🎄27 Dezembo-Membo🎄

Nive auf dem Lettensteg. Fotos: Elio Donauer

Im Usgang mit Nive

Das Nachtleben hat eine Achterbahnfahrt von Schliessen und Öffnen hinter sich. Jetzt normalisiert sich die Situation langsam: Es darf – dank Zertifikat – wieder getanzt werden. In der Serie «Im Usgang mit...» spricht Denkmal.org mit vier Personen unter anderem über ihren Lieblingsdrink – im dritten Teil mit Nive.
15. Oktober 2021

Nive, mit vollem Namen Nevesthika Muralitharan, engagiert sich beim Kollektiv F96 und will sich damit für mehr Vertretung von FINTA-Personen – also Frauen, inter-, transsexuelle und agender Personen – in der Zürcher Kunst und Kulturbranche einsetzen. Im Interview von Denkmal.org und Tsüri.ch spricht die DJ über Clubs, die sie meidet und die beste Dark-Wave-Party.

Denkmal.org: Wo und mit wem hast du deinen besten Ausgangsabend verbracht?
Nive: Ich habe schon sehr viele schöne Partys mit meinen Freund:innen erlebt. Einen Abend auszuwählen, ist deshalb ziemlich schwierig. Spontan kommt mir die «More than Mode»-Party im Xtra in den Sinn, die ich kurz vor dem Lockdown mit meinen damaligen Arbeitskolleg:innen – und jetzt engen Freund:innen – besuchte. Dort erlebte ich die beste Dark-Wave Party. Ich sah dort eine Szene, die man sonst nirgendwo in Zürich findet. Die Menschen waren angenehm, man hatte genug Platz zum Tanzen und die DJs spielten Ebm, Gothic, Synthpop, Electro – und natürlich Dark Wave. Wir hatten eine tolle Zeit. Aber auch der ganze Abend vor der Party trug zu einer unvergesslichen Nacht bei, da wir in einem mexikanischen Lokal essen gingen und später im Tattoostudio eines Freundes, Varg, abhingen. Später erfuhr ich, dass die «More than Mode»-Party schon seit 1997 jeden Mittwoch stattfindet! Hoffen wir, dass diese Partyreihe wieder aufgenommen wird, damit ich mit meinen Freund:innen zur Abwechslung mal wieder zu dunklen Klängen tanzen kann!

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Welches Getränk bestellst du an der Bar?
Meistens Bier oder Prosecco.

Von welchem DJ, von welcher Band, kannst du zurzeit nicht genug bekommen?
Von der DJ und Produzentin rRoxymore.

Wo gehst du mitten in der Nacht essen und was bestellst du?
Ich esse selten in der Nacht, aber wenn's mal sein muss, dann im Anytime. Dort bestelle ich ein Pide mit Joghurt-Knoblauch-Sauce.

Du darfst nur noch in einem einzigen Zürcher Lokal, Club, Bar Party machen. Welches/Welchen wählst du?
Wenn ich die Augen schliesse, dann träume ich von diesem Club.

Was machst du, wenn dich die Musik während einem Konzert oder DJ-Set mega flasht?
Ich dränge mich in die «Front Row», bin aber meistens schon dort.

An einem Sonntag spaziert Nive gerne an der Limmat.

Welches ist dein absolutes Züri-Lied?
Welche Kriterien muss denn ein «Züri-Lied» erfüllen? Was ich immer wieder gerne höre, vor allem im Sommer, ist «L’uomo invisible» von Fuga Ronto. Die EP erschien 2017 auf dem Zürcher Label «Phantom Island».

Was fehlt dem Zürcher Nachtleben?
Mehr Safer Spaces für marginalisierte Menschen, vor allem auch für Menschen mit migrantischer oder postmigrantischer Erfahrung und Awareness-Konzepte und Teams in Clubs. Bis jetzt konnte ich das nur in der Roten Fabrik erleben. Schade, dass sich andere «mainstream» Clubs in Zürich nicht mehr Mühe geben.

Wir brauchen mehr queere Menschen, People of Color und Frauen in Machtpositionen, um wirklich etwas zu verändern.
Nive

Zusätzlich muss der Eintritt vieler Zürcher Clubs niederschwelliger werden. Die Selektion an der Tür und die Eintrittspreise stellen eine grosse Hürde für Menschen aus tieferen sozialen Klassen dar.

Welche Person hat das Zürcher Nachtleben deiner Meinung nach am meisten geprägt oder prägt es immer noch?
Isi von Walterskirchen, Jenny Kamer, viele Zürcher Musiklabels wie Subject to Restriction Discs und die Kollektive Fagdom und F96.

Gibt es Ausgangslokale, die du bewusst meidest? Warum?
Ja, das Supermarket. Einige Gründe wieso ich nicht dorthin gehe: mehrheitlich männliche Lineups, hinter den Kulissen werden queerfeindliche und frauenfeindliche Sprüche gemacht, während der Pandemie war der Club Mitveranstalter von «Plague Rave», in einem armen Land wie Tansania, indem sie deren lockere oder sogar fehlenden Covid-Massnahmen ausnutzten und so die Gesundheit vieler Einheimischen noch mehr in Gefahr brachten. Muss ich noch mehr aufzählen?

Ausgangskalender Denkmal.org
Denkmal.org listet Veranstaltungen wie Konzerte, Partys und Raves auf – geordnet nach Wochentagen. Seit 2004 gibt es Denkmal.org in Basel. Vor zwei Jahren hat Tsüri.ch die etablierte Plattform nach Zürich gebracht. Inhaltlich bildet Denkmal.org ein breites Musikspektrum verschiedenster Genres ab. Denkmal.org enthält keine Werbung und es werden nur bedingungslose Beiträge von Veranstaltern entgegengenommen. Kleine und grosse Clubs erhalten dieselbe Aufmerksamkeit. Das Kollektiv Lauter empfiehlt zudem wöchentlich ein Konzert.

In einer vierteiligen Serie unterhält sich Denkmal.org mit Persönlichkeiten aus dem Zürcher Nachtleben:
Teil 1: Im Usgang mit Musikerin Belia Winnewisser
Teil 2: Im Usgang mit Tänzer Charly Büchi
Teil 3: Im Usgang mit Nive

Diese Reihe wird ermöglicht durch:

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