Tsüri-Chopf: «Ob ihr es glaubt oder nicht: Wir machen eine bessere Erde.»

Der Zürcher Jojo Linder kompostiert deine Körperflüssigkeiten und macht dein Skateboard strassentauglich. Wir haben mit ihm über sein Leben, seine Projekte und die #Fairänderung gesprochen.
09. Juni 2017

Wer bist du und was machst du im Leben?

Ich bin Jojo Linder, 12undzwanzig, in Zürich Wipkingen geboren und aufgewachsen. In der Schule war ich wohl eher der Typ hyperaktiv, deshalb sind die Lehrer mit mir / oder ich mit den Lehrern nicht immer so gut klar gekommen. Ab 1998 waren das Snow- und Skateboarden meine Leidenschaft. Ich habe jede freie Minute auf dem Board verbracht und bin auch eine gute Zeit von Skateboardevent zu Skateboardevent gezogen. So bin ich dann auch im Rollladen (skateshop) gelandet. Später habe ich neben dem Organisieren von Skateboardevents auch viel Zeit im Shop verbracht. Nach einem Unfall 2008 ist in mir das Interesse selber etwas zu verändern grösser geworden. So habe ich meine Freizeit nun in der Entwicklungshilfe verbracht. Dort bin ich auch zum ersten mal in Kontakt mit einer Komposttoilette gekommen.

Was ist Kompotoi?

Kompotoi Vermietet, Plant und Verkauf Komposttoiletten. Das klingt erstmal nicht wahnsinnig spektakulär, gebe ich zu. Jedoch habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie aus einem unfruchtbaren Land mit verschiedenen Methoden (eine davon war die Komposttoilette) Humusaufbau gemacht werden konnte.

Und das ist ja noch lange nicht das einzige. Während wir mit sauberem Trinkwasser beste Nährstoffe wegspühlen, importieren wir auf der anderen Seite NPK-Dünger, also stickstoff, Phosphor und Kalium. Was ziemlich genau dem entspricht, was wir jeden Tag zu Hauf wegspühlen.

Was die meisten nicht Wissen ist, dass es auch für öffentliche Plätze und sogar Mehrfamilienhäuser geniale neue Produkte im Toilettenbereich gibt. Letztes Jahr konnten wir die ersten zwei öffentlichen Anlagen in der Schweiz in Betrieb nehmen. Zur Zeit sind wir am Bau von zwei Festinstallationen in Einfamilienhäuser. Wir sind überzeugt: das ist erst der Anfang. Die Toiletten-Revolution hat bereits begonnen.

Kompotoi braucht es, um das Tabu-Thema Toilette mal zu brechen und zu zeigen, dass es noch andere Lösungen gibt.

Wie sind der Rollladen und Kompotoi ähnlich?

Auf den ersten Blick haben die beiden Organisationen nicht viel gemeinsam. Was jedoch ganz klar durchkommt, ist das Commitment der Mitarbeiter*innen. Die Menschen, die bei uns Arbeiten, machen das aus Überzeugung und nicht wegen des Geldes. Und beide heben sich klar ab von den Mitbewerbern: So hat der Rollladen zum Beispiel ein Testboardcenter, wo alle Boards ausprobiert werden können.

Warum braucht es deine beiden Plattformen und wie sind sie entstanden?

Der Rollladen gibt der Szene einen Platz für Treffen. Hier werden Ideen ausgetauscht und die eine oder andere Umgesetzt. Kompotoi braucht es, um das Tabu-Thema Toilette mal zu brechen und zu zeigen, dass es noch andere Lösungen gibt.

Ausserdem ist es extrem wichtig, den natürlichen Kreislauf zu schliessen. Ob ihr es glaubt oder nicht: Wir machen eine bessere Erde.

Was ist dein Ziel? Wo willst du hin?

Haha, die Frage kommt gerade gelegen!! Ich möchte am liebsten nirgends mehr hin. Ich fühle mich mehr als Wohl mit meiner Familie auf unserem alten Kleinsthof im Tösstal.

Ich fühle mich jedoch verpflichtet als Mensch alles zu geben, um etwas Positives beizutragen, sodass die kommende Generation nicht vor einem kompletten Scherbenhaufen steht. Wir sind die Fairänderung!!!

Wenn du Zürich regieren könntest, was würdest du als erstes ändern?

Uiuiuiu, ich sage ja immer wieder, dass ich, wenn ich gross bin, mal Präsident werden will. Aber diese Frage so schnell schnell zu beantworten ist jetzt eine echte Herausforderung!!!

Ab sofort werden alle Toiletten auf Komposttoiletten umgerüstet, Zürich isst bio, alle Flachdächer werden begrünt oder mit Solarzellen bestückt, die Müllverbrennungsanlagen werden abgeschalten, alles wird sortiert und Recycelt, Importverbot für nicht fairproduzierte Produkte, Gratis-ÖV, Gratis-Fahrrad und Skateboardvermietung, öffentliche Architektur wird Skatebar, öffentliches Grün wird Essbar, Fassadenbegrünung bei öffentlichen Gebäuden, alle sind willkommen, und das Grundeinkommen wird eingeführt ... Zusammengefasst: Tsüri first!

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