«Isch d´Luisa da?» – Gegen sexuelle Belästigung in Zürcher Bars und Clubs

Sexuelle Belästigung ist leider Teil des Nachtlebens – auch in Zürich. «Tsüri», die «Frauenberatung» an der Langstrasse und die «Bar & Club Kommission Zürich» steuern dagegen und fordern sofortige Hilfe bei sexuellen oder anderweitigen Übergriffen in den Clubs und Bars unserer Stadt. Dabei geht es nicht nur ums Labbern – wir bringen ein Projekt nach Zürich.
05. Mai 2017

Du läufst nach vorne zur Bar, willst noch einen Drink bestellen. Es ist stickig, Schweiss und Parfüm liegen in der Luft, viele Menschen bilden eine Mauer, durch die du irgendwie durch musst. Laute Musik plärrt aus den Boxen, das Licht dämmrig. Und noch bevor du an der Bar angelangt bist und deinen Drink bestellen kannst, spürst du eine Hand, die dich begrapscht oder wirst sonst auf eine Art und Weise bedrängt. Du drehst dich hilfesuchend um, deine Freunde stehen weit hinten und sehen dich nicht. Die Person, die dich bedrängt, macht keine Anstalten zu gehen und dich in Ruhe zu lassen. Was tust du jetzt?

Frag nach Luisa!
Es begann im englischen Lincolnshire («Ask for Angela») und schwappte dann über nach Münster. Der dortige Frauennotruf rief Anfang diesen Jahres das Luisa-Projekt ins Leben. Bedrängte Frauen können sich nun in über 30 Bars der Stadt an das Barpersonal wenden mit der Frage: «Ist Luisa hier?» Ein Codewort, dass sofortige Hilfe nach sich zieht: Man wird an der Bar nicht gefragt, was denn los sei, sondern umgehend an einen anderen Ort, in die Küche oder sonst ein Hinter- oder Nebenzimmer des Lokals geführt, wo dann auf das jeweilige Anliegen eingegangen wird. Es geht um eine unmittelbare und niederschwellige Hilfeleistung: Betroffenen soll ein Schutzraum geboten werden, um die allfällige Gefahr zu bannen. Bei Bedarf kann ein Taxi gerufen werden – falls nötig die Polizei – und die Person kann in Begleitung einer Mitarbeiter*in der Bar auch sicher nach draussen geführt werden.

Luisa ist auf dem Weg nach Zürich
Dabei handelte es sich ursprünglich um ein Projekt, dass sich explizit an Frauen richtete. Unser Anliegen ist es aber, diese Hilfeleistung nicht an einem Geschlecht festzumachen: Luisa ist für alle da, sie kennt da keine Ausnahmen.

Die Umsetzung des Projekts erfolgt voraussichtlich noch im Herbst diesen Jahres. Unser Ziel: Das Personal zahlreicher Clubs und Bars weiss Bescheid und reagiert unmittelbar auf das Codewort, damit wir gemeinsam das Nachtleben etwas sicherer machen können.

Dabei werden in allen Lokalen, welche diese Hilfeleistung anbieten, Plakate hängen, die auf Luisa und das Codewort hinweisen: Sie machen sichtbar, dass in brenzligen Situationen eine konkrete Hilfeleistung besteht, die man schnell und auf diskrete Art und Weise einfordern kann.

Wir halten euch auf dem Laufenden!

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