Meinungsmittwoch: In der Stadt darfs ruhig ein bisschen laut sein

Tsüri.ch-Redaktorin Nadia ist genervt von Leuten, die an die vorderste Front der Langstrasse ziehen, und dann das Gefühl haben, sie müssen Lärmklagen erheben. Obwohl Yuppie-Bashing voll out ist, hat sie ein Ereignis vor Kurzem trotzdem dazu bewegt diesen Meinungsmittwoch zu schreiben.
15. August 2018

Wir sind nichts ahnend vor einer Bar gestanden und haben unser Bier getrunken. Als plötzlich, wie aus dem nichts, irgendjemand Wasser aus einem Fenster auf uns nieder geschüttet hat. Ob es ein Becher oder ein ganzer Kübel war, kann ich nicht mehr sagen. Drei Personen um mich herum wurden nass. Dies wiederholte sich noch zwei Mal. Die Person, die dafür verantwortlich ist, haben wir aber nie zu Gesicht bekommen.

Es war kurz nach Mitternacht und es bot sich einem das Bild, das sich einem nun mal um diese Zeit an der Langstrasse bietet: Es war laut, es war bizeli dreckig und es roch ein bisschen nach Urin.

Liebe*r Bewohner*in dieser Wohnung über der Bar; das mag jetzt vielleicht ein Schock für dich sein, aber: Du wohnsch imfall ah de Langstrass. Und es tut mir imfall mega Leid, dass du 3’000 Franken für deine 2.5-Zimmer-Wohnung zahlst und nicht schlafen kannst aber nochmals: Du wohnsch imfall ah de Langstrass. Dazu noch über einer Bar. Und als du diese Wohnung mit Hundert anderen Menschen besichtigt hast, war dir das schon bewusst.

Nun wohnst du aber in diesem hippen Quartier, das für seine Dichte an Bars und Clubs und das daraus resultierende, florierende Nachtleben bekannt ist. Du bist an diesen Ort gezogen und du warst dir der Konsequenzen bewusst. Dass du nun Wasser auf Passanten schüttest, zeigt mir, dass du null Verständnis für das Quartier und dessen Geschichte hast – du willst einfach deine Ruhe. Also frage ich dich, liebe*r Bewohner*in, wenn dein Schlaf dir wichtig ist und du am Wochenende auch zeitig ins Bett möchtest, was zieht dich an die bekanntermassen lauteste Strasse Zürichs?

Ich weiss dass es nicht cool ist, wenn man nicht schlafen kann. Ich bekam das vor allem an der vergangenen WM mit den hupenden Autos zu spüren. Beispielsweise am 22. Juni, da hatte die Schweiz gerade ein WM-Spiel 2:1 gegen Serbien gewonnen. An der Langstrasse war dementsprechend die Hölle los. Wir wohnen etwas oberhalb des Oberen Letten, also einer Stelle, welche die meisten dieser hupenden Autos auf ihrem Weg passieren. Kurz gesagt: Ich konnte bis 03.30 Uhr morgens nicht schlafen. Und was noch viel schlimmer war: Ich musste am selben Morgen um 7 Uhr aufstehen und sechs Stunden lang meine Abschlussprüfungen schreiben.

Ich war echt übermüdet. Ja, auch ich finds nicht geil, wenn ich mal nicht schlafen kann. Aber weisst du, was uns beide unterscheidet? Ich war nicht hässig auf die Autofahrer*innen, die Menschen draussen auf der Strasse oder meine Mitbewohner*innen (die noch ein wenig Party machten). Denn ich weiss, dass ich ein wenig Lärm in Kauf nehmen muss, wenn ich in der Stadt leben möchte. Ich sehe, welche Vorteile die Stadt bietet, und weiss diese zu schätzen: Ich kann bis in die Nacht hinein einkaufen, wenn mal kein Tram oder Bus mehr fährt, komme ich immer mit dem Velo oder zu Fuss heim und es ist immer etwas los. Die Stadt wird nicht langweilig. Und darum ists auch in Ordnung wenn es bizeli laut ist. Nächte in Züri sind oft ein wenig schlaflos.

Darum, liebe*r Bewohner*in, wenns dir nicht passt, wenn du jetzt im Nachhinein merkst, dass es dir doch zu laut ist, dann mach doch Platz für jemanden, der kein Problem mit dem Geräuschpegel an der Langstrasse hat. Und bis du eine*n Nachmieter*in findest (und damit du nicht mehr Wasser auf Leute schütten musst), kann ich dir folgendes Tool wärmstens empfehlen: Ohropax.

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