

In Zürich will man diese Förderung nun noch stärker ausbauen: Wie die Stadtregierung in einer Mitteilung schrieb, beantragt diese dem Parlament die jährlichen Ausgaben für das Energie-Coaching von 970 000 Franken auf 2 Millionen Franken zu erhöhen. Die Nachfrage nach solchen Beratungen habe in den letzten Jahren zugenommen: waren es 2019 noch 180 Coachings, kletterte die Zahl 2021 auf ganze 580 Coachings. Für das Jahr 2022 rechnet die Stadt sogar mit ca. 730 Beratungen. Und auch bezüglich Gebäudesanierungen soll ein Förderprogramm dabei helfen, dass Hauseigentümer:innen energetischer sanieren: 18,7 Millionen Franken stünden für das Pilotprojekt «Energetische Gebäudesanierung» zur Verfügung: Damit wolle man Anreize schaffen, nicht nur Einzelmassnahmen umzusetzen, sondern Liegenschaften umfassender zu sanieren, sagt Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) gemäss Mitteilung. «Die Sozialverträglichkeit ist dabei ein wichtiges Kriterium. Die Förderbeiträge sind daher bei vermieteten Liegenschaften an zusätzliche Bedingungen geknüpft.»

Der Kanton begrüsst die Bestrebungen der Stadt. Auch er hat in seiner Energiestrategie und Energieplanung 2022 ähnliche Ziele definiert: Weniger Import, mehr erneuerbare, heimische Energie, lautet der Plan. Der Kanton Zürich sei derzeit noch zu 74 Prozent von Importen abhängig, meist in Form von Heizöl und Erdgas, erklärte der Regierungsrat und Baudirektor Martin Neukom (Grüne) Mitte Juli vor den Medien. Bis ins Jahr 2050 soll sich der Kanton grösstenteils selber versorgen – unter anderem mit Tiefengeothermie, wie die NZZ ausführte. Während der Wärmebedarf im Kanton Zürich in den letzten Jahren zurückging, erhöhte sich der Strombedarf. Auch durch E-Autos oder Wärmepumpen. Die Herausforderungen der Strompolitik seien extrem gross und würden eher unterschätzt, so Neukom. Der Energieminister setzt deshalb einmal mehr auf die Chancen der Solarenergie. Und auch die Stromgewinnung von Windrädern oder Biomasse wird in der Energiestrategie thematisiert. Ob Neukoms Pläne wie von seinem Departement ausgearbeitet umgesetzt werden, ist noch nicht klar – darüber muss der Kantonsrat noch entscheiden. 

Kurz und knapp:

  1. Du wolltest ein kleines 1-August-Feuerwerk zünden? Dann Obacht! Nicht überall im Kanton Zürich sind solche Spässe noch erlaubt. Der Tages-Anzeiger hat sich die Mühe gemacht, alle Gemeinden aufzuzählen, in welchen ein absolutes Feuerverbot gilt: Dort darf man weder im eigenen Garten, noch auf dem Balkon grillieren und das Ablassen von Feuerwerkskörper ist nicht mehr erlaubt. In der Stadt Zürich gelten besondere Regeln: Feuerwerk darf am 1. August und in der Nacht auf den 2. August nur von befestigtem, nicht brennbarem Untergrund wie Kiesplätzen und geteerten Flächen aus abgebrannt werden. Zudem gilt laut Medienmitteilung per sofort ein generelles Feuerverbot. Erlaubt bleibt das Grillieren, sofern dies in festen Vorrichtungen (Grill, Feuerschale) und unter Aufsicht geschieht.
  2. Ist Bio out? Die Alternativen zu Migros und Coop scheinen jedenfalls Probleme zu haben, ihre Mieten bezahlen zu können. Das habe zum einen mit den hohen Preisen für Gewerbeflächen zu tun, zum andern fehlt den Bio- und Unverpackt-Läden die Kundschaft. «Uns fehlen weitere 40 Kund:innen pro Tag, damit wir unseren Laden tragen können», sagte Fred Frohofer von der Genossenschaft Chornlade Anfang Juli zu uns. Deshalb müssten sie vielleicht bald schliessen. Und auch andere kleine Geschäfte kämpfen mit schrumpfenden Einnahmen: Den Beitrag dazu findest du hier.
  3. 50 Millionen Franken will der Regierungsrat in den Ausbau der Elektromobilität investieren. Wie der Kanton schrieb, ist die fehlende Ladeinfrastruktur ein «relevantes Hemmnis für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug». Mithilfe des Förderbeitrags soll in den nächsten vier Jahren der Ausbau von Lademöglichkeit am Wohnort vorangetrieben werden – geplant sei ein pauschaler Beitrag von 500 Franken pro Parkplatz. Gemäss Prognosen werden rund 19'000 Gesuche erwartet. Ob der Rahmenkredit bewilligt wird, darüber muss der Kantonsrat erst noch entscheiden.
  4. Mehr Kreislaufwirtschaft, weniger Abfall: Die Stadt Zürich unterzeichnet als erste Schweizer Stadt die «Circular Cities Declaration». Damit bekennt sich zu zehn Verpflichtungen der Kreislaufwirtschaft, etwa zum Einführen von Kreislaufwirtschaftszielen und -strategien, zur Bewusstseinsbildung für zirkuläres Handeln, zum Einbinden von lokalen Akteur:innen und zum Integrieren in die öffentliche Beschaffung. «Das ist ein klares Bekenntnis der Stadt zur Kreislaufwirtschaft. Wir werden künftig noch stärker Massnahmen forcieren zur Senkung der indirekten Emissionen», wird Stadtrat Andreas Hauri (GLP), Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements in der entsprechenden Mitteilung zitiert.

