Kafi-Review No. 1 – Kafi Schnaps

Ihr habt das «Kafi Schnaps» zum fünftbesten Kafi der Stadt gewählt. Unser Redaktor Marco Büsch prüft es daher professionell auf Kategorien wie Heimeligkeit und Instagramability. Ob er eurer Wahl recht gibt, lest ihr in der Review.
09. Februar 2019

Über 4'000 von euch haben abgestimmt: Das sind die fünf gemütlichsten Kafis in Zürich! Wir wollen wissen warum und sind deshalb ausgeschwärmt, um zertifizierte Heimeligkeitsprüfungen durchzuführen. In der ersten Review hat unser Redaktor Marco Büsch das «Kafi Schnaps» besucht.


Am äussersten Rand des trendigen Wipkingens, ein Steinwurf vom beschaulichen Unterstrass entfernt, wo sich die Buslinien «32» und «33» High-Five geben, dort liegt das «Kafi Schnaps»: Ein Pilgerort für Kafi-Liebhaber*innen. Falls dir dieser Einstieg bekannt vorkommt: Du bist auf der richtigen Fährte. Bereits im letzten Jahr habt ihr das «Kafi Schnaps» in die Top 5 der besten Brunchorte Zürichs gewählt (damals auf Platz 4). Und nun sitzt derselbe Schreiber der damaligen Review ein weiteres Mal im «Kafi Schnaps», kopiert billig den Einstieg seines letzten Artikels und ganz Züri fragt sich: Geht das mit rechten Dingen zu und her? Jawohl! Ich, der Reviewer, bin mit niemandem von diesem Kafi verschwippt oder verschwägert. Es ist eher der logistischen Terminplanung geschuldet, dass derselbe Reviewer dieses Kafi zweimal beurteilt. Janusodenn.

Der grösste potentielle Maluspunkt des «Kafi Schnaps» ist zugleich sein positivstes Aushängeschild: Es herrscht Selbstbedienung. Das Personal hinter der Bar ist zuvorkommend und bereitet meine Bestellung in Windeseile zu. Den Cappuccino fertigt die Barfrau leider etwas gar schnell ab, das Ergebnis lässt ein Latte-Art-Herzchen nur erahnen (siehe Bild). Das ist schade, weil bei anderen Besuchen im selben Kafi die Latte Art ganz passabel war. Einigen wir uns darauf, dass es wohl Glücksache ist, wie schön die Milchschaumoberfläche des Cappuccinos gestaltet ist. Ich vergebe vier von fünf Wärmegrad-Herzen (der gesamte Bewertungskatalog ist am Ende des Artikels zu finden).

Der Wille war stark, die Instragram-Künste schwach. (Bild: Marco Büsch)

Die Beurteilung in der Kategorie «Instragamability des Kafis» leidet zusehends, während ich den übervollen Cappuccino eigenhändig zu meinem Tisch tragen muss. Einige Schlucke Kaffee landen in der Untertasse. Ich hocke mich an einen Tisch an einem grossen Fenster mit Blick auf die belebte Kreuzung Kornhaus-/Rotbuchstrasse und beginne die «Operation Instagram».

Auf der Plusseite steht, dass sich das «Kafi Schnaps» in einer ehemaligen Metzgerei befindet und deshalb einen rustikalen Charme versprüht – auch dank den stabilen Holztischen. Mein Cappuccino wird mir zudem auf dem Silbertablett serviert, leider von meiner Wenigkeit. Neben der fehlenden Latte Art, welche aber auch schon besser war, ist der Hauptknackpunkt: Kann ich Punkte bei der Instragamability abziehen, wenn ich selbst Teil des Problems bin? Oder darf ich alles auf die Selbstbedienung schieben? Kafi zu servieren ist ja nicht meine Profession. Ich bin kulant – vor allem mit mir selbst – und vergebe vier von fünf Instagram-Icons.

Die Fotosession ist vorüber, es geht an Kaffee und Kuchen. Diese sind beide tadellos und schmecken vorzüglich. Ich würde gerne mit grossem Kaffee-Wissen auftrumpfen, weiss aber zu wenig darüber. Deshalb nur so viel: Der Cappuccino schmeckt, wie ein Cappuccino zu schmecken hat. Der Wachmacher-Grad ist entsprechend hoch: Ich vergebe vier von fünf Kafitassen.

Nach dem Schmaus wird das Geschirr dezent abgeräumt und ich hocke eine weitere halbe Stunde an meinem Platz. Rundherum tun es mir andere Gäste gleich, Konsumzwang sieht anders aus. Das Verweilpotential ist hoch, einziger Makel: Steckdosen sind Mangelware, seinen Home-Office-Tag mit Laptop sollte man also eher @home verbringen. Ansonsten eignet sich das «Kafi Schnaps» aber sehr gut, um eine Auszeit vom stressigen Alltag zu nehmen und die Zeit zu vergessen – ohne Laptop geht das eh besser. Ich vergebe fünf von fünf Lese-Ecken-Potential-Bücher.

Wenn die Steckdosen knapp werden, wird in Richtung Toilette nachgeholfen. (Bild: Marco Büsch)

Obwohl das Lokal gut gefüllt ist, wird es nie unangenehm laut. Zum einen liegt das daran, dass die Tische angenehm weit auseinander stehen: Wer seine Ruhe will, setzt sich an einen der kleinen Tische. Wer mehr Kontakt und Geselligkeit will, setzt sich an einen der grossen Tische. Zum anderen sind die grossen Fenster überraschend dicht isoliert: Es gibt kaum etwas Schöneres, als dem Treiben der Autos auf einer Kreuzung zuzuschauen, ohne auch nur den Hauch deren Lärms abzubekommen. Stattdessen wippt man leicht zu den dezenten Klängen eines Bob-Marley-Songs mit – im «Kafi Schnaps» scheint Reggae-Nachmittag zu sein. Wie heimelig kann ein Nachmittag sein, wenn man Bob Marley hört, Schoggikuchen isst, Cappuccino schlürft und aus der Ferne den Autos zuschaut: Von mir gibt es dafür fünf von fünf Verkriechmöglichkeiten-Bären.

Das «Kafi Schnaps» hat sich seinen fünften Platz in unserem Voting redlich verdient. Der Weg zum Getränk ist vielleicht beschwerlicher als in anderen Kafis – je nachdem wie begabt man im Servieren ist. Aber sobald diese Arbeit getan ist, lässt es sich im «Schnaps» vorzüglich verweilen. Von mir gibt es daher eine unbedingte Empfehlung, sich selbst ein Bild davon zu machen.

Ultimatives zertifiziertes Tsüri.ch-Kafi-Rating

Instagramability des Kafis

Wachmachergrad des Kaffees

Wärmegrad der Herzen

Lese-Ecken-Potential

Verkriechmöglichkeiten


Das «Kafi Schnaps» ist nicht rollstuhlgängig. Vor der Eingangstüre hat es eine Stufe und vor der Toilette auch. Im Kafi hätte es jedoch genügend Platz, das WC ist hingegen nicht rollstuhlgängig.


Titelbild: Marco Büsch

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