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Foto: Noemi Müller

«Es können definitiv alle Frauen programmieren lernen»

In der IT-Branche arbeiten nur 15 Prozent Frauen. Das wollen Céline, Corina und Anina ändern: Mit «Code Excursion» ermöglichen sie Frauen den Einstieg in die Tech-Welt.
27. August 2019
Community-Verantwortliche und Redaktorin

Wie ist Code Excursion entstanden?
Corina: 2017 lebte ich in Stockholm und wollte etwas Neues machen. Der Entwickler im Startup, wo ich arbeitete, ist abgesprungen. So entschieden meine schwedische Kollegin Louise und ich uns kurzerhand selber das nötige Können anzueignen, um die Webseite zu unterhalten. Alleine einen Onlinekurs zu absolvieren kann aber ziemlich öde sein. Zudem ist es anstrengend sich stetig zu motivieren, um den Kurs wirklich abzuschliessen.

Darauf habt ihr Gleichgesinnte gesucht...
Corina: Wir erstellten einen Facebook-Event: Es meldeten sich 100 Frauen. Danach starteten wir mit wöchentlichen Treffen in einem Coworking Space in Stockholm, um gemeinsam Programmieren zu lernen. Da der Anklang riesig war, führten wir die Treffen weiter und beschränkten die Teilnahme auf drei Monate, damit so viele Frauen wie möglich einen Einblick in die verschiedenen Technologien erhalten konnten. Das war vor zwei Jahren.

Von links nach rechts: Céline, Anina und Corina. (Foto: Noemi Müller)

2018 bist du in die Schweiz zurückgekehrt.
Corina: Hier habe ich zusammen mit Céline Code Excursion gegründet. Die Grundidee, einen sicheren, inspirierenden und kreativen Ort der Zusammenkunft zu gestalten, blieb länderübergreifend bestehen. Diesen Herbst führen wir zum zweiten Mal einen 12-wöchigen Kurs in Zürich und St. Gallen durch.
Wie seid ihr zum Coden gekommen?

Ich hatte schon fünf Fremdsprachen gelernt, als mir bewusst wurde, dass eine Programmiersprache eigentlich nicht so weit von einer «normalen» Sprache entfernt ist.
Corina

Als ich dann noch realisierte wie kreativ Webdevelopment ist, war für mich klar wohin ich mit meiner Karriere will.

Anina: Ich besuchte in meinem Bachelor vereinzelt Kurse, die uns Programmiersprachen lehrten. Jedoch fühlte ich mich nach keinem der Kurse im Stande, ein wirkliches Projekt mit dem angeeigneten Wissen zu realisieren. Deshalb wollte ich mein Können an handfesten Projekten anwenden.

Ihr bietet Kurse ausschliesslich für Frauen an. Warum nur für Frauen?
Corina: Die Idee entstand aus dem eigenen Empfinden, dass es uns leichter fällt in einer positiv gestimmten, unkomplizierten, nicht hierarchischen Gruppe ohne Wetteifern zu lernen. Nach den vielen Anmeldungen beim ersten Aufruf, merkten wir, dass sehr viele andere Frauen genau das gleiche Bedürfnis haben.

Céline: Zudem haben wir uns auch Gedanken zu der tiefen Frauenquote in der IT-Branche gemacht. Wir beide fühlen uns in dieser Branche sehr wohl, finden aber, dass eine diversere Community allen einen Vorteil bringen würde. Zu dieser Vielfältigkeit möchten wir mit Code Excursion und einer gezielten Förderung beitragen. Aber nicht zuletzt braucht es dazu nebst starken Frauen genauso mutige Männer.
Warum glauben viele Frauen, sie könnten nicht programmieren?

Es fehlen weibliche Vorbilder und moderne Ausbildungswege. Laut Statistik arbeiten in der Schweiz momentan nur rund 15 Prozent Frauen in der ICT Branche.
Corina

Studiengänge an Hochschulen mit Richtungen Informatik haben es weiterhin schwer, Frauen so zu erreichen, dass sie sich damit identifizieren können. Der Frauenanteil in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) liegt bei ca. 30 Prozent.

Über Code Excursion
Code Excursion ist eine Tech-Community von Frauen für Frauen. Sie ermöglicht den Einstieg in die Tech-Welt durch Kurse und Workshops in entspannter und positiver Atmosphäre. Dahinter stecken ein Dutzend junger Frauen. Code Excursion ist eine non-profit Organisation, die momentan noch hauptsächlich von Freiwilligenarbeit lebt. Einen kleinen Zustupf erhält sie durch ihre Sponsoren.

Können alle Frauen programmieren lernen?
Anina: Definitiv! Es ist besonders etwas für die, die gerne Neues lernen und selbständig, lösungsorientiert und kreativ arbeiten.

Welchen Stellenwert wird Programmieren in unserem zukünftigen Berufsleben haben?
Céline: Die Digitalisierung ist bereits in vollem Gange und so steigt der Prozentsatz technologie-naher Berufe stetig an. Dadurch wird ein Grundverständnis von Programmieren und IT immer mehr zur Voraussetzung.

Heute lernen bereits Primarschüler*innen programmieren. Wir, die Generation Y, bleibt in dieser Hinsicht aber auf der Strecke...
Céline: Genau, jüngere Leute, welche noch in der Ausbildung sind werden durch angepasste Lehrpläne und Initiativen viel eher auf das Thema «Programmieren» sensibilisiert und darin ausgebildet. Gerade für Leute, welche ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben und am Anfang ihres Berufslebens stehen, ist es wichtig, dass diese Wissenslücke geschlossen wird. Daher ist es besonders wichtig, dass wir jetzt handeln und vor allem jungen Frauen die nötigen Fähigkeiten mitgeben, welche sich sonst vielleicht eher nicht an diese Themen wagen würden.

Ihr bietet für die Tsüri-Community einen Workshop «Coden von Frauen* für Frauen*» an. Welches sind die Voraussetzungen, um daran teilzunehmen?
Corina: Für den Workshop mit Tsüri benötigt man überhaupt kein Vorwissen. Man sollte einfach offen sein für Neues - und den eigenen Laptop mitbringen.

Über die Interviewpartnerinnen
Corina Schedler (29) hat einen Bachelor in Tourismus. Sie hat sich durch Code Excursion zur Frontend Entwicklerin ausgebildet und arbeitet in einer Agentur in St. Gallen. Céline Nauer (26) hat einen Bachelor in Physik und macht zur Zeit ihren Master in Neuroinformatik an der ETH. Anina Angehrn (27) hat einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik und arbeitet bei einer Webagentur in Zürich.

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