Ist ein U-Boot mitten in Zürich eine gute Geschäftsidee?

28. September 2016

Präsentiert von Dynamo: Werkstätten und Events direkt an der Limmat

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Der 23-jährige Roland Arato glaubt daran. Er hat in Budapest über 30 Adventure-Rooms besucht und eröffnet nun mitten in Zürich seinen eigenen. Ob das gut geht? Tsüri.ch begleitet den Jungunternehmer auf dem schmalen Grat zwischen Erfolg und Fehlschlag.

Während Zürich einen seiner wenigen Sonnenmomente erlebt, befinde ich mich unterirdisch in der Nähe des Hauptbahnhofs im wohl einzigen U-Boot der Limmatstadt. Es ist eng, die Wände sind grau und von Rost überzogen. «Hier bauen wir eine Türe ein, welche mit Druckausgleich funktioniert», erklärt der 23-jährige Mitinhaber und Geschäftsführer Roland Arato und deutet auf ein klaffendes Loch in der Dunkelheit. So würde sich unsereiner ein echtes U-Boot vorstellen: Zu klein, um zu stehen, zu dunkel, um etwas zu sehen. Denn in Wahrheit ist Roland's U-Boot nicht wirklich seetauglich; es handelt sich um einen «Adventure Room». In diese Räume lässt man sich zu zweit oder als Gruppe einsperren, um dann spielerisch durch das Lösen von Rätseln den Weg hinaus zu finden. Die Umgebung wird dabei so realitätsnah wie möglich an das jeweilige Setting angepasst. Kennen und schätzen gelernt hat Roland die «Adventure Rooms» in Budapest, wo sich über 50 verschiedene dieser Räume befinden. Fast alle von ihnen hat er mindestens einmal besucht. In Zürich hat der junge Wirtschaftsstudent sich nun den lang gehegten Wunsch erfüllt und einen eigenen Abenteuerraum eröffnet. Doch wird dieser den erhofften Erfolg haben? Tsüri.ch begleitet den Jungunternehmer ein Jahr lang auf seinem Weg durch den wohl härtesten «Adventure Room» den diese Stadt zu bieten hat: den freien Markt.

Ein Kleinunternehmen zu gründen ist nie einfach. Im Allgemeinen hat sich die Faustregel durchgesetzt, wonach 8 von 10 Geschäften in den ersten 18 Monaten Konkurs gehen (siehe Forbes). Einige Wissenschaftler widersprechen dieser Regel und gehen im Gegenteil davon aus, dass 8 von 10 Geschäften mindestens ein Jahr überleben und die Hälfte sogar fünf Jahre. Nichtsdestotrotz bleibt es ein grosses Risiko. Insbesondere in einer Stadt, in der schon einige «Adventure Rooms» Fuss gefasst haben. Roland Arato scheint darin kein Problem zu sehen.
Wieso wird euer Geschäft die Zeit überdauern? Ein wichtiger Punkt ist, dass ich in Zürich einige der bestehenden Räume abgeklappert habe und sie mich wenig begeistert haben. Räume müssen eine Geschichte erzählen und diese muss zum jeweiligen Raum passen: Ein Mittelalter-Burgverlies kann nicht in einem behelfsmässig abgedunkelten Wohnzimmer stattfinden. Zudem müssen die Rätsel sich ebenfalls der jeweiligen Geschichte anpassen, sodass der Spieler im besten Falle für längere Zeit voll und ganz in die dargebotene Welt eintaucht. Ich glaube, mit unserem U-Boot werden wir das besser machen.

Wer sind «wir»? Mein Vater, Laszlo Arato, ist Professor für Elektronik und digitale Signalverarbeitung an der Fachhochschule Nordwest und kümmert sich um die technische Planung und Umsetzung des «Adventure Rooms». Er finanzierte zudem einen Grossteil des Darlehens für die Gründung der GmbH. Meine Schwester und meine Freunde helfen auch tatkräftig mit, wir sind praktisch ein Familienbetrieb.

Wird ein gutes Produkt reichen, um Kunden anzulocken oder habt ihr weitere Verkaufsargumente? Ein gutes Produkt anzubieten ist nur die halbe Miete. Zu unserer eher jüngeren Zielgruppe gehören unter anderem oder insbesondere die Studenten, weshalb wir beispielsweise Studentenrabatte anbieten werden.  Zudem ist die Lage des Raumes zwischen Hauptbahnhof und Löwenplatz wohl die bestmögliche innerhalb der Stadt.

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Wie seid ihr zu dieser Toplage gekommen? Ich war monatelang in Verhandlungen mit den Besitzern. Grundsätzlich ist man als neugegründetes Kleinunternehmen nicht die erste Wahl der Vermieter. Bei unseren Räumen handelt es sich jedoch um Lagerräume im Untergeschoss, welche nicht allzu beliebt waren, weil kein Warenlift vorhanden ist und keine geeignete Anfahrt.

