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Ich und mein Bus – vier Vanbesitzer*innen im Portrait

Plötzlich waren sie überall – in den blauen Zonen sprossen im Corona-Frühling die Vans und Büsslis wie Pilze aus dem Boden. Tsüri.ch hat mit vier Van-Besitzer*innen über Wildcampen und Waschbecken aus Salatschüsseln gesprochen.
12. Juli 2020
Community-Verantwortliche und Redaktorin

Mario: «Mein Camper bedeutet für mich Freiheit und Ungezwungenheit»

«Bereits vor vier Jahren hatte ich einen Familien-Van gekauft und eine Matratze hinten reingelegt. Letztes Jahr dann war ich in Spanien surfen und fasste den Entschluss, einen richtigen Bus zu kaufen und ihn über den Winter umzubauen. Das beste Detail? Eine Salatschlüssel aus Bambus mit Loch, die als Waschbecken fungiert. Für den Umbau habe ich ach bis neun volle Tage gebraucht. Das wichtigste für mich war die Basis: Ich wollte einen Bus, der tiefer als zwei Meter ist, damit ich in jede Tiefgarage fahren kann. Der Camper steht für mich für Freiheit und Ungezwungenheit. Mit dem Wildcampen habe ich bis jetzt keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ich nerve mich eher über die Camper*innen, die ihren Abfall liegen lassen.»

Mario (28) Kilchberg ZH
Marios Camper auf Instagram


Valentin: «Es war eine spontane Idee, den Bus zu kaufen»

«Der Fiat Ducato stand auf einem Parkplatz und als ich zum gefühlt 100. Mal daran vorbeiging, habe ich den Besitzer ausgemacht und ihm das Auto abgekauft. Der Bus war in einem schlechten Zustand. Etwa eineinhalb Jahre habe ich daran gearbeitet. Der beste Entscheid war es, Küche und Dusche rauszunehmen und so mehr Platz zu schaffen. Meine Tipps für den Umbau: So viel wie möglich selber machen. Es gab X Momente, wo ich dachte: Scheisse, was mache ich hier. Aber je mehr du selber daran werkelst, desto mehr Freude hast du daran. Die längste Reise führte mich vom Wallis bis nach Südfrankreich ans Meer. Wenn ich auf privatem Boden übernachten wollte, bin ich auch schon ein paar Minuten zu Fuss gelaufen, um den*die Besitzer*in um Erlaubnis zu fragen. Die Devise: Immer ehrlich und offen sein, die Leute haben meistens Verständnis und helfen gerne weiter. Den Bus zu vermieten ist vielleicht auch mal eine Option, bis jetzt war ich einfach immer noch mit dem Umbau beschäftigt.»

Valentin (25) wohnt in Zürich


Stefanie und Jeremy: «Wir gehen nie mehr in eine Wohnung zurück»

«Am 11. November 2019 sind wir losgefahren. Das Ziel war, Weihnachten am Strand in Griechenland zu verbringen. Das haben wir geschafft. Mitte März wollten wir weiter nach Italien. Wir haben die Corona-Situation beobachtet und gedacht, das betrifft uns eh nicht. Gerade noch zwei Tage bevor die Ausgangssperre kam, konnten wir in eine Wohnung von Bekannten in Thessaloniki ziehen. Wir waren beide ausgebrannt und haben uns nach einigen Schicksalsschlägen für einen kompletten Neustart entschieden. Zuerst wollten wir nur einen Sabbatical machen. Aber es störte uns, im Hinterkopf zu haben, dass wir wieder zurück müssen. So entschieden wir, alle Zelte in der Schweiz abzubrechen. Wir kündigten Job und Wohnung. Unsere anfänglichen Ängste waren unbegründet – vor allem auch, was die finanzielle Sicherheit betrifft. In Griechenland und anderen Ländern gibt es so viele Menschen, die von der Hand in den Mund leben. Wir sind privilegiert: Wir sind digitale Nomaden und arbeiten von unterwegs. Im Notfall können wir auch wieder zurück in die Schweiz. Im August müssen wir den Bus sowieso zur MFK bringen. Eines wissen wir bestimmt: Wir gehen sicher nicht in eine Wohnung zurück. Wir haben uns zu fest in das Busleben verliebt.»

Stefanie (30) und Jeremy (28) aus Urdorf und Herisau
Olaf auf Instagram
Youtubekanal


Kim: «Es scheint, dass dieses Jahr alle Van-Ferien in der Schweiz machen»

«Vor drei Jahren suchten wir einen Bus zum Mieten für unsere Ferien in Schweden. In der Schweiz fanden wir damals keine schönen Büsslis, nur solche, in die die Vermieter*innen lieblos eine Matratze hinten reingeschmissen haben. Wir haben uns deshalb entschieden, selber einen zu bauen und konnten einen mittlerweile 18-jährigen VW kaufen. Das Wichtigste ist uns der Schlaf, das Bett ist deshalb auch so breit wie der Bus. Zwei Monate haben wir jeden Abend daran gebaut. Meine liebsten Details sind das dimmbare Licht und das Holz, das aus einem alten Ferienhaus in Graubünden stammt und wir für die Decke und Ablage benutzt haben. Wir waren mit Tom schon überall in Europa. In Italien ist Wildcampen verboten und es gibt Bussen von 300 bis 400 Franken, wenn du erwischt wirst. Wegen des Verbots getrauten wir uns nicht zu lüften und es wurde unerträglich heiss im Bus. Zurzeit vermieten wir den Bus, es freut mich, wenn er gebraucht wird und es scheint, dass dieses Jahr alle Van-Ferien in der Schweiz machen.»

Kim (25) aus Zürich
Tom auf Instagram

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