(Bild: Screenshot Blick/Thomas Meier)

Klimakopf des Monats: Michelle*

Keine Kinder wegen der Klimakrise? Eine Frage, die einige völlig absurd finden mögen. Für die Aktivistin Michelle hingegen ist es ein nötiger Schritt, um mehr Leid zu verhindern: «Wenn schon ich durch diese Prognosen solche Zukunftsängste habe, muss ich mich doch fragen: Wie kann ich es verantworten, Kinder in die Welt zu setzen, die diese ganze Last dann tragen müssen?», fragte sie sich vergangenen Monat in einem Beitrag des Blick.

Auch ich hatte mir diese Frage schon gestellt – aus den gleichen Beweggründen wie die ehemalige Lehrerin. In Zeiten wie diesen sind Michelle und ich wohl nicht die einzigen, die sich solche Gedanken machen. Denn wie eine internationale Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, geben sich mehr als die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen sehr besorgt über den Klimawandel. Und ganze 65 Prozent fühlen sich im Kampf gegen ihn von den Regierungen im Stich gelassen. Zumal die aktuellen Bestrebungen der Regierungen nicht ausreichen, um die Klimaerwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen. Gemäss Blick wird ein 2020 geborenes Kind in seinem Leben durchschnittlich doppelt so viele Waldbrände, bis zu dreimal so viele Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle sowie siebenmal mehr Hitzewellen erleben als seine Grosseltern. Solche Vorhersagen bewegten Michelle zum Schritt, keine Kinder zu kriegen, auch wenn es ihr schwer gefallen sei, so die 28-Jährige.

*Name der Blick-Redaktion bekannt 

Das kommt in den nächsten Wochen auf uns zu:

  1. Heute Abend findet bei der Tramhaltestelle Helmhaus in Zürich wieder eine Mahnwache statt. Jeden letzten Freitag vom Monat wird von 16:30 bis ca. 18 Uhr auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. Wie das Organisationskomitee schreibt, sind alle Interessierten herzlich eingeladen, inne zu halten, mit Passant:innen zu sprechen, zu sensibilisieren oder Flyer zu verteilen.
  1. Weitermachen kannst du morgen Samstag dann auf dem Europaplatz – und am besten nimmst du deine Englisch sprechenden Freund:innen gleich mit: Die Veranstaltung «It Starts With Me» ist nämlich auf Englisch. Von 12 bis 14 Uhr wird dort öffentlich über die Klimakrise diskutiert. Für mehr Infos, klicke hier! Be there or be square.

(Bild: Screenshot gernekochen.de)

Rezept mit dem Gemüse des Monats: Türkischer Auberginensalat / Patlican Salata

Zutaten für 6 Personen
Zubereitungszeit: 35 min

  1. 2 Auberginen
  2. 1 rote Paprika
  3. 1 EL Weissweinessig
  4. 50 ml Olivenöl
  5. 2 Frühlingszwiebeln
  6. 1-2 Knoblauchzehe(n)
  7. 1 handvoll glatte Petersilie
  8. 2 EL Zitronensaft
  9. Pfeffer
  10. Salz

Auf einem Gasherd oder in einem Backofen mit Grillfunktion die Auberginen und Paprika anrösten. Dazu die Aubergine mit einem Messer ringsherum einstechen und dann auf der Flamme direkt oder unter dem Grill die Aubergine so lange darauf lassen, bis sie gut dunkel ist und dann drehen. Wenn diese fertig ist, wird das Fruchtfleisch sehr weich sein und die Schale von aussen fast schwarz. Dieses dann mit einem Löffel aus der Schale kratzen, etwas klein hacken und in eine Schüssel geben.

Mit der Paprika ähnlich vorgehen. Anrösten bis sie ringsum schwarz ist und dann in eine Schüssel geben und mit Frischhaltefolie abdecken und abkühlen lassen. Danach im Spülbecken unter fliessendem Wasser die Haut entfernen, das Kerngehäuse hinaus nehmen und die Paprika fein würfeln.

Die Frühlingszwiebeln putzen, in feine Ringe schneiden und die Knoblauchzehe schälen und ganz fein hacken. Petersilie fein hacken und dann alles zusammen mit den übrigen Zutaten in einer Schüssel vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Der Tipp zum Schluss

Ist dein Büro klimatisiert? Glückwunsch, du Gewinnerkind! Für alle anderen kommt hier der ultimative Tipp gegen akute Überhitzung: Gönne deinen Füssen ein kühles Bad. Zugegeben, je nachdem wie cool deine Mitarbeitenden sind, ist diese Praxis mehr oder minder geeignet. Mir jedenfalls hat es geholfen, nicht völlig verrückt zu werden.