Nun musstet ihr einige Auflagen erfüllen, um die Lagerräume als Gewerberäume nutzen zu dürfen. War das ein grosser Papierkrieg? Man muss wirklich sehr viele Stellen angehen, um alle Bewilligungen einzuholen: Das Amt für Baubewilligungen, das Amt für Umwelt- und Gesundheitsschutz, das Amt für Wirtschaft und Arbeit, Entsorgung & Recycling Zürich und natürlich die Feuerpolizei. Für alle einen annehmbaren Kompromiss zu finden ist nicht einfach. Das Stirnrunzeln der Feuerpolizei begann schon, als ich im ersten Satz erklärte, wir würden Leute in den Keller sperren. Schlussendlich haben die Überzeugungsarbeit und das Erfüllen aller Auflagen sieben bis acht Monate gekostet.

Was war der grösste Stolperstein? Wir haben neben unseren Räumlichkeiten drei Toiletten, welche kaum je benutzt werden. Diese gehören zwar einer anderen Firma, jedoch haben wir zu Beginn fest damit gerechnet, sie gegen ein Entgelt mitbenutzen zu dürfen. Dies haben sie uns jedoch versagt und so hiess es plötzlich, auf eigene Rechnung eine 11'000 Franken teure Toilette einbauen zu müssen. Wenn man wie wir eine GmbH ist mit einem Startkapital von etwas mehr als 20'000 Franken, kann das schon Mal das Ende vor dem Anfang bedeuten. Der Vermieter hat uns jedoch ein Darlehen gewährt – nicht zu den günstigsten Konditionen, aber Hauptsache war, dass wir weitermachen konnten.

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Hast du die Organisation ganz alleine in die Hand genommen oder einen Anwalt beigezogen? Ich habe alles selber gemacht und hatte dabei eine steile Lernkurve. Es sind 1'000 kleine Dinge mit denen man konfrontiert wird und mit denen man – oder zumindest ich – nicht gerechnet hat. Der Eintrag ins Handelsregister, der Notar, die Mietkaution, das sind alles Dinge, welche viel Geld und/oder Zeit kosten – mehr als man manchmal denkt.

Wie wollt ihr die Leute in euer U-Boot locken? Wir werden ganz klassisch Flyern gehen, vor allem bei den Studenten auf der Polyterrasse oder in der Uni. Die Uni ist den Start-Ups ja wohlgesinnt, insbesondere denen aus den eigenen Reihen. Ausserdem werden wir Werbung in Facebook-Studentengruppen und zielgerichtete kostenpflichtige Werbung schalten. Touristen werden wir per TripAdvisor ansprechen. Meiner Erfahrung nach erkundigen sich über solche Plattformen vor allem junge Touristen – unter anderem auch unsere Zielgruppe.

Wie viele Buchungen pro Woche braucht ihr, um in den schwarzen Zahlen zu bleiben? Sagen wir es so: Mehr als ein Spiel pro Tag wäre von Vorteil.

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Was sind deine Erwartungen in einem halben Jahr? Im Verlaufe des letzten Jahres habe ich gelernt, meine Erwartungshaltung ein wenig anzupassen. Manchmal macht man einen Schritt nach vorne und dann gleich fünf wieder zurück. Ich erwarte, dass «Panic Room Games» den Leuten in einem halben Jahr ein Begriff ist und wir in den schwarzen Zahlen sind. Aber eben: Wichtig ist, dass uns der Spass am Ganzen nicht vergeht. Und die Werbung, die wird ein entscheidender Faktor sein.

Wie sieht es gewinntechnisch aus? Ich will nicht zu hoch zielen, aber wenn ich dieses Jahr meine Skiferien davon bezahlen könnte, wäre ich froh darüber.

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Wie sind die Erwartungen in einem Jahr? Wir haben dann das Darlehen von meinem Vater zurückbezahlt und haben in Zürich einen zweiten Raum eröffnet. Je nachdem schauen wir uns auch schon in anderen Städten nach guten Standorten um.

Nun stehen die «Panic Room Games» kurz vor der Eröffnung. Seid ihr im Zeitplan? Wir sind gut im Plan, aber wie gesagt: Ich wage keine festen Prognosen mehr. Vor einem Jahr hatten wir als «worst case» für die Eröffnung mit dem November 2015 gerechnet. Nun, wir sind immer noch an den Arbeiten. Aber das wird schon.

«Panic Room Games» wird voraussichtlich am 10. Oktober 2016 seine Pforten öffnen. Zu finden sind die Räume an der Löwenstrasse 67.

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