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Theresa Künz (links) und Mariella Königshofer von «TheaterBrut». Bilder: Rahel Bains

«Man wird im eigenen Theaterverständnis herausgefordert»

Die Stadt will das professionelle Tanz- und Theaterschaffen für Kinder und Jugendliche stärken und die freie Szene in diesem Bereich unterstützen – und das neu mit 400'000 Franken im Jahr. Vor wenigen Wochen wurde publik, wer von diesen Beiträgen profitiert. Darunter sind auch Mariella Köngishofer und Theresa Künz. Sie möchten den Dialog zwischen Publikum und Theaterschaffenden öffnen.
23. Juni 2020
Redaktorin

Die beiden Theaterpädagoginnen Mariella Königshofer (26) und Theresa Künz (29) sitzen in in einem Innenhof im Zürcher Niederdorf. Auf dem gelben Gartentisch steht Kaffee. Es ist Mitte Mai und Zürich befindet sich noch immer im Lockdown. Soeben hat die Stadt bekannt gegeben, welche Tanz- und Theaterschaffende (13 Gruppen aber auch Einzelpersonen) sie mit insgesamt 318’000 Franken unterstützen möchte. Dies im Rahmen des Kredits von insgesamt 400’000 Franken, der ab diesem Zeitpunkt jährlich zur Verfügung gestellt wird, um das professionelle Tanz- und Theaterschaffen für Kinder und Jugendliche zu stärken und die freie Szene in diesem Bereich zu unterstützen.

In zwei Beitragsarten «Aufbau von Gruppen und neuen Zusammenschlüssen» und «Vermittlung und Vernetzung» sollen Projekte und Angebote mit nachhaltigem Potenzial angestossen werden. So sollen vor allem Künstler*innen in der freien Szene motiviert werden, sich auf diese Kunstform einzulassen und Angebote für Kinder und Jugendliche zu kreieren. Zudem sollen die bereits vorhandenen Angebote besser vernetzt und die Vermittlung derselben gestärkt werden. Diese Beiträge ergänzen die verschiedenen Beitragsarten der Ressorts Tanz und Theater. Die neu etablierten Beitragsarten helfen das Tanz- und Theater Angebot für Kinder und Jugendliche zu stützen, bis das geplante Tanz- und Theaterhaus für Kinder- und Jugendliche als Kompetenzzenrtum die Szene ergänzen kann.

Wir wünschen uns, dass die Kinder nach dem Projekt von Theaterschaffenden, die in diesem Bereich tätig sind, um Feedback angefragt werden können.
Mariella Köngishofer und Theresa Künz

Kinder und Jugendliche fördern – das ist auch das Ziel von Mariella und Theresa. Sie haben soeben erfahren, dass die Stadt ihre Eingabe berücksichtigt hat und sie bei ihrem Projekt «TheaterBrut» mit insgesamt 25’000 Franken unterstützt. Die beiden gebürtigen Österreicherinnen kennen sich bereits aus dem Studium an der ZHdK und dem gemeinsamen Arbeitgeber, dem Theater Stadelhofen.

Kinder werden zu Coaches für Schauspieler*innen

Für «TheaterBrut» wollen sie Kinder zwischen 9 und 13 Jahren in die Theaterwelt eintauchen lassen – dies jedoch nicht als Schauspieler*innen, sondern vielmehr als Coaches, als Macher*innen, erzählen sie. Während der kommenden Theatersaison sprich von September bis April wollen sie deshalb die Teilnehmer*innen an verschiedenste Vorstellungen mitnehmen: an Tanz-Aufführungen, Objekt- aber auch an klassisches Theater. Man wolle alle Sparten möglichst gut abdecken, sodass auch Kinder, die zuvor noch nie ein Theaterstück gesehen haben, einen guten Zugang dazu erhalten. Mit diesem neu generierten Wissen soll es den Kindern danach gelingen, selbstständig ein Inszenierungskonzept für ein Stück zu erarbeiten.

Letzteres werde aber wie bereits erwähnt nicht von den Kindern selbst aufgeführt, sondern von Profis – und zwar im Rahmen einer kleinen Tournee durch verschiedenste Zürcher Gemeinschaftszentren. Während den Proben stehen die Kinder als Dramaturg*innen im Einsatz. «Wir wünschen uns, dass die Kinder nach dem Projekt von Theaterschaffenden, die in diesem Bereich tätig sind, um Feedback angefragt werden können, weil sie dann nicht nur Expert*innen im Kindsein sind, sondern dazu auch sehr viel Theatererfahrung mitbringen», so Mariella und Theresa.

Das Ganze sei ein Forschungsprojekt mit ungewissem Ausgang. Dies sei auch der Grund, weshalb man bereits im Rahmen eines Testlaufs ausprobiert habe, ob die Idee tatsächlich funktioniere. Sie tut es offenbar – obwohl die beiden Theaterprofis in gewissen Bereichen umdenken, anpassen und improvisieren mussten.

Über ein Theater für ein junges Publikum nachdenken

Für Mariella und Theresa ist «TheaterBrut» ein Herzensprojekt: «Im Kollektiv und auf Augenhöhe mit Kindern zu arbeiten ist etwas, das wir schon lange verwirklichen wollten.» Gross ist nun deshalb auch die Erleichterung, von der Stadt finanziell unterstützt zu werden. «Ohne diesen Zustupf hätten wir das Projekt in dieser Form nicht durchführen können», stellen beide klar.

Doch ihr Engagement sei wichtig: «Als Theaterschaffende definierst du die Begriffe Kind und Kindheit oftmals mit einem Bild, das nicht mit der tatsächlichen Lebensrealität von Kindern übereinstimmt. Es gibt Künstler*innen, Theaterschaffende, uns als Vermittlerinnen – und Kinder. Wir stellen uns angesichts dieser Aufstellung die Frage, was passiert, wenn wir all diese verschiedenen Akteure zusammentun und gemeinsam über ein Theater für ein junges Publikum nachdenken und einfach ausprobieren», erzählen Mariella und Theresa, während sie an ihrem Kaffee nippen. Im Normalfall werde immer separiert, sagen sie. Und zwar zwischen dem Publikum und den Theaterschaffenden. Ihr Ziel sei es jedoch, den Dialog dazwischen zu öffnen – weil dies noch immer viel zu wenig stattfinde und zu wenig konsequent gedacht werde. «Man wird während diesem Prozess im eigenen Theaterverständnis herausgefordert, muss sehr viel Offenheit an den Tag legen und viel nachdenken. Doch genau deshalb macht es solch grossen Spass.»

Im zweiten Teil unserer Serie «Kinder- und Jugendtheater in der Stadt Zürich» stellen wir weitere Theaterschaffende vor, die vom neuen Fördersystem profitierten und klären, wie es um die Konzeptförderung der Stadt Zürich steht.

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